Der Streit um die Lohn­steu­er­merk­ma­le – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Bei einem Streit um eine Frei­stel­lungs­be­schei­ni­gung ist die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge zuläs­sig (§ 100 Abs. 1 Satz 4 FGO), weil der Klä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des Wider­rufs der Frei­stel­lungs­be­schei­ni­gung hat. Das berech­tig­te Inter­es­se besteht unter dem Gesichts­punkt der Pro­zess­öko­no­mie sowie der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr 1.

Der Streit um die Lohn­steu­er­merk­ma­le – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Gemäß § 41c Abs. 3 Satz 1 EStG ist nach Ablauf des Kalen­der­jah­res die Ände­rung des Lohn­steu­er­ab­zugs nur bis zur Über­mitt­lung oder Aus­schrei­bung der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung zuläs­sig. Da die Lohn­steu­er­be­schei­ni­gun­gen spä­tes­tens bis zum 28.02.des Fol­ge­jah­res zu über­mit­teln waren (§ 41b Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.), kann das abge­schlos­se­ne Lohn­kon­to des Klä­gers ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr geän­dert wer­den 2. Eine Erstat­tung von Lohn­steu­er nach Ablauf des Kalen­der­jah­res ist aus­schließ­lich im Wege des Lohn­steu­er-Jah­res­aus­gleichs i.S. des ‑allein auf unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer anwend­ba­ren- § 42b EStG mög­lich (§ 41c Abs. 3 Satz 3 EStG). Eine gericht­li­che Auf­he­bung des Wider­rufs der bis zum 31.12 2013 befris­te­ten Frei­stel­lung hät­te damit kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die bereits erho­be­ne Lohn­steu­er. Jedoch ist die strei­ti­ge Rechts­fra­ge der abkom­mens­recht­li­chen Frei­stel­lung des Ruhe­ge­halts ‑ggf. in Form des Abrufs als elek­tro­ni­sches Lohn­steu­er­merk­mal i.S. des § 39 Abs. 4 Nr. 5 EStG- auch für die Lohn­steu­er­erhe­bung in den Fol­ge­jah­ren von Bedeu­tung 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Janu­ar 2018 – I R 49/​16

  1. vgl. BFH, Urteil vom 07.06.1989 – X R 12/​84, BFHE 157, 370, BSt­Bl II 1989, 976[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 04.11.2014 – I R 19/​13, BFH/​NV 2015, 333[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 23.09.2008 – I R 57/​07, BFH/​NV 2009, 390; vom 11.07.2012 – I R 76/​11, BFH/​NV 2012, 1966[]