Steu­er­frei­heit wie die Abge­ord­ne­ten?

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in meh­re­ren Revi­si­ons­ver­fah­ren, in denen die Klä­ger ihre im Ver­gleich zu Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges gleich­heits­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung bei der Besteue­rung ihres Ein­kom­mens behaup­ten, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen mit Beschlüs­sen vom 21. Sep­tem­ber 2006 um den Ver­fah­rens­bei­tritt ersucht. Im Fal­le eines Bei­tritts hat das BMF die ver­fah­rens­recht­li­che Stel­lung eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und kann sich in den Ver­fah­ren äußern und eige­ne Anträ­ge stel­len.

Steu­er­frei­heit wie die Abge­ord­ne­ten?

Sein Ersu­chen hat der Lohn­steu­er­se­nat des BFH mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken begrün­det, die gegen die gesetz­lich bestimm­te Steu­er­frei­heit der Kos­ten­pau­scha­le für Abge­ord­ne­te (§ 3 Nr. 12 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes und § 12 des Abge­ord­ne­ten­ge­set­zes) erho­ben wer­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe u.a. im soge­nann­ten Diä­ten­ur­teil die aus Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes abge­lei­te­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Gren­zen für steu­er­freie Auf­wands­pau­scha­len gezo­gen. Danach müs­se gewähr­leis­tet sein, dass die Steu­er­frei­heit nur Bezü­ge zum Aus­gleich von ein­kom­men­steu­er­lich absetz­ba­rem, wirk­lich ent­stan­de­nem und auch sach­lich ange­mes­se­nem Erwerbs­auf­wand erfas­se.

Im Hin­blick auf die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben hat der BFH das BMF gebe­ten, zu einer Rei­he von Fra­gen Stel­lung zu neh­men. So ins­be­son­de­re, ob und ggfs. an Hand wel­cher Erfah­rungs­wer­te der Gesetz­ge­ber von einem jähr­li­chen Erwerbs­auf­wand eines Abge­ord­ne­ten in Höhe der steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le von der­zeit 43 764 ? aus­ge­he, ob sich die Pau­scha­le ange­sichts wei­te­rer Kos­ten­er­stat­tun­gen auf bestimm­te Kos­ten­ar­ten bezie­he, aus wel­chen Grün­den die Pau­scha­le im Gegen­satz zu ande­ren Steu­er­pau­scha­len inde­xiert sei und Kos­ten für Reprä­sen­ta­ti­on und Ein­la­dun­gen abgel­te, obwohl sol­che Auf­wen­dun­gen für ande­re Steu­er­pflich­ti­ge nur beschränkt abzieh­bar sind. Auch Unter­schie­de bei der ein­kom­men­steu­er­li­chen Behand­lung des Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wan­des im Rah­men dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung und Aus­wärts­tä­tig­keit sowie bei der pri­va­ten Nut­zung der zur Ver­fü­gung gestell­ten Beför­de­rungs­mög­lich­kei­ten gaben eben­so wie die unge­kürz­te Pau­scha­le trotz Beur­lau­bung oder Arbeits­un­fä­hig­keit zu Fra­gen Anlass. Schließ­lich wur­de auch um Stel­lung­nah­me dazu gebe­ten, ob es Steu­er­pflich­ti­gen mög­lich sein müs­se, einen gleich­heits­wid­ri­gen Begüns­ti­gungs­aus­schluss zur Über­prü­fung zu stel­len und ob es dabei bedeut­sam sein kön­ne, dass die gleich­heits­wid­rig begüns­tig­te Grup­pe als Gesetz­ge­ber die­se Begüns­ti­gung selbst für sich geschaf­fen habe.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2006 – VI R 81/​04 u.a.