Ein­spruchs­sta­tis­tik der Finanz­äm­ter

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat auch für das Jahr 2008 wie­der aus den Sta­tis­ti­ken der ein­zel­nen Bun­des­län­der eine Über­sicht über die Ein­spruchs­ver­fah­ren in den Finanz­äm­tern erstellt:

Ein­spruchs­sta­tis­tik der Finanz­äm­ter
Uner­le­dig­te Ein­sprü­che am 1.1.2008 6.938.338
Ein­ge­gan­ge­ne Ein­sprü­che
– (Ver­än­de­rung gegen­über Vor­jahr: +5,2 %)
5.279.463
Erle­dig­te Ein­sprü­che
– (Ver­än­de­rung gegen­über Vor­jahr: +44,1 %)
5.536.353

davon erle­digt durch:

Rück­nah­me des Ein­spruchs


1.166.402
(= 21,1 %)

Abhil­fe 2.330.618
(= 42,1 %)
Ein­spruchs­ent­schei­dung 1.321.408
(= 23,9 %)
Teil-Ein­spruchs­ent­schei­dung 717.925
(= 12,9 %)
Uner­le­dig­te Ein­sprü­che am 31.12.2008 6.681.448
(= – 3,7 %)

Nicht erfasst sind die im Lohn­steu­er­ermä­ßi­gungs­ver­fah­ren wegen der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Neu­re­ge­lung zur Ent­fer­nungs­pau­scha­le ein­ge­leg­ten Ein­sprü­che. Teil-Ein­spruchs­ent­schei­dun­gen (§ 367 Abs. 2a der Abga­ben­ord­nung – AO -) wer­den als Erle­di­gungs­fall im Sin­ne der Sta­tis­tik behan­delt, da davon aus­zu­ge­hen ist, dass inso­weit die Ein­spruchs­ver­fah­ren spä­ter in den meis­ten Fäl­len durch eine in der Sta­tis­tik nicht erfass­te All­ge­mein­ver­fü­gung nach § 367 Abs. 2b AO abge­schlos­sen wer­den.

Eini­ge Anmer­kun­gen, umm Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen vor­zu­beu­gen:

Der End­be­stand von 6.681.448 uner­le­dig­ten Ein­sprü­chen hört sich zunächst hoch an. Aller­dings sind hier­in auch 5.104.846 Ver­fah­ren ent­hal­ten, die nach § 363 AO aus­ge­setzt sind oder ruhen und daher von den Finanz­äm­tern nicht abschlie­ßend bear­bei­tet wer­den kön­nen.

Soweit 42,1% der Ein­spruchs­ver­fah­ren durch Abhil­fe erle­digt wer­den, bedeu­tet dies nicht, dass die Finanz­äm­ter in über 40% der Fäl­le im Besteue­rungs­ver­fah­ren falsch gear­bei­tet hät­te. Vie­le Abhil­fe­ent­schei­dun­gen beru­hen auch dar­auf, dass erst im Ein­spruchs­ver­fah­ren (etwa nach erfolg­ter Steu­er­schät­zung) Steu­er­erklä­run­gen abge­ge­ben oder Auf­wen­dun­gen gel­tend gemacht bzw. belegt wer­den.

In einer inter­es­san­ten Posi­ti­on ist die Über­sicht lei­der nicht aus­sa­ge­kräf­tig, obwohl die­se Zahl sicher­lich inter­es­sant wäre: Die Über­sicht nennt zwar die Zahl der Ein­sprü­che, nicht aber die Zahl der Ver­wal­tungs­ak­te, so dass kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wer­den kann zu dem pro­zen­tua­len Anteil der mit einem Ein­spruch ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ak­te. Hier­zu lie­gen dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um wohl kei­ne Zah­len vor, zumal mit dem Ein­spruch nicht nur Steu­er­be­schei­de ange­foch­ten wer­den kön­nen, son­dern auch sons­ti­ge von den Finanz­be­hör­den erlas­se­ne Ver­wal­tungs­ak­te ange­grif­fen wer­den kön­nen, wie z. B. die Anord­nung einer Außen­prü­fung, die Ableh­nung einer Stun­dung oder eines Steu­er­erlas­ses.

Im Jahr 2008 wur­den gegen die Finanz­äm­ter 70.176 Kla­gen erho­ben, dies ent­spricht einer Quo­te von rd. 1,3 % der ins­ge­samt erle­dig­ten Ein­sprü­che.