Der nach dem Erb­fall auf­ge­tre­te­ne Gebäu­de­scha­den

Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung von Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den wie Grund­stü­cken oder Gebäu­den, deren Ursa­che vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten, sind nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzieh­bar.

Der nach dem Erb­fall auf­ge­tre­te­ne Gebäu­de­scha­den

Gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind von dem Erwerb des Erben die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den, soweit sie nicht mit einem zum Erwerb gehö­ren­den Gewer­be­be­trieb oder Anteil an einem Gewer­be­be­trieb in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen und bereits nach § 12 Abs. 5 und 6 ErbStG berück­sich­tigt wor­den sind, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig.

Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung von Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den wie Grund­stü­cken oder Gebäu­den, deren Ursa­che vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten, sind nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG abzieh­bar 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung von Män­geln und Schä­den an geerb­ten Grund­stü­cken oder Gebäu­den ‑etwa unter dem Gesichts­punkt eines auf­ge­stau­ten Repa­ra­tur­be­darfs- grund­sätz­lich kei­ne Erb­las­ser­schul­den i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG dar­stel­len. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn schon zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers eine öffent­lich-recht­li­che oder eine pri­vat­recht­li­che Ver­pflich­tung (etwa gegen­über einem Mie­ter aus § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB) zur Män­gel- oder Scha­dens­be­sei­ti­gung bestand 2. Dabei setzt das Bestehen einer öffent­lich-recht­li­chen Ver­pflich­tung für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er den Erlass einer rechts­ver­bind­li­chen, behörd­li­chen Anord­nung gegen den Erb­las­ser vor­aus 3. Im Übri­gen kön­nen ‑etwa auf­grund eines auf­ge­stau­ten Repa­ra­tur­auf­wands beding­te- Wert­min­de­run­gen eines Gebäu­des allen­falls bei der Grund­stücks­be­wer­tung und nicht im Ver­fah­ren über die Erb­schaft­steu­er­fest­set­zung berück­sich­tigt wer­den 4.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an die­ser Recht­spre­chung, die die Behe­bung von Schä­den an Nach­lass­ge­gen­stän­den (wie z.B. die Repa­ra­tur eines zum Nach­lass gehö­ren­den Hau­ses) betrifft, fest.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten nicht nur für Män­gel und Schä­den, die bereits im Zeit­punkt des Erb­falls erkenn­bar waren, son­dern erst recht für Män­gel und Schä­den, deren Ursa­che zwar vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten 5.

Die­se Aus­le­gung des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG in Bezug auf Schä­den, die erst nach dem Tod des Erb­las­sers in Erschei­nung tre­ten, ver­stößt nicht gegen das Berei­che­rungs­prin­zip.

Als steu­er­pflich­ti­ger Erwerb gilt die Berei­che­rung des Erwer­bers, soweit sie nicht steu­er­frei ist (§ 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG). Bei Erwer­ben von Todes wegen gilt dabei als Berei­che­rung der Betrag, der sich ergibt, wenn von dem nach § 12 ErbStG zu ermit­teln­den Wert des gesam­ten Ver­mö­gens­an­falls die nach § 10 Abs. 3 bis 9 ErbStG abzugs­fä­hi­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten mit ihrem nach § 12 ErbStG zu ermit­teln­den Wert abge­zo­gen wer­den (§ 10 Abs. 1 Satz 2 ErbStG). Aus­schlag­ge­ben­der Stich­tag für die Ermitt­lung der Berei­che­rung ist der Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er (§ 11 ErbStG). Dies ist beim Erwerb durch Erb­an­fall grund­sätz­lich der Zeit­punkt des Todes des Erb­las­sers (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Nach den Ver­hält­nis­sen die­ses Zeit­punk­tes rich­ten sich die Fest­stel­lun­gen des Umfangs und des Wer­tes des Erwerbs. Spä­te­re Ereig­nis­se, die den Wert des Ver­mö­gens­an­falls erhö­hen oder ver­min­dern, kön­nen sich erb­schaft­steu­er­recht­lich grund­sätz­lich nicht aus­wir­ken (sog. Stich­tags­prin­zip) 6. Die Berei­che­rung ist damit stich­tags­be­zo­gen zu ermit­teln. Das Stich­tags­prin­zip schränkt das Berei­che­rungs­prin­zip inso­weit ein 7.

Aus dem Berei­che­rungs­prin­zip lässt sich somit nicht ablei­ten, dass Auf­wen­dun­gen für die Besei­ti­gung von Män­geln und Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den, deren Ursa­che zwar vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzieh­bar sind, wäh­rend ein sol­cher Abzug grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, wenn die Män­gel und Schä­den bereits beim Ein­tritt des Erb­falls vor­la­gen und erkenn­bar waren.

