Ver­lust­ab­zug für die Erben­ge­mein­schaft – ohne geson­der­tes Fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Über die Fra­ge, ob der bei dem Erb­las­ser fest­ge­stell­te Ver­lust auf die zwei Erben über­ge­gan­gen und dem jewei­li­gen Erben in Höhe der Hälf­te zuzu­rech­nen ist, ist nicht in einem für die Betei­lig­ten der Erben­ge­mein­schaft durch­zu­füh­ren­den Fest­stel­lungs­ver­fah­ren, son­dern im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung des jewei­li­gen Erben zu ent­schei­den.

Ver­lust­ab­zug für die Erben­ge­mein­schaft – ohne geson­der­tes Fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Der Vor­rang des Fest­stel­lungs­ver­fah­rens sowie die Bin­dungs­wir­kung eines Fest­stel­lungs­be­scheids (§ 179 Abs. 1, § 182 Abs. 1 AO) unter­lie­gen dem Geset­zes­vor­be­halt 1. Dem­ge­mäß ist eine Ein­künf­te­fest­stel­lung nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO nur für den Steu­er­pflich­ti­gen durch­zu­füh­ren, der bezo­gen auf den jewei­li­gen Fest­stel­lungs­zeit­raum zusam­men mit ande­ren Per­so­nen an den (ein­heit­lich und geson­dert fest­zu­stel­len­den) Ein­künf­ten betei­ligt ist, d.h. zusam­men mit die­sen die in Fra­ge ste­hen­den Ein­künf­te gemein­schaft­lich erzielt 2.

Hier­an fehlt es aber, wenn die Ein­künf­te durch den Erb­las­ser und nicht durch die Erben­ge­mein­schaft erzielt wor­den sind.

Fol­ge der bereits in der Per­son des Erb­las­sers ein­ge­tre­te­nen Ein­künf­te­er­zie­lung ist, dass die­se ‑posi­ti­ven oder nega­ti­ven- Ein­künf­te nicht mehr Gegen­stand eines Fest­stel­lungs­ver­fah­rens nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO bei den nach dem Erb­fall in die Gesamt­rechts­nach­fol­ge ein­tre­ten­den Mit­er­ben sein kön­nen. Anders als das Finanz­ge­richt meint, kommt es aus die­sem Grun­de nicht mehr dar­auf an, ob ein Fall von gerin­ger Bedeu­tung gemäß § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 AO gege­ben ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Okto­ber 2016 – IX R 9/​16

  1. BFH, Beschluss vom 11.04.2005 – GrS 2/​02, BFHE 209, 399, BSt­Bl II 2005, 679[]
  2. BFH, Urteil vom 27.03.2013 – I R 14/​12, BFH/​NV 2013, 1768, Rz 20, m.w.N.[]