Erb­schaft­steu­er und Land­wirt­schaft in EU-Län­dern

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EuGH) die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob es es mit den Rege­lun­gen des EG-Ver­tra­ges (Art. 56 Abs. 1 EG) ver­ein­bar ist, dass

Erb­schaft­steu­er und Land­wirt­schaft in EU-Län­dern
  1. für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er in einem ande­ren Mit­glied­staat bele­ge­nes (aus­län­di­sches) land- und forst­wirt­schaft­li­ches Ver­mö­gen mit dem gemei­nen Wert (Ver­kehrs­wert) zu bewer­ten ist, wäh­rend für inlän­di­sches land- und forst­wirt­schaft­li­ches Ver­mö­gen ein beson­de­res Bewer­tungs­ver­fah­ren gilt, des­sen Ergeb­nis­se durch­schnitt­lich nur 10 v.H. der gemei­nen Wer­te errei­chen, und
  2. der Erwerb inlän­di­schen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens in Höhe eines beson­de­ren Frei­be­trags außer Ansatz und der ver­blie­be­ne Wert ledig­lich zu 60 v.H. anzu­set­zen ist,

wenn dies bei einem Erben, der einen aus inlän­di­schem Ver­mö­gen und aus­län­di­schem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen bestehen­den Nach­lass erbt, dazu führt, dass der Erwerb des inlän­di­schen Ver­mö­gens wegen der Bele­gen­heit des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens im Aus­land einer höhe­ren Erb­schaft­steu­er unter­liegt, als dies bei Bele­gen­heit des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens eben­falls im Inland der Fall wäre.

Es emp­fiehlt sich daher, in ver­gleich­ba­ren Fäl­len erge­hen­de Steu­er­be­schei­de offen zu hal­ten. Ent­spre­chen­de Ein­spruchs­ver­fah­ren kön­nen mit Hin­weis auf das BFH/EuGH-Ver­fah­ren zum Ruhen gebracht wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. April 2006 – II R 35/​05