Gas­um­rüs­tung bei Geschäfts­fahr­zeu­gen

Die Auf­wen­dun­gen für die Umrüs­tung eines Fahr­zeugs von Ben­zin- auf Flüs­sig­gas­be­trieb sind bei Fir­men­fahr­zeu­gen nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter als Kos­ten der Son­der­aus­stat­tung in die Bemes­sungs­grund­la­ge für die sog. 1%-Regelung bei pri­va­ter Kfz-Nut­zung ein­zu­be­zie­hen.

Gas­um­rüs­tung bei Geschäfts­fahr­zeu­gen

Im Ent­schei­dungs­fall stell­te der kla­gen­de Arbeit­ge­ber sei­nen Mit­ar­bei­tern geleas­te Fir­men­fahr­zeu­ge zur Ver­fü­gung, die auch unent­gelt­lich pri­vat genutzt wer­den durf­ten. Die Fahr­zeu­ge wur­den auf Gas­be­trieb umge­rüs­tet. Die Kos­ten hier­für trug das Lea­sing­un­ter­neh­men. Es erhöh­te jedoch die vom Arbeit­ge­ber zu tra­gen­den Lea­sing­ra­ten ent­spre­chend. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te für die Bestim­mung des lohn­steu­er­pflich­ti­gen Vor­teils der pri­va­ten Kfz-Nut­zung nicht nur den Lis­ten­preis des jewei­li­gen Fahr­zeugs, son­dern auch die Umbau­kos­ten für den Gas­be­trieb. Der Arbeit­ge­ber wand­te ein, für die Umrüs­tung sei­en eigen­be­trieb­li­che Inter­es­sen aus­schlag­ge­bend gewe­sen. Von den nied­ri­ge­ren Kraft­stoff­kos­ten pro­fi­tie­re nur er, der Arbeit­neh­mer bezie­he hier­durch kei­nen – lohn­steu­er­pflich­ti­gen – geld­wer­ten Vor­teil.

Der 10. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter trat der Auf­fas­sung des Arbeit­ge­bers ent­ge­gen. Er qua­li­fi­zier­te die Auf­wen­dun­gen für die Umrüs­tung als Son­der­aus­stat­tung, die zu einer Erhö­hung der Bemes­sungs­grund­la­ge für die 1%-Regelung führt. Die Gas­an­la­ge – so die Begrün­dung – sei zusätz­li­ches Aus­stat­tungs­merk­mal der Fahr­zeu­ge. Sie erset­ze nicht den regu­lä­ren Ben­zin­be­trieb, son­dern ermög­li­che, die Fahr­zeu­ge alter­na­tiv mit Flüs­sig­gas zu füh­ren. Ent­schei­dend sei, dass der Gas­an­trieb allein dem bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch der über­las­se­nen Fahr­zeu­ge die­ne und – anders als z.B. ein Auto­te­le­fon – untrenn­bar mit der Nut­zung der Fahr­zeu­ge ver­bun­den sei.

Auch ver­bie­te – so die Müns­te­ra­ner Finanz­rich­ter wei­ter – die ver­ein­fa­chen­de und typi­sie­ren­de 1%-Regelung, Kos­ten für ein­zel­ne Aus­stat­tungs­merk­ma­le des Fahr­zeugs unbe­rück­sich­tigt zu las­sen, nur weil dem Arbeit­neh­mer inso­weit kein unmit­tel­ba­rer eige­ner Vor­teil zuflös­se. Der Lohn­steu­er unter­wor­fen wer­de die pri­va­te Nutz­bar­keit des gesam­ten Fahr­zeugs. Die 1%-Regelung knüp­fe aus­schließ­lich an den objek­ti­ven Wert des Fahr­zeugs und nicht an den Nut­zen aus Sicht des Arbeit­neh­mers an.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 23. Janu­ar 2009 – 10 K 1666/​07 L