Son­der­zah­lung zur Ver­bes­se­rung der Kapi­tal­aus­stat­tung einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se

Die Son­der­zah­lung eines Arbeit­ge­bers zur Ver­bes­se­rung der Kapi­tal­aus­stat­tung einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se stellt kei­nen Arbeits­lohn dar.

Son­der­zah­lung zur Ver­bes­se­rung der Kapi­tal­aus­stat­tung einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se

Zu den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gehö­ren nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG Gehäl­ter, Löh­ne, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men und ande­re Bezü­ge und Vor­tei­le, die für eine Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen oder pri­va­ten Dienst gewährt wer­den. Arbeits­lohn ist jeder gewähr­te Vor­teil, der durch das indi­vi­du­el­le Dienst­ver­hält­nis ver­an­lasst ist.

Zum Arbeits­lohn kön­nen auch Aus­ga­ben gehö­ren, die ein Arbeit­ge­ber leis­tet, um einen Arbeit­neh­mer oder die­sem nahe­ste­hen­de Per­so­nen für den Fall der Krank­heit, des Unfalls, der Inva­li­di­tät, des Alters oder des Todes abzu­si­chern –Zukunfts­si­che­rung– 1. Erlangt der Arbeit­neh­mer durch die Bei­trags­leis­tun­gen sei­nes Arbeit­ge­bers einen unmit­tel­ba­ren und unent­zieh­ba­ren Rechts­an­spruch gegen den Ver­si­che­rer bzw. die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung, fließt ihm mit der Bei­trags­leis­tung Arbeits­lohn zu 2.

Dem­ge­mäß liegt Arbeits­lohn vor, wenn Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch abschnitts­be­zo­ge­ne Umla­gen der betei­lig­ten Arbeit­ge­ber finan­ziert wer­den 3. Denn bereits durch die Teil­nah­me an dem kol­lek­ti­ven Finan­zie­rungs­ver­fah­ren erwirbt der akti­ve Arbeit­neh­mer Anwart­schafts­rech­te auf künf­ti­ge Ver­sor­gung, was für die Zuwen­dung eines Lohn­be­stand­teils aus­reicht 4.

Über­dies kön­nen Son­der­zu­wen­dun­gen, die der Arbeit­ge­ber zur Abde­ckung von Fehl­be­trä­gen beim Deckungs­ka­pi­tal eines Ver­si­che­rers bzw. einer Ver­sor­gungs­ein­rich­tung erbringt, Arbeits­lohn sein.

So hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass Pau­schal­zu­wei­sun­gen eines Arbeit­ge­bers an eine betrieb­li­che Pen­si­ons­kas­se zur Abde­ckung von Fehl­be­trä­gen des Deckungs­ka­pi­tals Arbeits­lohn der akti­ven Arbeit­neh­mer oder der Pen­sio­nä­re sind, wenn die Bei­trä­ge zur Pen­si­ons­kas­se allein vom Arbeit­ge­ber getra­gen wer­den und die Höhe der lau­fen­den Bei­trä­ge ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch nicht exakt kal­ku­liert wur­de 5. Ent­schei­dend war dabei, dass die Pau­schal­zu­wei­sung wirt­schaft­lich an die Stel­le eines eige­nen Bei­trags des Arbeit­neh­mers trat, da sie dazu dien­te, Fehl­be­trä­ge aus­zu­glei­chen, die auf­grund der feh­len­den ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Kal­ku­la­ti­on der Bei­trä­ge von vorn­her­ein bil­li­gend in Kauf genom­men wur­den 6.

Ist dage­gen der Bar­wert der Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch in dem Sin­ne rich­tig berech­net wor­den, dass die für den jewei­li­gen Deckungs­ab­schnitt zu ent­rich­ten­den Umla­gen zur Deckung der für die­sen Zeit­raum anfal­len­den Aus­ga­ben aus­ge­reicht hät­ten, haben Son­der­zu­wen­dun­gen des Arbeit­ge­bers an den Ver­si­che­rer bzw. die Ver­sor­gungs­ein­rich­tung kei­nen Arbeits­lohn­cha­rak­ter 7. Denn tre­ten sol­che Son­der­zu­wen­dun­gen wirt­schaft­lich nicht an die Stel­le eines eige­nen Bei­trags der Arbeit­neh­mer, erlan­gen die­se hier­durch auch kei­nen Vor­teil 8.

Erst Son­der­zu­wen­dun­gen des Arbeit­ge­bers, die Son­der­zah­lun­gen i.S. des § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 Sät­ze 2 bis 4 EStG i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes (JStG) 2007 sind und nach dem 23.08.2006 geleis­tet wur­den (§ 52 Abs. 35 EStG i.d.F. des JStG 2007), zäh­len zu den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Juni 2013 – VI R 1/​11

  1. etwa BFH, Urteil vom 11.12.2008 – VI R 9/​05, BFHE 224, 70, BSt­Bl II 2009, 385[]
  2. BFH, Urteil vom 07.05.2009 – VI R 8/​07, BFHE 225, 68, BSt­Bl II 2010, 194[]
  3. BFH, Urtei­le vom 15.02.2006 – VI R 92/​04, BFHE 212, 445, BSt­Bl II 2006, 528; vom 30.05.2001 – VI R 178/​99, BFH/​NV 2001, 1258[]
  4. BFH, Urtei­le in BFHE 212, 445, BSt­Bl II 2006, 528; vom 14.09.2005 – VI R 32/​04, BFHE 210, 447, BSt­Bl II 2006, 500[]
  5. BFH, Urteil vom 07.07.1972 – VI R 116/​69, BFHE 107, 11, BSt­Bl II 1972, 890[]
  6. BFH, Urteil vom 12.09.2001 – VI R 154/​99, BFHE 196, 539, BSt­Bl II 2002, 22[]
  7. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 212, 445, BSt­Bl II 2006, 528; in BFHE 210, 447, BSt­Bl II 2006, 500; in BFH/​NV 2001, 1258[]
  8. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 212, 445, BSt­Bl II 2006, 528; vom 15.02.2006 – VI R 64/​05, BFH/​NV 2006, 1272, jeweils zur Gegen­wert­zah­lung beim Aus­schei­den eines Arbeit­ge­bers aus der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der; in BFHE 210, 447, BSt­Bl II 2006, 500, zu Son­der­zu­wen­dun­gen an eine Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se wegen der Schlie­ßung des Umla­ge­sys­tems; in BFHE 196, 539, BSt­Bl II 2002, 22, zur Bil­dung einer gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Solva­bi­li­täts­span­ne[]