Ein­kom­men­steu­er­be­scheid – und sei­ne Bekannt­ga­be an einen von meh­re­ren Erben

Ein Ein­kom­men­steu­er­be­scheid, der sich inhalt­lich an meh­re­re Erben rich­tet, kann an einen Erben wirk­sam bekannt­ge­ge­ben wer­den, auch wenn die übri­gen Erben in dem Bescheid nament­lich nicht erwähnt wer­den.

Ein­kom­men­steu­er­be­scheid – und sei­ne Bekannt­ga­be an einen von meh­re­ren Erben

Ein Ver­wal­tungs­akt ist nich­tig, soweit er an einem beson­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler lei­det und dies bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de offen­kun­dig ist (§ 125 Abs. 1 AO).

Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt, wenn der Ver­wal­tungs­akt inhalt­lich nicht hin­rei­chend bestimmt ist (§ 119 Abs. 1 AO).

Die Anga­be des Inhalts­adres­sa­ten ist kon­sti­tu­ie­ren­der Bestand­teil jedes Ver­wal­tungs­ak­tes, denn es muss unzwei­fel­haft fest­ste­hen, gegen­über wem der Ein­zel­fall gere­gelt wer­den soll. Inhalts­adres­sat eines Ver­wal­tungs­ak­tes ist der­je­ni­ge, gegen den er sich rich­tet, für den er bestimmt ist und gegen den er wir­ken soll [1]. Bei Steu­er­be­schei­den ist dies der Steu­er­schuld­ner (§ 157 Abs. 1 Satz 2 AO).

Danach ist ein Ein­kom­men­steu­er­be­scheid, der sich an Erben rich­ten soll, die­sen gegen­über nur wirk­sam, wenn die­se nament­lich als Inhalts­adres­sa­ten auf­ge­führt sind oder sich durch Aus­le­gung des Beschei­des ergibt, wel­che Per­so­nen als Erben ange­spro­chen wer­den sol­len [2]. Dabei ist es aus­rei­chend, wenn sich die Betei­lig­ten zwar nicht aus dem Adress­feld, wohl aber aus dem wei­te­ren Inhalt des Bescheids erge­ben, z. B. aus einer Anla­ge [3], aus den Erläu­te­run­gen des Bescheids oder aus einem in Bezug genom­me­nen Bericht über eine Außen­prü­fung [2].

Die hier vom Finanz­ge­richt Ham­burg beur­teil­ten Steu­er­be­schei­de waren danach hin­rei­chend bestimmt. Sie wur­den an eine der Erbin­nen „für die Erben nach Frau … (ver­stor­ben …) B“ adres­siert. Den Beschei­den ist bei der gebo­te­nen ver­stän­di­gen Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de objek­tiv ein­deu­tig zu ent­neh­men, dass die Erbin als Rechts­nach­fol­ge­rin der Erb­las­se­rin Inhalts­adres­sa­tin ist und sie für die jeweils fest­ge­setz­te Steu­er bzw. die Hin­ter­zie­hungs­zin­sen als Gesamt­schuld­ne­rin haf­tet.

Ob die Beschei­de bezüg­lich der Schwes­ter unwirk­sam sind, da die­se in den Beschei­den nicht nament­lich erwähnt wur­de, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, da zusam­men­ge­fass­te Beschei­de gem. § 155 Abs. 3 AO jeweils zwei inhalt­lich und ver­fah­rens­recht­lich selb­stän­di­ge, nur der äuße­ren Form nach zusam­men­ge­fass­te Ver­wal­tungs­ak­te sind, die ein unter­schied­li­ches ver­fah­rens­recht­li­ches Schick­sal haben kön­nen [4].

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2015 – 3 V 194/​15

  1. Seer in Tipke/​Kruse, a. a. O., § 122 AO Rn. 18[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 17.11.2005 – III R 8/​03, BFHE 212, 72, BStBl II 2006, 287[][]
  3. vgl. Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 179 AO Rn. 8[]
  4. BFH, Urtei­le vom 17.11.2005 – III R 8/​03, Betriebs­be­ra­ter 2006, 365; vom 30.11.1999 – IX R 57/​98, BFH/​NV 2000, 678[]