Das Grund­stück mit einem nicht bezugs­fer­ti­gen Gebäu­de – und die Erb­schaft­steu­er­be­güns­ti­gung

Eine Steu­er­be­güns­ti­gung nach § 13c ErbStG schei­det aus, wenn von Todes wegen ein Grund­stück mit einem nicht bezugs­fer­ti­gen Gebäu­de erwor­ben wird. Für die Beur­tei­lung, ob die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­güns­ti­gung nach § 13c ErbStG erfüllt sind, ist ent­schei­dend auf die Ver­hält­nis­se zum Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er abzu­stel­len.

Das Grund­stück mit einem nicht bezugs­fer­ti­gen Gebäu­de – und die Erb­schaft­steu­er­be­güns­ti­gung

Nach § 13c Abs. 1 und 3 ErbStG sind bei der Ermitt­lung des steu­er­pflich­ti­gen Erwerbs bebau­te Grund­stü­cke oder Grund­stücks­tei­le mit 90 % ihres Werts anzu­set­zen, wenn sie

  1. zu Wohn­zwe­cken ver­mie­tet wer­den,
  2. im Inland, in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on oder in einem Staat des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums bele­gen sind und
  3. nicht zum begüns­tig­ten Betriebs­ver­mö­gen oder begüns­tig­ten Ver­mö­gen eines Betriebs der Land- und Forst­wirt­schaft i.S. des § 13a ErbStG gehö­ren.

Ob ein bebau­tes Grund­stück i.S. von § 13c Abs. 3 ErbStG vor­liegt, bestimmt sich unter ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 180 des Bewer­tungs­ge­set­zes in der ab 2009 gel­ten­den Fas­sung (BewG), wobei die Recht­spre­chungs­grund­sät­ze zur Bezugs­fer­tig­keit eines Gebäu­des 1 zu berück­sich­ti­gen sind.

§ 13c ErbStG legt nicht fest, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen von einem bebau­ten Grund­stück i.S. von § 13c Abs. 3 ErbStG aus­zu­ge­hen ist. Ein aus­drück­li­cher Ver­weis auf § 180 BewG, der eine Begriffs­be­stim­mung für das bebau­te Grund­stück ent­hält, fehlt. Für die Erb­schaft­steu­er sind nur die Grund­be­sitz­wer­te für die wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten des Grund­ver­mö­gens u.a. unter Anwen­dung des § 180 BewG zu ermit­teln (§ 12 Abs. 3 ErbStG i.V.m. §§ 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 157 Abs. 3 Satz 1 BewG). Nach dem Sinn und Zweck der Rege­lun­gen ist es aber gerecht­fer­tigt, auch den Begriff des bebau­ten Grund­stücks i.S. des § 13c Abs. 3 ErbStG unter ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 180 BewG fest­zu­le­gen. Damit wer­den für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er der Grund­be­sitz­wert nach § 12 Abs. 3 ErbStG und der ver­min­der­te Wert­an­satz nach § 13c ErbStG unter Her­an­zie­hung der glei­chen Kri­te­ri­en bestimmt.

Bebau­te Grund­stü­cke i.S. des § 13c Abs. 3 ErbStG sind sol­che, auf denen sich benutz­ba­re Gebäu­de befin­den (vgl. § 180 Abs. 1 Satz 1 BewG). Die­ser Aus­le­gung wird auch in der Lite­ra­tur zuge­stimmt 2. Noch zu bebau­en­de Grund­stü­cke wer­den von der Steu­er­be­güns­ti­gung nicht erfasst.

Wird auf einem Grund­stück ein Gebäu­de neu errich­tet, liegt ein bebau­tes Grund­stück vor, wenn das Gebäu­de benutz­bar ist. Die Benutz­bar­keit eines Gebäu­des beginnt im Zeit­punkt der Bezugs­fer­tig­keit. Ein Gebäu­de ist als bezugs­fer­tig anzu­se­hen, wenn den künf­ti­gen Bewoh­nern oder sons­ti­gen Benut­zern zuge­mu­tet wer­den kann, es zu benut­zen 3.

Für die Beur­tei­lung, ob die Vor­aus­set­zun­gen des ver­min­der­ten Wert­an­sat­zes nach § 13c ErbStG erfüllt sind, ist ent­schei­dend auf die Ver­hält­nis­se zum Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er abzu­stel­len 4.

Die Erb­schaft­steu­er ent­steht bei Erwer­ben von Todes wegen regel­mä­ßig mit dem Tode des Erb­las­sers (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Des­halb ist nach den Ver­hält­nis­sen zum Zeit­punkt des Able­bens des Erb­las­sers zu beur­tei­len, ob das auf einem Grund­stück neu errich­te­te Gebäu­de bereits bezugs­fer­tig und damit das Grund­stück i.S. von § 13c ErbStG bebaut ist. War das Gebäu­de beim Tode des Erb­las­sers noch nicht bezugs­fer­tig, schei­det eine Steu­er­be­güns­ti­gung nach § 13c ErbStG aus.

Die Prü­fung, ob ein bebau­tes Grund­stück i.S. des § 13c Abs. 3 ErbStG erwor­ben wur­de, obliegt dem Finanz­amt, das für die Fest­set­zung der Steu­er zustän­dig ist. Hier­bei ist das Finanz­amt nicht an die Art­fest­stel­lung nach § 151 Abs. 2 Nr. 1 BewG im Bescheid zur geson­der­ten Fest­stel­lung der Grund­be­sitz­wer­te gebun­den 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Dezem­ber 2014 – II R 30/​14

  1. vgl. BFH, Urteil vom 18.04.2012 – II R 58/​10, BFHE 237, 165, BSt­Bl II 2012, 874, m.w.N.[]
  2. vgl. Jochum in Wilms/​Jochum, ErbStG, § 13c Rz 22; Phil­ipp in Viskorf/​Knobel/​Schuck/​Wälzholz, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 4. Aufl., § 13c ErbStG Rz 11; Wach­ter in Fischer/​Jüptner/​Pahlke/​Wachter, ErbStG, 5. Aufl., § 13c Rz 4; Kien-Hüm­bert in Moench/​Weinmann, § 13c ErbStG Rz 3[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 237, 165, BSt­Bl II 2012, 874[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 18.07.2013 – II R 35/​11, BFHE 242, 153, BSt­Bl II 2013, 1051, Rz 13, zur Steu­er­be­frei­ung nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a Satz 1 ErbStG; Jochum, a.a.O., § 13c Rz 21; Wach­ter, a.a.O., § 13c Rz 13; Phil­ipp, a.a.O., § 13c ErbStG Rz 29; Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 13c Rz 8; Geck in Kapp/​Ebeling, § 13c ErbStG, Rz 9; Kien-Hüm­bert, a.a.O., § 13c ErbStG Rz 2; Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 16. Aufl., § 13c Rz 3; Bil­lig, Umsatz­steu­er- und Ver­kehr­steu­er-Recht 2014, 208; R E 13c Abs. 2 Satz 1 der Erb­schaft­steu­er-Richt­li­ni­en 2011[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le vom 29.11.2006 – II R 42/​05, BFHE 215, 529, BSt­Bl II 2007, 319, unter II. 2.a; und vom 18.05.2011 – II R 10/​10, BFH/​NV 2011, 2063, unter II. 1.c, zu § 138 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 BewG a.F.[]