Steu­er­klas­se I – und der Begriff des "Lebens­part­ners"

Unter dem u.a. in § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se I Nr. 1 ErbStG ver­wen­de­ten Begriff "Lebens­part­ner" sind nur Lebens­part­ner im Sin­ne des LPartG zu ver­ste­hen 1.

Steu­er­klas­se I – und der Begriff des

Der in § 1 Abs. 1 Satz 1 LPartG ver­wen­de­te Rechts­be­griff "Lebens­part­ner" ist auf sol­che Partner(innen) glei­chen Geschlechts beschränkt, die gegen­über dem Stan­des­be­am­ten per­sön­lich und bei gleich­zei­ti­ger Anwe­sen­heit erklä­ren, mit­ein­an­der eine Part­ner­schaft auf Lebens­zeit füh­ren zu wol­len. Die durch die Ände­rung des § 15 ErbStG auf­grund des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 2 her­bei­ge­führ­te erb­schaft­steu­er­recht­li­che Gleich­stel­lung von Ehe­gat­ten und Lebens­part­nern war auf­grund des Beschlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 21.07.2010 3 aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gebo­ten. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zur Begrün­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner wie Ehe­gat­ten in einer auf Dau­er ange­leg­ten, recht­lich ver­fes­tig­ten Part­ner­schaft mit recht­lich ver­bind­li­cher Ver­ant­wor­tung für den Part­ner leb­ten. Lebens­part­nern stün­den Unter­halts­an­sprü­che zu, die den­je­ni­gen von Ehe­gat­ten im Wesent­li­chen ent­sprä­chen 4.

Mit dem umgangs­sprach­li­chen Begriffs­ver­ständ­nis einer auch Per­so­nen ver­schie­de­nen Geschlechts umfas­sen­den Lebens­part­ner­schaft sowie dem in § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se I Nr. 1 ErbStG feh­len­den Hin­weis auf ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner wer­den kei­ne gewich­ti­gen neu­en Gesichts­punk­te gel­tend gemacht, die einer erneu­ten Klä­rung in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren bedür­fen. Maß­ge­bend für die Aus­le­gung einer Geset­zes­vor­schrift ist der im Gesetz zum Aus­druck kom­men­de objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers 5 und nicht der umgangs­sprach­li­che Gehalt eines Begriffs. Hier­nach ist der in § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se – I Nr. 1 ErbStG ver­wen­de­te Begriff "Lebens­part­ner" auf einen sol­chen im Sin­ne des LPartG beschränkt, weil aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den ‑nur- für einen für eine(n) solche(n) Lebenspartner(in) im Rah­men der Ein­tei­lung der Steu­er­klas­sen die Gleich­stel­lung mit einem Ehe­gat­ten gebo­ten ist. Die ent­spre­chen­de Rege­lungs­ab­sicht des Gesetz­ge­bers kommt auch in der auf "Gleich­stel­lung von ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern mit Ehe­gat­ten" aus­ge­rich­te­ten Geset­zes­be­grün­dung zum JStG 2010 6 sowie dar­in zum Aus­druck, dass der in zahl­rei­chen Bestim­mun­gen des ErbStG ver­wen­de­te Begriff "Lebens­part­ner" (vgl. § 4 Abs. 1, § 5 Abs. 1 und 2, § 7 Abs. 1 Nr. 4, § 13 Abs. 1 Nr. 4a und 4b, § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se II Nr. 7 und Abs. 3, § 17 Abs. 1, § 31 Abs. 3 und § 37 Abs. 5 ErbStG) nach dem jewei­li­gen sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang auf einen sol­chen im Sin­ne des LPartG zuge­schnit­ten ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. Okto­ber 2015 – II B 23/​15

  1. BFH, Urteil vom 24.04.2013 – II R 65/​11, BFHE 240, 404, BSt­Bl II 2013, 633[]
  2. vom 13.12 2010, BGBl I 2010, 1768[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07 u.a., BVerfGE 126, 400[]
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 126, 400, Rz 96, 102 f.[]
  5. dazu z.B. BFH, Urteil vom 21.10.2010 – IV R 23/​08, BFHE 231, 544, BSt­Bl II 2011, 277; Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 4 AO Rz 232, jeweils m.w.N.[]
  6. BT-Drs. 17/​2449, 2 und 35; vgl. auch BT-Drs. 17/​3449, 3[]