Ent­schei­dung durch den Bericht­erstat­ter

Der Wider­ruf einer gegen­über dem Finanz­ge­richt abge­ge­be­nen Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung mit einer Ent­schei­dung durch den Bericht­erstat­ter nach § 79a Abs. 3 und 4 FGO ist aus­ge­schlos­sen, soweit sich die Pro­zess­la­ge bei objek­ti­ver Betrach­tung nach­träg­lich nicht wesent­lich geän­dert hat.

Ent­schei­dung durch den Bericht­erstat­ter

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger sein durch Schrift­satz vom 11. August 2009 aus­drück­lich erklär­tes Ein­ver­ständ­nis mit einer „Ent­schei­dung durch den Bericht­erstat­ter ohne münd­li­che Ver­hand­lung“ durch wei­te­ren Schrift­satz vom 2. Novem­ber 2010 wider­ru­fen. Dies tat er aller­dings nicht, weil sich die Pro­zess­la­ge nach­träg­lich wesent­lich geän­dert hat­te, son­dern weil die Bericht­erstat­te­rin eine ihm miss­lie­bi­ge Rechts­mei­nung geäu­ßert hat­te.

Ob der Wider­ruf einer Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung mit einer Ent­schei­dung durch den Bericht­erstat­ter nach § 79a Abs. 3 und Abs. 4 FGO über­haupt zuläs­sig sein kann [1], braucht der Bun­des­fi­nanz­hof dabei nicht zu ent­schei­den. Jeden­falls ist ein Wider­ruf dann aus­ge­schlos­sen, wenn sich die Pro­zess­la­ge bei objek­ti­ver Betrach­tung nach­träg­lich nicht wesent­lich geän­dert hat [2]. Dies folgt aus der Funk­ti­on des § 79a Abs. 3 und 4 FGO, es den Betei­lig­ten zu ermög­li­chen, im Inter­es­se einer Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung eine Ent­schei­dung durch ein ein­zel­nes Mit­glied des an und für sich zustän­di­gen Senats her­bei­zu­füh­ren [3]. In Über­ein­stim­mung mit die­sem Zweck und wegen der Not­wen­dig­keit kla­rer pro­zes­sua­ler Ver­hält­nis­se kommt ein jeder­zei­ti­ger Wider­ruf ohne wesent­li­che Ver­än­de­rung der Pro­zess­la­ge nicht in Betracht [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Febru­ar 2011 – II S 39/​10 (PKH)

  1. dage­gen etwa Stö­cker in Beermann/​Gosch, § 79a FGO Rz 44; Bar­to­ne in Kühn/​v. Wedel­städt, 19. Aufl., § 79a FGO Rz 4; offen gelas­sen in BFH, Beschlüs­se vom 09.07.2003 – IX B 34/​03, BFHE 202, 408, BStBl II 2003, 858; vom 26.04.2005 – VII B 83/​04, BFH/​NV 2005, 1592; vom 13.11.2008 – IX B 119/​08[]
  2. eben­so Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 79a Rz 26; Thür­mer in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 79a FGO Rz 119; Fu in Schwarz, § 79a FGO Rz 23; a.A. wohl Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 79a FGO Rz 20[]
  3. vgl. Thür­mer, a.a.O., § 79a FGO Rz 100[]
  4. vgl. zu § 90 Abs. 2 FGO bereits BFH, Urtei­le vom 05.11.1991 – VII R 64/​90, BFHE 166, 415, BStBl II 1992, 425; vom 09.10.2000 – VII R 34/​00, BFH/​NV 2001, 462; BFH, Beschluss vom 21.11.2001 – III B 66/​01, BFH/​NV 2002, 517[]