Elek­tro­ni­sche Revi­si­ons­ein­le­gung mit Signa­tur­kar­te

Die mone­tä­re Beschrän­kung einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur steht der Wirk­sam­keit einer nach § 52a Abs. 1 FGO elek­tro­nisch über­mit­tel­ten Revi­si­ons­ein­le­gung und Erle­di­gungs­er­klä­rung nicht ent­ge­gen.

Elek­tro­ni­sche Revi­si­ons­ein­le­gung mit Signa­tur­kar­te

Nach § 120 Abs. 1 Satz 1 FGO ist die Revi­si­on gegen ein Urteil des Finanz­ge­richts schrift­lich ein­zu­le­gen. Die Recht­spre­chung ver­langt grund­sätz­lich die eigen­hän­di­ge (hand­schrift­li­che) Unter­schrift unter das ent­spre­chen­de Schrift­stück [1]. Mit Hil­fe des Unter­schrifts­er­for­der­nis­ses soll der Aus­stel­ler unzwei­fel­haft iden­ti­fi­ziert wer­den; fer­ner soll sicher­ge­stellt sein, dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen Ent­wurf han­delt, son­dern eine ver­bind­li­che Pro­zess­er­klä­rung dem Gericht zuge­lei­tet wird [2].

Gemäß dem ab 1. April 2005 gel­ten­den § 52a Abs. 1 FGO kön­nen die Betei­lig­ten dem Gericht elek­tro­ni­sche Doku­men­te –und damit auch die Revi­si­ons­ein­le­gung (vgl. § 120 Abs. 1 Satz 4 FGO)– über­mit­teln, soweit dies für den jewei­li­gen Zustän­dig­keits­be­reich durch Rechts­ver­ord­nung der Bun­des­re­gie­rung oder der Lan­des­re­gie­run­gen zuge­las­sen wor­den ist (Satz 1). Die Rechts­ver­ord­nung bestimmt den Zeit­punkt, von dem an Doku­men­te an ein Gericht elek­tro­nisch über­mit­telt wer­den kön­nen, sowie die Art und Wei­se, in der elek­tro­ni­sche Doku­men­te ein­zu­rei­chen sind (Satz 2). Für Doku­men­te, die einem schrift­lich zu unter­zeich­nen­den Schrift­stück gleich­ste­hen, ist eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur nach § 2 Nr. 3 SigG vor­zu­schrei­ben (Satz 3). Neben der qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur kann auch ein ande­res siche­res Ver­fah­ren zuge­las­sen wer­den, das die Authen­ti­zi­tät und die Inte­gri­tät des über­mit­tel­ten elek­tro­ni­schen Doku­ments sicher­stellt (Satz 4).

Nach § 1 der Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und beim Bun­des­fi­nanz­hof [3] kön­nen beim BFH ab dem 1. Dezem­ber 2004 in allen Ver­fah­rens­ar­ten elek­tro­ni­sche Doku­men­te ein­ge­reicht wer­den.

Ihrer Rechts­na­tur nach ist die Signa­tur ein Funk­ti­ons­äqui­va­lent zur eigen­hän­di­gen Unter­schrift [4]. Eine even­tu­ell bestehen­de mone­tä­re Beschrän­kung der Signa­tur ist, so der BFH aus­drück­lich, ohne Bedeu­tung.

Gemäß § 2 Nr. 1 SigG sind „elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren“ im Sin­ne die­ses Geset­zes Daten in elek­tro­ni­scher Form, die ande­ren elek­tro­ni­schen Daten bei­gefügt oder logisch mit ihnen ver­knüpft sind und die zur Authen­ti­fi­zie­rung die­nen. „Fort­ge­schrit­te­ne elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren“ sind elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren nach Nr. 1, die aus­schließ­lich dem Signa­tur­schlüs­sel-Inha­ber zuge­ord­net sind, die Iden­ti­fi­zie­rung des Signa­tur­schlüs­sel-Inha­bers ermög­li­chen, mit Mit­teln erzeugt wer­den, die der Signa­tur­schlüs­sel-Inha­ber unter sei­ner allei­ni­gen Kon­trol­le hal­ten kann, und mit den Daten, auf die sie sich bezie­hen, so ver­knüpft sind, dass eine nach­träg­li­che Ver­än­de­rung der Daten erkannt wer­den kann (§ 2 Nr. 2 SigG). Gemäß § 2 Nr. 3 SigG sind „qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren“ elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren nach Nr. 2, die auf einem zum Zeit­punkt ihrer Erzeu­gung gül­ti­gen qua­li­fi­zier­ten Zer­ti­fi­kat beru­hen und mit einer siche­ren Signa­tur­er­stel­lungs­ein­heit erzeugt wer­den.

