Die Erb­schaft­steu­er und die Eigen­tums­ga­ran­tie

Darf die Erb­schaft­steu­er höher sein als das auf­grund der Erb­schaft tat­säch­lich Erlang­te? Oder ist in die­sen Fäl­len eine Begren­zung des erb­schaft­steu­er­li­chen Zugriffs auf­grund der Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 GG gebo­ten?

Die Erb­schaft­steu­er und die Eigen­tums­ga­ran­tie

Über die­se Fra­ge hat­te jetzt das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf im Rah­men einer Kla­ge zu ent­schei­den, bei der der Erb­las­ser dem Klä­ger einen Betrag von 500.000 € ver­macht und sei­ne Ehe­frau zu sei­ner Erbin ein­ge­setzt hat­te. Nach dem Tod des Erb­las­sers konn­te die Ehe­frau den gel­tend gemach­ten Ver­mächt­nis­an­spruch nicht erfül­len. Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men blie­ben bis auf einen Teil­be­trag in Höhe von ca. 90.000 € erfolg­los. Die Ehe­frau ver­starb wenig spä­ter. Das Nach­lassin­sol­venz­ver­fah­ren nach dem Tod der Ehe­frau wur­de man­gels Mas­se abge­wie­sen. Das beklag­te Finanz­amt setz­te die Erb­schaft­steu­er gegen den Klä­ger, aus­ge­hend von einem Ver­mächt­nis in Höhe von 500.000 €, gleich­wohl auf 143.492 € fest. Eine abwei­chen­de Fest­set­zung der Steu­er nach § 163 Satz 1 AO lehn­te es ab. Dage­gen rich­te­te sich die Kla­ge.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hielt die Kla­ge für begrün­det und eine abwei­chen­de Steu­er­fest­set­zung aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den für gebo­ten. Eine sach­li­che Unbil­lig­keit lie­ge vor, wenn die Besteue­rung, unab­hän­gig von den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Steu­er­pflich­ti­gen, im Ein­zel­fall mit dem Sinn und Zweck des Geset­zes nicht ver­ein­bar sei und des­halb den gesetz­li­chen Wer­tun­gen zuwi­der­lau­fe. Eine Bil­lig­keits­prü­fung dür­fe sich nicht in Über­le­gun­gen zur rich­ti­gen Rechts­an­wen­dung erschöp­fen. Sie müs­se sich auch auf all­ge­mei­ne Rechts­grund­sät­ze und ver­fas­sungs­recht­li­che Wer­tun­gen erstre­cken1. So sei eine Bil­lig­keits­maß­nah­me gebo­ten, wenn es beim Voll­zug einer im All­ge­mei­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Norm in einem Här­te­fall zu einer ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­chen Pro­blem­la­ge kommt2. So lie­ge es im Streit­fall, denn der Klä­ger habe eine Erb­schaft­steu­er von 143.492 € zu ent­rich­ten, obwohl er auf Grund des Ver­mächt­nis­ses nur ins­ge­samt ca. 90.000 € erhal­ten habe und mit wei­te­ren Zah­lun­gen nicht mehr zu rech­nen sei. Die­ses Ergeb­nis sei mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tun­gen (Art. 14 Abs. 1 GG) nicht ver­ein­bar.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 10. März 2010 – 4 K 3000/​09 Erb

  1. BFH, Beschluss vom 26.11.2003 – X B 124/​02, BFH/​NV 2004, 754
  2. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2004, 754