Ent­schei­dung über Rich­terab­leh­nung als Ver­fah­rens­man­gel

Nach § 124 Abs. 2 FGO unter­lie­gen dem End­ur­teil vor­aus­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dun­gen, die nach der FGO unan­fecht­bar sind, nicht der Beur­tei­lung durch die Revi­si­on. Daher kann eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de grund­sätz­lich nicht auf die Ableh­nung eines Befan­gen­heits­ge­suchs gestützt wer­den 1.

Ent­schei­dung über Rich­terab­leh­nung als Ver­fah­rens­man­gel

Aller­dings schließt § 124 Abs. 2 FGO die Rüge sol­cher Ver­fah­rens­män­gel nicht aus, die als Fol­ge der bean­stan­de­ten Vor­ent­schei­dung fort­wir­ken und damit dem ange­foch­te­nen Urteil anhaf­ten, sofern die Vor­ent­schei­dung gegen das Will­kür­ver­bot ver­stößt oder ein Ver­fah­rens­grund­recht ver­letzt wird, wie der Anspruch auf recht­li­ches Gehör oder auf den gesetz­li­chen Rich­ter 2. Ein der­ar­ti­ger Ver­stoß durch Zurück­wei­sung eines Ableh­nungs­ge­suchs kann indes­sen nur dann als Ver­fah­rens­man­gel i.S. der §§ 115 Abs. 2 Nr. 3, 119 Nr. 1 und 3 FGO gel­tend gemacht wer­den 3, wenn der Beschluss über die Zurück­wei­sung des Ableh­nungs­ge­suchs greif­bar gesetz­wid­rig und damit will­kür­lich ist 4.

Nach § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 42 ZPO kann ein Rich­ter wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit abge­lehnt wer­den, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Unpar­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen. Ein der­ar­ti­ger Grund besteht, wenn ein Betei­lig­ter von sei­nem Stand­punkt aus ‑jedoch nach Maß­ga­be einer ver­nünf­ti­gen, objek­ti­ven Betrach­tung- davon aus­ge­hen kann, der Rich­ter wer­de nicht unvor­ein­ge­nom­men, son­dern unsach­lich oder will­kür­lich ent­schei­den. Im All­ge­mei­nen las­sen die von dem Rich­ter vor­ge­nom­me­nen Ver­fah­rens­hand­lun­gen kei­nen Schluss auf des­sen Befan­gen­heit zu. Dabei recht­fer­ti­gen auch feh­ler­haf­te Ent­schei­dun­gen grund­sätz­lich kei­ne Rich­terab­leh­nung; viel­mehr hat die Über­prü­fung rich­ter­li­cher Ent­schei­dun­gen im Rechts­mit­tel­weg zu erfol­gen 5. Dies gilt auch für behaup­te­te Rechts­ver­stö­ße eines Rich­ters in einem Par­al­lel­ver­fah­ren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2013 – X B 237/​12

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 13.01.2003 – III B 51/​02, BFH/​NV 2003, 640; und vom 04.08.2008 – VIII B 82/​08[]
  2. BFH, Urteil vom 21.02.1980 – V R 71 – 73/​79, BFHE 130, 157, BSt­Bl II 1980, 457; BFH, Beschluss vom 25.11.1999 – VII B 140/​99, BFH/​NV 2000, 589[]
  3. vgl. Begrün­dung zum Zwei­ten Gesetz zur Ände­rung der Finanz­ge­richts­ord­nung und ande­rer Geset­ze vom 19.12 2000 zu Art. 1 Nr. 18 in BT-Drs. 14/​4061, S. 11 f.; fer­ner BFH, Beschluss vom 19.08.2002 – VIII B 112/​02, BFH/​NV 2003, 65, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 21.10.1999 – VII R 15/​99, BFHE 190, 47, BSt­Bl II 2000, 88; in BFH/​NV 2003, 640; vom 03.06.2005 – XI S 7/​04 (PKH), BFH/​NV 2005, 1556; vom 28.07.2005 – II B 81/​04, BFH/​NV 2005, 2221[]
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung, sie­he z.B. BFH, Beschluss vom 14.06.1994 – VII B 34/​94, BFH/​NV 1995, 131; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 51 Rz 47, jeweils m.w.N.[]