Gebüh­ren­ver­zicht zuguns­ten von Mit­ar­bei­tern eines Ver­triebs­part­ners

Der Umstand, dass eine Bau­spar­kas­se sowohl bei Arbeit­neh­mern ihrer „Part­ner­ban­ken” als auch bei ihren frei­en Han­dels­ver­tre­tern und deren Arbeit­neh­mern sowie den Beschäf­tig­ten ande­rer genos­sen­schaft­lich orga­ni­sier­ter Unter­neh­men und Koope­ra­ti­ons­part­ner auf die Erhe­bung von Abschluss­ge­büh­ren ver­zich­tet, begrün­det Zwei­fel dar­an, ob die­ser Gebüh­ren­vor­teil Arbeits­lohn ist.

Gebüh­ren­ver­zicht zuguns­ten von Mit­ar­bei­tern eines Ver­triebs­part­ners

Nach § 38 Abs. 3 Satz 1 EStG hat der Arbeit­ge­ber die Lohn­steu­er für Rech­nung des Arbeit­neh­mers bei jeder Lohn­zah­lung vom Arbeits­lohn ein­zu­be­hal­ten und abzu­füh­ren (§ 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Zu den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gehö­ren gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG –neben Gehäl­tern und Löh­nen– auch ande­re Bezü­ge und Vor­tei­le, die „für” eine Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst gewährt wer­den. Dabei ist gleich­gül­tig, ob ein Rechts­an­spruch auf sie besteht (§ 19 Abs. 1 Satz 2 EStG) oder unter wel­cher Bezeich­nung oder in wel­cher Form sie gewährt wer­den (§ 2 Abs. 1 Satz 2 der Lohn­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung)

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung1 wer­den Bezü­ge oder Vor­tei­le für eine Beschäf­ti­gung gewährt, wenn sie durch das indi­vi­du­el­le Dienst­ver­hält­nis ver­an­lasst wor­den sind. Erfor­der­lich ist nicht, dass sie eine Gegen­leis­tung für eine kon­kre­te (ein­zel­ne) Dienst­leis­tung des Arbeit­neh­mers sind. Eine Ver­an­las­sung durch das indi­vi­du­el­le Dienst­ver­hält­nis ist viel­mehr zu beja­hen, wenn die Ein­nah­men dem Emp­fän­ger mit Rück­sicht auf das Dienst­ver­hält­nis zuflie­ßen und sich als Ertrag der nicht­selb­stän­di­gen Arbeit dar­stel­len, d.h. wenn sich die Leis­tung des Arbeit­ge­bers im wei­tes­ten Sin­ne als Gegen­leis­tung für das Zur­ver­fü­gung­stel­len der indi­vi­du­el­len Arbeits­kraft des Arbeit­neh­mers erweist2.

Arbeits­lohn kann auch bei der Zuwen­dung eines Drit­ten anzu­neh­men sein, wenn die­se ein Ent­gelt „für” eine Leis­tung bil­det, die der Arbeit­neh­mer im Rah­men des Dienst­ver­hält­nis­ses für sei­nen Arbeit­ge­ber erbringt, erbracht hat oder erbrin­gen soll. Vor­aus­set­zung ist, dass sie sich für den Arbeit­neh­mer als Frucht sei­ner Arbeit für den Arbeit­ge­ber dar­stellt und im Zusam­men­hang mit dem Dienst­ver­hält­nis steht3. Arbeits­lohn liegt jedoch dann nicht vor, wenn die Zuwen­dung wegen ande­rer Rechts­be­zie­hun­gen oder wegen sons­ti­ger, nicht auf dem Dienst­ver­hält­nis beru­hen­der Bezie­hun­gen zwi­schen Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber gewährt wird4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20.Mai 2010 – VI R 41/​09

  1. z.B. BFh, Urtei­le vom 30.05.2001 – VI R 159/​99, BFHE 195, 364, BSt­Bl II 2001, 815; vom 22.03.1985 – VI R 170/​82, BFHE 143, 544, BSt­Bl II 1985, 529; vom 11.12.2008 – VI R 9/​05, BFHE 224, 70, BSt­Bl II 2009, 385; und vom 30.07.2009 – VI R 54/​08, BFH/​NV 2010, 30, m.w.N.
  2. vgl. H 70 des Lohn­steu­er-Hand­buchs 2004 unter „All­ge­mei­nes zum Arbeits­lohn­be­griff”; Schmidt/​Drenseck, EStG, 29. Aufl., § 19 Rz 24
  3. z.B. BFH, Urtei­le vom 24.02.1981 – VIII R 109/​76, BFHE 133, 375, BSt­Bl II 1981, 707; vom 05.07.1996 – VI R 10/​96, BFHE 180, 441, BSt­Bl II 1996, 545; vom 19.08.2004 – VI R 33/​97, BFHE 207, 230, BSt­Bl II 2004, 1076; vom 10.05.2006 – IX R 82/​98, BFHE 213, 487, BSt­Bl II 2006, 669; bestä­tigt u.a. durch BFH, Urtei­le vom 19.06.2008 – VI R 4/​05, BFHE 222, 353, BSt­Bl II 2008, 826; und vom 20.11.2008 – VI R 25/​05, BFHE 223, 419, BSt­Bl II 2009, 382; vom 18.12.2008 – VI R 8/​06, BFH/​NV 2009, 382; und VI R 49/​06, BFHE 224, 103, BSt­Bl II 2009, 820; Pflü­ger in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 19 EStG Rz 170 f.
  4. BFH, Urtei­le in BFHE 143, 544, BSt­Bl II 1985, 529; vom 24.01.2001 – I R 100/​98, BFHE 195, 102, BSt­Bl II 2001, 509; vom 17.06.2009 – VI R 69/​06, BFHE 226, 47, BSt­Bl II 2010, 69, m.w.N.; Schmidt/​Drenseck, a.a.O., § 19 Rz 29, m.w.N.