Der geschenk­te Geschäfts­an­teil an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

Für den Erwerb eines Anteils an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft besteht kei­ne Schen­kungsteu­er­ver­güns­ti­gung nach § 13a ErbStG.

Der geschenk­te Geschäfts­an­teil an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung unter Leben­den, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG; vgl. auch § 516 Abs. 1 BGB).

Der Gegen­stand der Schen­kung rich­tet sich nach bür­ger­li­chem Recht. Aus­zu­ge­hen ist grund­sätz­lich vom Par­tei­wil­len, d.h. davon, was dem Bedach­ten nach dem Wil­len des Schen­kers geschenkt sein soll 1. Ent­schei­dend ist, wie sich die Ver­mö­gens­meh­rung im Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Schen­kung beim Bedach­ten dar­stellt, d.h. wor­über der Bedach­te im Ver­hält­nis zum Schen­ker ‑end­gül­tig- tat­säch­lich und recht­lich frei ver­fü­gen kann 2. Dies ist die den steu­er­pflich­ti­gen Erwerb (§ 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG) dar­stel­len­de Berei­che­rung des Bedach­ten, an die die Wert­ermitt­lung (§§ 11, 12 ErbStG) anknüpft.

Gegen­stand einer frei­ge­bi­gen Zuwen­dung kann ein Anteil an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Gesell­schaft sein 3. Wird durch die Zuwen­dung eines Anteils an einer GbR eine bereits bestehen­de Gesell­schafts­be­tei­li­gung des Bedach­ten erhöht, geht der hin­zu­er­wor­be­ne Anteil grund­sätz­lich in einer ein­heit­li­chen Mit­glied­schaft mit der bis­he­ri­gen Betei­li­gung des Bedach­ten auf 4. Gegen­stand der Zuwen­dung ist des­halb die Erhö­hung des Anteils des Bedach­ten am Gesamt­hands­ver­mö­gen der Gesell­schaft und die damit ver­bun­de­ne Ver­stär­kung sei­ner Gesell­schaf­ter­rech­te. Hat sich der Schen­ker jedoch einen Nieß­brauch an dem zuge­wen­de­ten Gesell­schafts­an­teil vor­be­hal­ten, bleibt der Gesell­schafts­an­teil als sol­cher zur Wah­rung der Rech­te des Nieß­brau­chers auch in der Hand des bedach­ten Gesell­schaf­ters bestehen 5, so dass in die­sem Fall der Gesell­schafts­an­teil Gegen­stand der Zuwen­dung ist.

Dage­gen wird mit der schenk­wei­sen Ein­räu­mung einer Unter­be­tei­li­gung an einem Gesell­schafts­an­teil, die nicht alle Vor­aus­set­zun­gen einer aty­pi­schen Unter­be­tei­li­gung erfüllt, kein Ver­mö­gens­ge­gen­stand zuge­wen­det, über den der Emp­fän­ger schon tat­säch­lich und recht­lich ver­fü­gen kann 6. Ihm wer­den viel­mehr ledig­lich Rechts­an­sprü­che in Gestalt eines Bün­dels schuld­recht­li­cher Ansprü­che gegen den Zuwen­den­den ein­ge­räumt. Berei­chert ist der Zuwen­dungs­emp­fän­ger erst, wenn ihm aus der Unter­be­tei­li­gung tat­säch­lich Gewinn­aus­schüt­tun­gen und Liqui­da­ti­ons­er­lö­se zuflie­ßen.

Die frei­ge­bi­ge Zuwen­dung des Anteils an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GbR unter­liegt der Schen­kungsteu­er. Für den Erwerb sind die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen des § 13a Abs. 1 und 2 ErbStG nicht zu gewäh­ren.

Bei der GbR han­delt es sich nicht wie von § 13a Abs. 4 Nr. 1 ErbStG vor­aus­ge­setzt um eine Gesell­schaft i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 oder § 18 Abs. 4 EStG. Die GbR ist ledig­lich ver­mö­gens­ver­wal­tend tätig und erfüllt daher nicht die Vor­aus­set­zun­gen eines Gewer­be­be­triebs (§ 15 Abs. 2 Satz 1 EStG) oder einer selb­stän­di­gen Arbeit (§ 18 EStG). Sie ist auch nicht nach § 15 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG gewerb­lich geprägt; denn bei ihr sind nicht aus­schließ­lich eine oder meh­re­re Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter. Viel­mehr sind auch V, der Klä­ger und sei­ne Geschwis­ter per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter der GbR.

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 13a Abs. 4 Nr. 3 ErbStG sind hin­sicht­lich der im Ver­mö­gen der GbR befind­li­chen Antei­le an der GmbH nicht erfüllt.

Der Frei­be­trag (§ 13a Abs. 1 ErbStG) und der ver­min­der­te Wert­an­satz (§ 13a Abs. 2 ErbStG) gel­ten nach § 13a Abs. 4 Nr. 3 ErbStG für den Erwerb von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, wenn neben wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der Erb­las­ser oder Schen­ker am Nenn­ka­pi­tal die­ser Gesell­schaft zu mehr als einem Vier­tel unmit­tel­bar betei­ligt war. Ein Erb­las­ser oder Schen­ker war nur dann i.S. des § 13a Abs. 4 Nr. 3 ErbStG unmit­tel­bar am Nenn­ka­pi­tal einer Kapi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt, wenn er zivil­recht­lich deren Gesell­schaf­ter war ((vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 1486). Es genügt nicht, wenn ein Anteil an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft erwor­ben wird, die ihrer­seits Gesell­schaf­te­rin einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ist, und zwar ohne Rück­sicht dar­auf, ob die Per­so­nen­ge­sell­schaft ertrag­steu­er­recht­lich Pri­vat­ver­mö­gen oder Betriebs­ver­mö­gen hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2013 – II R 63/​11

  1. BFH, Urtei­le vom 24.08.2005 – II R 16/​02, BFHE 210, 515, BSt­Bl II 2006, 36; und vom 25.11.2008 – II R 38/​06, BFH/​NV 2009, 772, jeweils m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 16.01.2008 – II R 10/​06, BFHE 220, 513, BSt­Bl II 2008, 631[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 11.06.2013 – II R 4/​12, BFH/​NV 2013, 1486[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 23.02.2010 – II R 42/​08, BFHE 228, 184, BSt­Bl II 2010, 555[]
  5. vgl. Mün­che­ner Kom­men­tar zum BGB/​Ulmer, 6. Aufl., § 705 Rz 182, m.w.N.[]
  6. vgl. BFH, Urteil in BFHE 220, 513, BSt­Bl II 2008, 631[]