Steu­er­min­de­rung auf­grund nach­träg­lich bekannt gewor­de­ner Tat­sa­chen – und der unter­las­se­ne Ein­spruch

Steu­er­be­schei­de sind gemäß § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO auf­zu­he­ben oder zu ändern, wenn und soweit Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel nach­träg­lich bekannt wer­den, die zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er füh­ren und den Steu­er­pflich­ti­gen kein gro­bes Ver­schul­den dar­an trifft, dass die Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel erst nach­träg­lich bekannt wer­den.

Steu­er­min­de­rung auf­grund nach­träg­lich bekannt gewor­de­ner Tat­sa­chen – und der unter­las­se­ne Ein­spruch

Ein gro­bes Ver­schul­den an dem nach­träg­li­chen Bekannt­wer­den der maß­geb­li­chen Tat­sa­chen ist nicht dar­aus her­zu­lei­ten, dass die Steu­er­pflich­ti­ge bzw. ihr Steu­er­be­ra­ter nicht Ein­spruch gegen die Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de ein­ge­legt haben1.

Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob der Auf­fas­sung zu fol­gen ist, die davon aus­geht, dass die unter­las­se­ne Ein­le­gung eines Ein­spruchs sich auf den Zeit­raum nach Erlass des Steu­er­be­schei­des bis zum Ablauf der Ein­spruchs­frist bezieht und daher nicht die Mit­wir­kungs­pflich­ten des Steu­er­pflich­ti­gen betrifft, aus deren Ver­let­zung allein ein gro­bes Ver­schul­den her­ge­lei­tet wer­den kön­ne2.

Jeden­falls war die Steu­er­pflich­ti­ge nicht gehal­ten, sozu­sa­gen „ins Blaue hin­ein” Ein­spruch ein­zu­le­gen und einen nicht bezif­fer­ba­ren Antrag zu stel­len, den das Finanz­amt umge­hend als unsub­stan­ti­iert hät­te ableh­nen kön­nen. Dies zu unter­las­sen kann nicht als „grob fahr­läs­sig” ange­se­hen wer­den.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 14. Janu­ar 2016 – 16 K 1906/​14 E

  1. vgl. dazu FG Köln Urteil vom 12.12.1995 – 8 K 5794/​94, EFG 1997, 144; Revi­si­on: BFH, Urteil vom 25.07.2001 – VI R 82/​96, BFH/​NV 2001, 1533
  2. vgl. Loo­se in Tipke/​Kruse, Kom­men­tar zur AO § 173 Rz. 76 b m.w.N.