Ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung vor dem Finanz­ge­richt

Eine ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung des Klä­gers ist nur wirk­sam und über den dar­in lie­gen­den Antrag auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung ist dem­entspre­chend nur zu ent­schei­den, wenn die ursprüng­li­che Kla­ge zuläs­sig war. Ande­ren­falls ist die Kla­ge als unzu­läs­sig abzu­wei­sen.

Ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung vor dem Finanz­ge­richt

Wird ein Rechts­streit durch bei­de Betei­lig­te über­ein­stim­mend in der Haupt­sa­che für erle­digt erklärt, endet die Rechts­hän­gig­keit hier­durch ipso iure und es ist nur noch über die Kos­ten zu ent­schei­den (§ 138 Abs. 1 FGO). Erklärt hin­ge­gen nur der Klä­ger den Rechts­streit (ein­sei­tig) für erle­digt, ist der Rechts­streit durch Urteil zu been­den, wobei der Antrag des Klä­gers grund­sätz­lich dar­auf gerich­tet ist fest­zu­stel­len, dass der ursprüng­li­che Kla­ge­an­trag durch ein erle­di­gen­des Ereig­nis wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens gegen­stands­los gewor­den sei 1.

Die­se Wir­kung einer ein­sei­ti­gen Erle­di­gungs­er­klä­rung tritt jedoch nicht ein, wenn die Kla­ge von vorn­her­ein unzu­läs­sig war. Die Erle­di­gungs­er­klä­rung ist dann unwirk­sam 2 mit der Fol­ge, dass die Fik­ti­ons­wir­kung des § 138 Abs. 3 FGO nicht zum Zuge kommt 3, und die Kla­ge ist als unzu­läs­sig abzu­wei­sen 4.

Im Streit­fall ist die ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung des Klä­gers unwirk­sam, weil die gegen den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid gerich­te­te Kla­ge unzu­läs­sig ist. Der Klä­ger kann nicht gel­tend machen, durch die­sen Bescheid in sei­nen Rech­ten ver­letzt zu sein (§ 40 Abs. 2 FGO). Das gilt auch dann, wenn man den auf die ersatz­lo­se Auf­he­bung des Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des gerich­te­ten Kla­ge­an­trag als Antrag auf Ände­rung der Ein­kunfts­art aus­leg­te.

Denn auch wenn die Ein­künf­te des Klä­gers als Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit und nicht als Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb zu qua­li­fi­zie­ren wären, wäre die Ein­kom­men­steu­er nicht nied­ri­ger, son­dern wegen der dann ent­fal­len­den Steu­er­ver­güns­ti­gung für gewerb­li­che Ein­künf­te nach § 35 EStG in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung sogar höher fest­zu­set­zen und der Klä­ger hier­durch nicht beschwert.

Aus der nach Auf­fas­sung des Klä­gers unzu­tref­fen­den Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te selbst lässt sich eine Kla­ge­be­fug­nis eben­so wenig ablei­ten. Die Fest­stel­lung der Ein­kunfts­art ist nur bei Beschei­den über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Ein­künf­ten nach § 180 Abs. 1 Nr. 2 AO selb­stän­dig anfecht­bar. Bei Ein­kom­men­steu­er­be­schei­den han­delt es sich hin­ge­gen um eine nicht anfecht­ba­re unselb­stän­di­ge Besteue­rungs­grund­la­ge gemäß § 157 Abs. 2 AO, der auch im Hin­blick auf die Vor­schrift des § 35b GewStG kei­ne Bin­dungs­wir­kung für den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid zukommt 5.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 14. Juli 2015 – 3 K 207/​14

  1. Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 138 FGO Rz. 35[]
  2. BFH, Beschluss vom 27.03.2000 – III S 6/​99, BFH/​NV 2000, 1129[]
  3. BFH, Beschluss vom 18.05.2005 – VII B 306/​04, BFH/​NV 2005, 1616[]
  4. BFH, Urteil vom 09.08.1977 – VII R 123/​74, BFHE 122, 443, BSt­Bl II 1977, 697; FG Ham­burg, Urteil vom 21.04.2008 4 K 114/​08, EFG 2008, 1470; Bran­dis in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 138 FGO Rz. 39; Brandt in Beermann/​Gosch, AO/​FGO, § 138 FGO Rz. 181 ff.[]
  5. BFH, Beschluss vom 05.07.2011 – X B 222/​10, BFH/​NV 2011, 1843[]