Rabatt bei der 1%-Regelung

Der geld­wer­te Vor­teil für das dem Arbeit­neh­mer über­las­se­ne betrieb­li­che Kraft­fahr­zeug bemisst sich nach der 1 % Rege­lung auf der Grund­la­ge des inlän­di­schen Brut­to­lis­ten­prei­ses. Vom Händ­ler gewähr­te Rabat­te sind nicht zu berück­sich­ti­gen.

Rabatt bei der 1%-Regelung

Zum Arbeits­lohn gehö­ren nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG neben Gehäl­tern, Löh­nen, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men und ande­ren Bezü­gen auch Vor­tei­le, die für eine Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst gewährt wer­den. Das sind nach § 8 Abs. 1 EStG alle in Geld oder Gel­des­wert bestehen­den Güter, die dem Steu­er­pflich­ti­gen im Rah­men der Ein­kunfts­art des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG zuflie­ßen. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG benennt die gel­des­wer­ten Güter oder Vor­tei­le (Ein­nah­men, die nicht in Geld bestehen), näm­lich „Woh­nung, Kost, Waren, Dienst­leis­tun­gen und sons­ti­ge Sach­be­zü­ge“; sie sind mit den um übli­che Preis­nach­läs­se gemin­der­ten übli­chen End­prei­sen am Abga­be­ort anzu­set­zen. Nach § 8 Abs. 3 EStG gel­ten für Waren oder Dienst­leis­tun­gen, die ein Arbeit­neh­mer auf Grund sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses erhält, und die vom Arbeit­ge­ber nicht über­wie­gend für den Bedarf sei­ner Arbeit­neh­mer her­ge­stellt, ver­trie­ben oder erbracht wer­den und deren Bezug pau­schal ver­steu­ert wird, als deren Wer­te die um 4% gemin­der­ten End­prei­se, zu denen der Arbeit­ge­ber die Waren oder Dienst­leis­tun­gen frem­den Letzt­ver­brau­chern im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr anbie­ten.

Abwei­chend von die­sen auf „End­prei­se“ abstel­len­den Bestim­mun­gen für die Bewer­tung von Zuwen­dun­gen an den Arbeit­neh­mer ver­weist § 8 EStG in sei­nem Absatz 2 Satz 2 und Satz 3 für die pri­va­te Nut­zung eines betrieb­li­chen Kfz zu pri­va­ten Fahr­ten und für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te auf § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG. Nach die­ser Vor­schrift ist für die pri­va­te Nut­zung eines Kfz für jeden Kalen­der­mo­nat 1 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tung ein­schließ­lich Umsatz­steu­er anzu­set­zen. Unter dem inlän­di­schen Lis­ten­preis im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung ist die an die­sem Stich­tag maß­geb­li­che Preis­emp­feh­lung des Her­stel­lers zu ver­ste­hen, die für den End­ver­kauf des tat­säch­lich genutz­ten Fahr­zeug­mo­dells auf dem inlän­di­schen Neu­wa­gen­markt gilt. Mit der Anknüp­fung an die Preis­emp­feh­lung des Auto­mo­bil­her­stel­lers hat der Gesetz­ge­ber eine stark ver­ein­fa­chen­de, typi­sie­ren­de und damit für alle glei­chen Fahr­zeu­ge ein­heit­li­che Grund­la­ge für die Bewer­tung der Nut­zungs­vor­tei­le geschaf­fen [1].

Die in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG erfolg­te Typi­sie­rung, die auf den inlän­di­schen Lis­ten­preis und nicht auf einen tat­säch­lich nied­ri­ge­ren Kauf­preis abhebt und Neu- und Gebraucht­wa­gen glei­cher­ma­ßen betrifft, stellt zwar eine recht gro­be Typi­sie­rung dar. Gleich­wohl begeg­net sie nach all­ge­mei­ner Ansicht kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lung wie­der­holt bestä­tigt, u. a. auch des­halb, weil im Ein­zel­fall mit­tels der ord­nungs­ge­mä­ßen Füh­rung eines Fahr­ten­buchs einer ggf. nicht sach­ge­rech­ten Bewer­tung der pri­va­ten Nut­zung begeg­net wer­den kann [2].