Nach § 2 Nr. 6 SigG sind „Zer­ti­fi­ka­te“ elek­tro­ni­sche Beschei­ni­gun­gen, mit denen Signa­tur­prüf­schlüs­sel einer Per­son zuge­ord­net wer­den und die Iden­ti­tät die­ser Per­son bestä­tigt wird. „Signa­tur­prüf­schlüs­sel“ sind elek­tro­ni­sche Daten wie öffent­li­che kryp­to­gra­phi­sche Schlüs­sel, die zur Über­prü­fung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur ver­wen­det wer­den (§ 2 Nr. 5 SigG). „Qua­li­fi­zier­te Zer­ti­fi­ka­te“ sind nach § 2 Nr. 7 SigG elek­tro­ni­sche Beschei­ni­gun­gen nach Nr. 6 für natür­li­che Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 7 SigG erfül­len und von Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­tern aus­ge­stellt wer­den, die min­des­tens die Anfor­de­run­gen nach den §§ 4 bis 14 oder § 23 SigG und der sich dar­auf bezie­hen­den Vor­schrif­ten der Rechts­ver­ord­nung nach § 24 SigG erfül­len.

Ein qua­li­fi­zier­tes Zer­ti­fi­kat muss nach § 7 Abs. 1 SigG bestimm­te im Ein­zel­nen auf­ge­führ­te Anga­ben ent­hal­ten und sei­ner­seits eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur tra­gen; not­wen­dig sind gemäß Nr. 7 Anga­ben dar­über, ob die Nut­zung des Signa­tur­schlüs­sels auf bestimm­te Anwen­dun­gen nach Art oder Umfang beschränkt ist, und gemäß Nr. 9 nach Bedarf Attri­bu­te des Signa­tur­schlüs­sel-Inha­bers.

Gemäß § 5 Abs. 2 SigG kann ein qua­li­fi­zier­tes Zer­ti­fi­kat auf Ver­lan­gen eines Antrag­stel­lers Anga­ben über sei­ne Ver­tre­tungs­macht für eine drit­te Per­son sowie berufs­be­zo­ge­ne oder sons­ti­ge Anga­ben zu sei­ner Per­son (Attri­bu­te) ent­hal­ten.

Attri­bu­te sind beson­de­re Eigen­schaf­ten, Stel­lun­gen oder Beschrän­kun­gen des Zer­ti­fi­kats­in­ha­bers. Der­ar­ti­ge Attri­bu­te kön­nen als zusätz­li­che Infor­ma­ti­on in das Zer­ti­fi­kat (auch Haupt­zer­ti­fi­kat oder Signa­tur­schlüs­sel­zer­ti­fi­kat genannt) auf­ge­nom­men wer­den, das den öffent­li­chen Schlüs­sel des Zer­ti­fi­kats­in­ha­bers ent­hält, oder als eigen­stän­di­ges Attri­but-Zer­ti­fi­kat von der Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le für den Kun­den gene­riert wer­den (§ 7 Abs. 2 SigG). Sowohl die Ein­tra­gung von Attri­bu­ten in das Zer­ti­fi­kat als auch die Erstel­lung von Attri­but-Zer­ti­fi­ka­ten sind für den Kun­den optio­nal.

Die sog. mone­tä­re Beschrän­kung ist ein sol­ches Attri­but. Der Antrag­stel­ler kann bezüg­lich der mone­tä­ren Beschrän­kung ledig­lich ange­ben, ob und in wel­cher Höhe eine Beschrän­kung ein­ge­tra­gen wer­den soll. Wei­te­re Spe­zi­fi­zie­rungs­mög­lich­kei­ten bestehen nicht.

Die mone­tä­re Beschrän­kung bezieht sich auf unmit­tel­ba­re finan­zi­el­le Trans­ak­tio­nen (z.B. auf Über­wei­sungs­vor­gän­ge und ande­re Geld­ge­schäf­te). Die­ser Funk­ti­on ent­spre­chend ist eine mone­tä­re Beschrän­kung unbe­acht­lich, wenn die Signa­tur ver­wen­det wird, um einen (bestim­men­den) Schrift­satz an das Gericht zu über­mit­teln. In die­sem Fall geht es nicht um eine finan­zi­el­le Trans­ak­ti­on, son­dern allein um den Nach­weis der Urhe­ber­schaft des Schrift­sat­zes und des pro­zes­sua­len Erklä­rungs­wil­lens des Absen­ders. Die Signa­tur wird dann nicht für Geld­ge­schäf­te (z.B. Kauf) ein­ge­setzt, son­dern für eine Pro­zess­hand­lung. Die mone­tä­re Beschrän­kung hat in die­sem Zusam­men­hang kei­ne Bedeu­tung; die Signa­tur erfüllt ihren Zweck, indem die Authen­ti­zi­tät der Her­kunft des Doku­ments gewähr­leis­tet wird [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Febru­ar 2009 – IV R 97/​06

  1. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 15. Janu­ar 2002 – X B 143/​01, BFH/​NV 2002, 669, m.w.N.; vom 10. Juli 2002 – VII B 6/​02, BFH/​NV 2002, 1597[]
  2. BFH, Urteil vom 18. Okto­ber 2006 – XI R 22/​06, BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.1. der Grün­de, m.w.N.[]
  3. ERVVOBVerwG/​BFH– BGBl I 2004, 3091[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.1. der Grün­de, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 215, 47, BStBl II 2007, 276, unter II.2.c der Grün­de[]