Der Notar und die Schen­kungsteu­er

Bei der Beur­kun­dung eines Grund­stücks­über­tra­gungs­ver­tra­ges hat der Notar die Ver­trags­part­ner auf die Ver­pflich­tung zur Zah­lung von Schen­kungs­steu­er hin­zu­wei­sen. Unter­lässt er einen sol­chen Hin­weis, macht er sich scha­dens­er­satz­pflich­tig. Der Scha­den bemisst sich nach der Höhe der ange­fal­le­nen Schen­kungs­steu­er

Der Notar und die Schen­kungsteu­er

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg ent­schie­de­nen FAll woll­te ein Vater sein Grund­stück zu je 1/​2 sei­nem Sohn und sei­ner Schwie­ger­toch­ter schen­ken. Sie wand­ten sich an einen Notar, der den Über­tra­gungs­ver­trag auch beur­kun­de­te. Die Schwie­ger­toch­ter hat­te dann auf­grund des feh­len­den Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­ses zum Schwie­ger­va­ter Schen­kungs­steu­er in Höhe von rund 2250,- € zu zah­len. Weil der Notar nicht über den Anfall der Schen­kungs­steu­er auf­ge­klärt hat­te, ver­klag­te die Schwie­ger­toch­ter die­sen auf Scha­dens­er­satz. Sie argu­men­tier­te: Hät­te sie von dem Anfall der Schen­kungs­steu­er gewusst, hät­te der Schwie­ger­va­ter das gesam­te Grund­stück zunächst sei­nem Sohn geschenkt. Die­ser hät­te dann erst in einem zwei­ten Schritt die Hälf­te des Grund­stücks auf sie über­tra­gen, wobei dann unter Ehe­leu­ten kei­ne Schen­kungs­steu­er ange­fal­len wäre.

Das Land­ge­richt Olden­burg hat­te die Kla­ge zunächst abge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin gab das Ober­lan­des­ge­richt ihr jedoch Recht. Grund­sätz­lich bestehe zwar kei­ne Ver­pflich­tung eines Notars über steu­er­li­che Fol­gen eines Grund­stück­ge­schäf­tes auf­zu­klä­ren. Eine Aus­nah­me gel­te jedoch nach dem Erb­schafts­steu­er­recht. Bei der Beur­kun­dung von Schen­kun­gen und Zweck­zu­wen­dun­gen unter Leben­den habe der Notar auf mög­li­che Steu­er­pflich­ten hin­zu­wei­sen. Bei der Bemes­sung des Scha­dens müss­te sich die Klä­ge­rin jedoch die erspar­ten Notar­kos­ten für eine zwei­te Beur­kun­dung anrech­nen las­sen.

Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg, Urteil vom 12. Juni 2009 – 6 U 58/​09