Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter – und der Wider­ruf der Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung

Der Wider­ruf der Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung zur Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs jeden­falls dann aus­ge­schlos­sen, wenn sich die Pro­zess­la­ge bei objek­ti­ver Betrach­tung nach­träg­lich nicht wesent­lich geän­dert hat [1].

Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter – und der Wider­ruf der Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung

Im vor­lie­gen­den Streit­fall waren kei­ne Anhalts­punk­te für eine nach­träg­li­che wesent­li­che Ände­rung der Pro­zess­la­ge ersicht­lich. Die Bericht­erstat­te­rin hat­te ledig­lich eine die Erfolgs­aus­sich­ten der Kla­ge in Fra­ge stel­len­de Rechts­mei­nung geäu­ßert und die Klä­ge­rin zur Dar­le­gung ihrer Beschwer auf­ge­for­dert.

Der Bun­des­fi­nanz­hof braucht daher hier nicht zu ent­schei­den, ob der Wider­ruf einer dahin­ge­hen­den Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung über­haupt zuläs­sig ist.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann wei­ter­hin offen­las­sen, ob das Ein­ver­ständ­nis nur die nächs­te anste­hen­de oder eine sol­che vor­be­rei­ten­de (Sach-)Entscheidung des Ein­zel­rich­ters umfasst oder bis zur End­ent­schei­dung reicht [2]. Denn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs wir­ken jeden­falls die vor der Tren­nung eines anhän­gi­gen Kla­ge­ver­fah­rens vor­ge­nom­me­nen Pro­zess­hand­lun­gen fort und blei­ben wirk­sam [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. Dezem­ber 2016 – III B 25/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.01.2016 – X B 79/​15, BFH/​NV 2016, 763, Rz 17, m.w.N.; und vom 10.02.2011 – II S 39/​10 (PKH), BFHE 232, 310, BStBl II 2011, 657, Rz 9, m.w.N.[]
  2. Letz­te­res wohl die h.M. im Schrift­tum, vgl. z.B. Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 79a Rz 61; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 79a Rz 26; Thür­mer in HHSp, § 79a FGO Rz 117; ein­schrän­kend Pahl­ke in Schwarz, FGO § 79a Rz 23[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 22.03.1993 – XI R 23 – 24/​92, BFHE 170, 308, BStBl II 1993, 514, unter II., m.w.N.[]