Etwas ande­res folgt auch nicht aus dem BFH-Urteil vom 04.07.2012 8. Die dar­in dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze sind auf den Streit­fall nicht über­trag­bar. Der BFH hat in die­sem Urteil ent­schie­den, dass vom Erb­las­ser her­rüh­ren­de (Ein­kom­men-)Steu­er­schul­den des Todes­jah­res als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig sind. Ent­schei­dend für einen sol­chen Abzug ist dabei, dass der Erb­las­ser in eige­ner Per­son und nicht etwa der Erbe als Gesamt­rechts­nach­fol­ger steu­er­rele­van­te Tat­be­stän­de ver­wirk­licht hat 9 und bereits im Todes­zeit­punkt fest­steht, dass mit Ablauf des Ver­an­la­gungs­zeit­raums die Steu­er­schuld kraft Geset­zes ent­ste­hen wird (gesetz­li­ches Schuld­ver­hält­nis, § 38 AO). In Abgren­zung hier­zu hat der BFH klar­ge­stellt, dass, soweit der Erbe selbst ein­kom­men­steu­er­rele­van­te Tat­be­stän­de ver­wirk­licht, wie z.B. beim Zufluss nach­träg­li­cher Ein­nah­men aus einer ehe­ma­li­gen Tätig­keit des Erb­las­sers nach § 24 Nr. 2 EStG, die dar­auf ent­fal­len­den Ein­kom­men­steu­er­zah­lun­gen kei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind. Obwohl der Erb­las­ser die Grund­la­ge für den Zufluss von Ein­nah­men gesetzt hat, wird der Steu­er­tat­be­stand in die­sen Fäl­len erst mit dem Zufluss der Ein­nah­men durch den Erben als Steu­er­pflich­ti­gen ver­wirk­licht 10.

Hat der Erb­las­ser ledig­lich eine Scha­dens­ur­sa­che für Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den wie Gebäu­den oder Grund­stü­cken gesetzt, kann das Aus­maß des Scha­dens im Todes­zeit­punkt unge­wiss sein. Anders als die (Einkommen-)Steuerschulden des Todes­jah­res ent­ste­hen Repa­ra­tur­auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung sol­cher Schä­den nicht zwangs­läu­fig oder kraft Geset­zes in bestimm­ter Höhe zu einem bestimm­ten Zeit­punkt nach dem Able­ben des Erb­las­sers.

Damit wäre es nicht ver­ein­bar, wenn man den Abzug von Auf­wen­dun­gen für die Besei­ti­gung von Män­geln und Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den, deren Ursa­che zwar vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten zulie­ße, wäh­rend ein sol­cher Abzug grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, wenn die Män­gel und Schä­den bereits beim Ein­tritt des Erb­falls vor­la­gen und erkenn­bar waren und somit schon zu die­sem Zeit­punkt das Ent­ste­hen eines Auf­wands für deren Besei­ti­gung sowohl dem Grun­de als auch der Höhe nach abseh­bar war. Der Abzug ist viel­mehr in bei­den Fäl­len aus­ge­schlos­sen.

Auf das Erfor­der­nis einer wirt­schaft­li­chen Belas­tung des Erb­las­sers im Todes­zeit­punkt 11 kommt es daher bei Schä­den, die erst nach dem Tod des Erb­las­sers in Erschei­nung tre­ten, nicht an.

Die­sen Grund­sät­zen ent­spre­chend ver­nein­te der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall eine Abzieh­bar­keit der vom Erben geleis­te­ten Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung des Ölscha­dens als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG. sind. Eine öffent­lich-recht­li­che Ver­bind­lich­keit des Erb­las­sers zur Besei­ti­gung des Ölscha­dens bestand nicht. Zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers erging kei­ne ent­spre­chen­de behörd­li­che Anord­nung. Dar­über hin­aus war er zum Zeit­punkt sei­nes Able­bens auch nicht pri­vat­recht­lich ver­pflich­tet, einen durch Ölaus­tritt ver­ur­sach­ten Scha­den zu besei­ti­gen. Das Set­zen einer Scha­dens­ur­sa­che durch den Erb­las­ser reicht für den Abzug der Repa­ra­tur­auf­wen­dun­gen als Nach­lass­ver­bind­lich­keit nicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juli 2017 – II R 33/​15

  1. vgl. auch Wein­mann in Moench/​Weinmann, § 10 ErbStG Rz 52[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 11.07.1990 – II R 153/​87, BFH/​NV 1991, 97, und BFH, Beschluss vom 19.02.2009 – II B 132/​08, BFH/​NV 2009, 966, unter II. 1.c[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1991, 97[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1991, 97; Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher/​Gottschalk, ErbStG, § 10 Rz 157; Jüpt­ner, in Fischer/​Pahlke/​Wachter, ErbStG, 6. Auf­la­ge § 10 Rz 144; Wein­mann in Moench/​Weinmann, a.a.O., § 10 ErbStG Rz 52; Jochum in Wilms/​Jochum, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, § 10 Rz 128[]
  5. vgl. auch Jochum in Wilms/​Jochum, a.a.O., § 10 Rz 128; Brüggemann/​Stirnberg, Erb­schaft­steu­er und Schen­kungsteu­er, 9. Aufl., 2012, 5.1 Steu­er­pflich­ti­ger Erwerb – § 10 ErbStG, S. 553[]
  6. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 02.03.2006 – II R 57/​04, BFH/​NV 2006, 1480[]
  7. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 966, unter II. 1.c[]
  8. BFH, Urteil vom 04.07.2012 – II R 15/​11, BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790[]
  9. vgl. BFH, Urteil in BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790, Rz 15[]
  10. vgl. BFH, Urteil in BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790, Rz 22[]
  11. vgl. BFH, Urteil vom 28.10.2015 – II R 46/​13, BFHE 252, 448, BSt­Bl II 2016, 477, Rz 13[]