Ent­schei­dungs­grün­de – und das recht­li­che Gehör

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör i.S. von Art. 103 Abs. 1 GG und § 96 Abs. 2 FGO ver­pflich­tet das Gericht u.a., die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men, in Erwä­gung zu zie­hen und sich mit dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Kern des Vor­brin­gens aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Ent­schei­dungs­grün­de – und das recht­li­che Gehör

Dabei ist das Gericht natur­ge­mäß nicht ver­pflich­tet, der tat­säch­li­chen Wür­di­gung oder der Rechts­an­sicht eines Betei­lig­ten zu fol­gen 1. Art. 103 Abs. 1 GG und § 96 Abs. 2 FGO sind erst dann ver­letzt, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls ergibt, dass das Gericht Vor­brin­gen ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei sei­ner Ent­schei­dung ersicht­lich nicht in Erwä­gung gezo­gen hat 2.

Das war in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­ten Ver­fah­ren nicht der Fall: Das Finanz­ge­richt hat den Vor­trag des Klä­gers hin­sicht­lich der Beschlag­nah­me sei­nes Com­pu­ters sowie wei­te­rer Spei­cher­me­di­en und der feh­len­den Zugriffs­mög­lich­keit auf schrift­li­che Unter­la­gen zur Kennt­nis genom­men und dar­über ent­schie­den. Es hat gewür­digt, dass dem Klä­ger ein Zugriff auf sei­ne elek­tro­nisch gespei­cher­ten Unter­la­gen kurz vor Ablauf der (mehr­fach ver­län­ger­ten) gericht­li­chen Aus­schluss­frist (§ 65 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 2 FGO) nicht mehr mög­lich war. Dabei ist das Finanz­ge­richt unter Berück­sich­ti­gung der vom Klä­ger vor­ge­brach­ten Gesichts­punk­te zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass es dem Klä­ger auch ohne Rück­griff auf die beschlag­nahm­ten Gegen­stän­de auf­grund der Erläu­te­run­gen in den ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­den und der im Kla­ge­ver­fah­ren erfolg­ten Akten­ein­sicht zumin­dest im Schät­zungs­weg mög­lich war, die erfor­der­li­chen Anga­ben zu machen. Dass das Finanz­ge­richt hin­sicht­lich der Mög­lich­keit, das Kla­ge­be­geh­ren noch inner­halb der Aus­schluss­frist zu bezeich­nen und mög­li­che Rechts­ver­let­zun­gen durch die ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­de dar­zu­le­gen, eine ande­re Auf­fas­sung als der Klä­ger ver­tre­ten hat, kann eine Gehörs­ver­let­zung nicht begrün­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2017 – IX B 46/​17

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.06.2008 – 2 BvR 2062/​07, DVBl.2008, 1056; BFH, Beschluss vom 11.05.2011 – V B 113/​10, BFH/​NV 2011, 1523[]
  2. vgl. u.a. BFH, Beschlüs­se vom 10.09.2014 – IX S 10/​14, BFH/​NV 2015, 47; und vom 23.03.2016 – IX B 22/​16, BFH/​NV 2016, 1013[]