Ein­spruchs­ent­schei­dung – und der Rechts­schutz gegen die fal­sche Kos­ten­ent­schei­dung

Gegen die in der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­hal­te­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist kein (neu­er­li­cher) Ein­spruch mög­lich.

Ein­spruchs­ent­schei­dung – und der Rechts­schutz gegen die fal­sche Kos­ten­ent­schei­dung

Wen­det sich ein Ein­spruchs­füh­rer gegen die im Rah­men einer Ein­spruchs­ent­schei­dung ergan­ge­ne Kos­ten­ent­schei­dung nach § 77 Abs. 1, 2 EStG, ist ‑wie der Bun­des­fi­nanz­hof jüngst mit Urteil vom 13.05.2015 1 ent­schie­den hat- statt­haf­ter Rechts­be­helf aus­schließ­lich die Kla­ge, nicht (auch) der Ein­spruch.

Die Klä­ge­rin muss­te daher gegen die Kos­ten­ent­schei­dung in der Ein­spruch­ent­schei­dung Kla­ge erhe­ben. Ein Vor­ver­fah­ren war nicht durch­zu­füh­ren, da die Kos­ten­ent­schei­dung im Streit­fall im Rah­men der Ein­spruchs­ent­schei­dung getrof­fen wur­de.

Selbst wenn es kei­ner Ein­spruchs­ent­schei­dung bedurft hät­te, weil das Ein­spruchs­ver­fah­ren nicht den hier maß­geb­li­chen Zeit­raum umfass­te, läge nicht die Situa­ti­on eines Voll­ab­hil­fe­be­scheids vor, gegen den der Ein­spruch statt­haft wäre 2. Denn die Fami­li­en­kas­se hat viel­mehr trotz des Abhil­fe­be­scheids eine förm­li­che Ein­spruchs­ent­schei­dung getrof­fen, gegen wel­che die Kla­ge statt­haft ist.

Soweit der Ein­spruch gegen die Kin­der­geld­fest­set­zung erfolg­reich ist, hat die Fami­li­en­kas­se dem­je­ni­gen, der den Ein­spruch erho­ben hat, die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen zu erstat­ten (§ 77 Abs. 1 Satz 1 EStG). Die Kos­ten­quo­te rich­tet sich nach dem Ver­hält­nis des Erfolgs zum Miss­erfolg des Ein­spruchs, wobei sich das Maß des Unter­lie­gens und Obsie­gens nach dem Antrags­be­geh­ren und sei­nem end­gül­ti­gen Erfolg rich­tet. Für die­se Zwe­cke ist die Höhe des begehr­ten Kin­der­gel­des ins Ver­hält­nis zur Höhe des tat­säch­lich zuge­spro­che­nen Kin­der­gel­des zu set­zen 3. Im Ergeb­nis ist damit auf die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se und nicht auf den Inhalt der (ggf. bestands­kräf­ti­gen) Ein­spruchs­ent­schei­dung abzu­stel­len. Auf­wen­dun­gen, die durch das Ver­schul­den eines Erstat­tungs­be­rech­tig­ten ent­stan­den sind, hat die­ser selbst zu tra­gen; das Ver­schul­den eines Ver­tre­ters ist dem Ver­tre­te­nen zuzu­rech­nen (§ 77 Abs. 1 Satz 3 EStG).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. April 2016 – III R 24/​15

  1. BFH, Urteil vom 13.05.2015 – III R 8/​14, BFHE 249, 422, BSt­Bl II 2015, 844, Rz 11[]
  2. BFH, Urteil vom 18.04.2007 – XI R 47/​05, BFHE 217, 18, BSt­Bl II 2007, 736, unter II. 1.a[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 249, 422, BSt­Bl II 2015, 844, Rz 37[]