AStA-Arbeit­neh­mer

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung zur Unter­schei­dung selb­stän­di­ger von nicht­selb­stän­di­ger Arbeit ein wei­te­res Mal bestä­tigt. Anlass war dies­mal die Fra­ge, ob die nach dem ein­schlä­gi­gen Hoch­schul­recht als rechts­fä­hi­ge Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts behan­del­te Stu­den­ten­schaft einer Uni­ver­si­tät Arbeit­ge­ber und die für sie täti­gen Orga­ne, der All­ge­mei­ne Stu­den­ten­aus­schuss (AStA) sowie die dafür han­deln­den Per­so­nen – Vor­sit­zen­de und Refe­ren­ten des AStA – Arbeit­neh­mer sein kön­nen.

AStA-Arbeit­neh­mer

Im Streit­fall zahl­te die Klä­ge­rin, die Stu­den­ten­schaft, an die Vor­sit­zen­den und Refe­ren­ten des AStA für deren Tätig­keit monat­li­che Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen, ohne hier­für Lohn­steu­er ein­zu­be­hal­ten. Das Finanz­amt sah die an die AStA-Mit­glie­der gezahl­ten Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen als steu­er­pflich­ti­gen Arbeits­lohn an und nahm die Klä­ge­rin für die Lohn­steu­er in Haf­tung. Das Finanz­ge­richt schloss sich die­ser Auf­fas­sung an und der BFH bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung in sei­nem Urteil vom 22. Juli 2008.

Der BFH zog zur Begrün­dung sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung her­an, nach der sich der steu­er­li­che Arbeit­neh­mer­be­griff nur typi­sie­rend durch eine grö­ße­re und unbe­stimm­te Zahl von Merk­ma­len beschrei­ben lässt. Ob jemand Arbeit­neh­mer ist, beur­teilt sich des­halb jeweils im Ein­zel­fall nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nis­se. Danach sei­en die AStA-Mit­glie­der Arbeit­neh­mer der Stu­den­ten­schaft. Der BFH sah es ins­be­son­de­re als ent­schei­dend an, dass die AStA Mit­glie­der als Teil des Organs AStA die Stu­den­ten­schaft nach außen ver­tre­ten und vom Stu­den­ten­par­la­ment gewählt sei­en. Der AStA füh­re die Beschlüs­se des Stu­den­ten­par­la­ments aus und sei ihm gegen­über in allen grund­le­gen­den Fra­gen wei­sungs­ge­bun­den und ver­ant­wort­lich. Als Exe­ku­tiv­or­gan der Stu­den­ten­schaft sei der AStA durch­aus mit der Bun­des­re­gie­rung oder einer Lan­des­re­gie­rung ver­gleich­bar, in deren Bereich es etwa für Bun­des­kanz­ler, Minis­ter­prä­si­den­ten und Minis­ter auch unbe­strit­ten sei, dass sie steu­er­recht­lich als Arbeit­neh­mer gel­ten. Die­ser Beur­tei­lung stand auch eine frü­he­re Ent­schei­dung des BFH vom 26. Janu­ar 1998 (VI R 47/​97) nicht ent­ge­gen: Danach kam zwar der AStA selbst als Arbeit­ge­ber und Schuld­ner von Lohn­steu­er nicht in Betracht; die Fra­ge, ob die Stu­den­ten­schaft Arbeit­ge­be­rin der AStA-Mit­glie­der sein kann, blieb aber aus­drück­lich offen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Juli 2008 – VI R 51/​05