Dienst­wa­gen­be­steue­rung und die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te

Nach der jüngs­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs gel­ten für die Beur­tei­lung, ob eine Fahrt zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te im Sin­ne des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG vor­liegt, die Grund­sät­ze, die nach § 9 Abs. 2 EStG 1 auf den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und (regel­mä­ßi­ger) Arbeits­stät­te anzu­wen­den sind 2.

Dienst­wa­gen­be­steue­rung und die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te

Der Zuschlag nach § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG ist nur dann vor­zu­neh­men, wenn der Arbeit­neh­mer den Dienst­wa­gen auch tat­säch­lich für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te genutzt hat. Denn nach dem Norm­zweck des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG ist der Zuschlag ein Kor­rek­tur­pos­ten zum – pau­scha­len – Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nach § 9 Abs. 2 EStG, der auch bei – unent­gelt­li­cher – Über­las­sung des Dienst­wa­gens für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te gewährt wird. Für die Ermitt­lung des Zuschlags ist daher in glei­cher Wei­se wie für den pau­scha­len Wer­bungs­kos­ten­ab­zug auf die tat­säch­li­che Nut­zung des Dienst­wa­gens für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te abzu­stel­len 3. Die­se Recht­spre­chung hat der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2010 4 noch­mals bestä­tigt.

Ins­be­son­de­re hat der Bun­des­fi­nanz­hof dar­in der Ansicht des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen wider­spro­chen, das Gericht habe mit sei­nen zuvor genann­ten Ent­schei­dun­gen die Gren­zen rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung über­schrit­ten. Der wei­ter­hin gel­ten­de Nicht­an­wen­dungs­er­lass des Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen vom 23. Okto­ber 2008 5 bin­det das Finanz­ge­richt nicht.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 24. März 2010 – 15 K 290/​10

  1. sie­he zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Norm: BVerfG, Urteil vom 09.12.2008 – 2 BvL 1/​07, 2 BvL 2/​07, 2 BvL 1/​08, 2 BvL 2/​08, BVerfGE 122, 210[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 04.04.2008 – VI R 68/​05, BSt­Bl II 2008, 890; und VI R 85/​04, BSt­Bl II 2008, 887, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 04.04.2008 – VI R 68/​05, BSt­Bl II 2008, 890; und VI R 85/​04, BSt­Bl II 2008, 887[]
  4. BFH, Urteil vom 22.09.2010 – VI R 57/​09, BFHE 231, 139, BFH/​NV 2011, 349[]
  5. BMF, Schrei­ben vom 23.10.2008 – IV C 5 – 2334/​08/​10010, BSt­Bl I 2008, 961[]