Lohn­steu­er­klas­sen – und der Wech­sel der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on bei Ehe­gat­ten

Beim Wech­sel der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on bei Ehe­gat­ten bestehen für den Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Beschrän­kung auf einen Antrag im Lau­fe eines Kalen­der­jahrs.

Lohn­steu­er­klas­sen – und der Wech­sel der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on bei Ehe­gat­ten

Die­se Beschrän­kung ver­letzt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht Art. 6 Abs. 1 GG. Die sich für den Gesetz­ge­ber aus Art. 6 Abs. 1 GG erge­ben­de Ver­pflich­tung, Ehe und Fami­lie unter beson­de­ren Schutz zu stel­len, ver­bie­tet es, so der Bun­des­fi­nanz­hof, nicht, die die Ehe­leu­te gegen­über nicht ver­hei­ra­te­ten Paa­ren bevor­zu­gen­de Aus­nah­me­re­gel zum Wech­sel der Steu­er­klas­sen auf den ein­ma­li­gen Wech­sel im Lau­fe eines Kalen­der­jahrs zu beschrän­ken. Mit § 39 Abs. 6 Satz 3 EStG eröff­net der Gesetz­ge­ber eine nur Ehe­leu­ten zugäng­li­che Gestal­tungs­mög­lich­keit, auf schlich­ten Antrag die Steu­er­klas­sen zu wech­seln.

Die den Ehe­leu­ten damit ein­ge­räum­te Gestal­tungs­frei­heit kor­re­spon­diert aller­dings mit ihrer eigen­ver­ant­wort­li­chen Aus­übung [1]. Die Ehe­leu­te, die die­se Begüns­ti­gung durch den Wech­sel der Steu­er­klas­sen in Anspruch neh­men, müs­sen daher die Fol­gen eines sol­chen Wech­sels beden­ken.

Die Nut­zung von Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen bleibt grund­sätz­lich im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Steu­er­pflich­ti­gen; der aus Art. 6 Abs. 1 GG sich erge­ben­den Ver­pflich­tung ent­spricht der Gesetz­ge­ber jeden­falls dann, wenn er den Ehe­leu­ten Gestal­tungs­for­men an die Hand gibt, die die Begüns­ti­gung erreich­bar blei­ben lässt [2]. Dies ist mit dem (ein­ma­li­gen) Wech­sel der Steu­er­klas­sen der Fall.

Aus Art. 6 Abs. 1 GG folgt aber kei­ne Ver­pflich­tung für den Gesetz­ge­ber, Steu­er­pflich­ti­ge vor den Fol­gen ihrer selbst gewähl­ten, mög­li­cher­wei­se weni­ger vor­teil­haf­ten Gestal­tungs­for­men zu bewah­ren [3]. Der Gesetz­ge­ber muss den Ehe­leu­ten daher nicht die Mög­lich­keit ein­räu­men, auf schlich­ten Antrag die Steu­er­klas­sen zwei­mal im Kalen­der­jahr zu wech­seln, und ihnen damit gestat­ten, eine ein­mal getrof­fe­ne Wahl noch im Lau­fe des­sel­ben Kalen­der­jahrs wie­der zu ändern.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. März 2017 – VI S 21/​16 (PKH)

  1. s. BVerfG, Beschluss vom 26.02.1993 – 2 BvR 164/​92, HFR 1993, 408[]
  2. BVerfG, Beschluss in HFR 1993, 408[]
  3. BFH, Urteil vom 26.03.2009 – VI R 59/​08, BFHE 224, 453, BStBl II 2009, 808[]