Lohn­steu­er­ab­füh­rung trotz Insol­venz­an­trags­pflicht?

Die steu­er­recht­lich und die insol­venz­recht­lich unter­schied­li­che Bewer­tung der Lohn­steu­er-Abfüh­rungs­pflicht des Arbeit­ge­bers in insol­venz­rei­fer Zeit kann zu einer Pflich­ten­kol­li­si­on füh­ren. Eine sol­che steht der Haf­tung des Geschäfts­füh­rers wegen Nicht­ab­füh­rung der Lohn­steu­er aber jeden­falls dann nicht ent­ge­gen, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter die Beträ­ge im gedach­ten Fal­le der pflicht­ge­mä­ßen Zah­lung der Lohn­steu­er vom Finanz­amt des­halb nicht her­aus­ver­lan­gen kann, weil die Anfech­tungs­vor­aus­set­zun­gen nach §§ 129 ff. InsO nicht vor­lie­gen.

Lohn­steu­er­ab­füh­rung trotz Insol­venz­an­trags­pflicht?

Die gesell­schafts­recht­li­che Pflicht des Geschäfts­füh­rers zur Siche­rung der Mas­se i.S. des § 64 Abs. 2 GmbHG kann die Ver­pflich­tung zur Voll­ab­füh­rung der Lohn­steu­er allen­falls in den drei Wochen sus­pen­die­ren, die dem Geschäfts­füh­rer ab Kennt­nis der Über­schul­dung bzw. Zah­lungs­un­fä­hig­keit der GmbH nach § 64 Abs. 1 GmbHG ein­ge­räumt sind, um die Sanie­rungs­fä­hig­keit der GmbH zu prü­fen und Sanie­rungs­ver­su­che durch­zu­füh­ren. Nur in die­sem Zeit­raum kann das die Haf­tung nach § 69 AO begrün­den­de Ver­schul­den aus­ge­schlos­sen sein.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2007 – VII R 67/​05