Obwohl dem Gesetz­ge­ber bei Typi­sie­run­gen von Ver­fas­sungs wegen ein wei­ter Spiel­raum zur Ver­fü­gung steht, fin­det er sei­ne Gren­ze, wenn die mit der Typi­sie­rung ein­her­ge­hen­den Vor­tei­le nicht mehr im rech­ten Ver­hält­nis zu der mit der Typi­sie­rung not­wen­dig ver­bun­de­nen Ungleich­heit der steu­er­li­chen Belas­tung ste­hen [3]. Zu unter­schei­den ist zwi­schen Typi­sie­run­gen, die vom Steu­er­pflich­ti­gen nicht durch die Erbrin­gung von Nach­wei­sen wider­legt wer­den kön­nen, und bei denen es das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als wesent­lich ange­se­hen hat, dass davon nur eine klei­ne Zahl von betrof­fe­nen Steu­er­pflich­ti­gen benach­tei­ligt wird, weil sie einen für sie güns­ti­ge­ren Sach­ver­halt als den in der Typi­sie­rung unter­stell­ten ver­wirk­licht haben und dass die­ser Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz im Ein­zel­fall nicht sehr inten­siv ist [4] und wider­leg­ba­ren Typi­sie­run­gen.

Bei der in Rede ste­hen­den sog. 1% Rege­lung han­delt es sich um eine der­ar­ti­ge wider­leg­ba­re Typi­sie­rung, deren Anwen­dung der Steu­er­pflich­ti­ge durch den Nach­weis des tat­säch­li­chen Sach­ver­halts ent­ge­hen kann, und zwar durch die Füh­rung eines ord­nungs­ge­mä­ßen Fahr­ten­bu­ches und den beleg­mä­ßi­gen Nach­weis der getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen für das Kfz. Bei einer wider­leg­ba­ren Typi­sie­rung steht es dem Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich frei, die güns­ti­gen Aus­wir­kun­gen des typi­sier­ten Betra­ges auf eine klei­ne Grup­pe zu beschrän­ken oder sie für eine gro­ße Grup­pe von Steu­er­pflich­ti­gen vor­zu­se­hen. Der Gesetz­ge­ber ver­langt mit dem Nach­weis durch ein ord­nungs­ge­mäß geführ­tes Fahr­ten­buch auch nichts Unmög­li­ches oder Unzu­mut­ba­res vom Steu­er­pflich­ti­gen. Die 1%-Regelung kommt daher auch nicht der Sache einer unwi­der­leg­ba­ren Typi­sie­rung gleich, für die stren­ge­re ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stä­be gel­ten wür­den.

Der Gesetz­ge­ber braucht bei Typi­sie­run­gen nicht allen Beson­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les Rech­nung zu tra­gen und immer mehr indi­vi­dua­li­sie­ren­de und spe­zia­li­sie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen. Es ent­spricht vor die­sem Hin­ter­grund den Anfor­de­run­gen an eine sach­ge­rech­te Typi­sie­rung, wenn der Gesetz­ge­ber zur Ermitt­lung des pri­va­ten Nut­zungs­an­teils nicht auf die tat­säch­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten des Kfz, son­dern auf den Lis­ten­preis abstellt. Der Ansatz des Lis­ten­prei­ses statt der Anschaf­fungs­kos­ten ent­spricht dem Erfor­der­nis, die Ent­nah­me des Steu­er­pflich­ti­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach dem dem Steu­er­pflich­ti­gen zukom­men­den Nut­zungs­vor­teil zu bemes­sen. Hier­für stellt der Lis­ten­preis einen geeig­ne­ten Maß­stab dar [5].

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 18. Okto­ber 2010 – 2 K 305/​09

  1. BT-Drs. 13/​1686, S. 8; BFH, Urteil vom 16.02.2005 – VI R 37/​04, BStBl II 2005, 563; vgl. auch Urban, Finanz-Rund­schau 2004, 1383f.[]
  2. vgl. ein­ge­hend z. B. BFH, Urteil vom 24.02.2000 – III R 59/​98, BStBl II 2000, 273; Urteil vom 01.03.2001 – IV R 27/​00, BStBl II 2001, 403[]
  3. BVerfG Ent­schei­dun­gen­vom 24.01.1962 – 1 BvR 845/​58, BVerfGE 13, 331; vom 20.12.1966 – 1 BvR 320/​57, BVerfGE 21, 12; vom 29.05.1990 – 1 BvL 20, BVerfGE 82, 60, 95 ff.; und vom 22.07.1991 – 1 BvR 829/​89, HFR 1992, 424[]
  4. )grund­le­gend BVerfG Ent­schei­dung vom 20.12.1966, 1 BvR 320/​57, BVerfGE 21, 12[]
  5. vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 25.05.1992 – VI R 146/​88, BStBl II 1992, 700; und vom 03.01.2007 – XI B 128/​06, BFH/​NV 2007, 708[]