Die Schen­kung von der GbR – und die Schen­kungsteu­er

Die neue­re Recht­spre­chung des BGH zur Rechts­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ändert nichts dar­an, dass schen­kungsteu­er­lich der Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft und nicht die Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst als der Schen­ker anzu­se­hen ist.

Die Schen­kung von der GbR – und die Schen­kungsteu­er

§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG unter­lie­gen der Schen­kungsteu­er die Schen­kun­gen unter Leben­den. Als Schen­kung unter Leben­den gilt nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung unter Leben­den, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert ist.

Als Schenker/​Beschenkte sind im Fal­le der Betei­li­gung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft an der Schen­kung die Gesell­schaf­ter anzu­se­hen. Dies hat der Bujn­des­fi­nanz­hof zunächst für den Fall ent­schie­den, dass eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft (OHG, KG oder GbR) zivil­recht­lich als Beschenk­te am Schen­kungs­vor­gang betei­ligt ist. Danach ist nicht die Gesamt­hand, son­dern die Gesamt­hän­der durch die frei­ge­bi­ge Zuwen­dung schen­kungsteu­er­recht­lich als berei­chert anzu­se­hen 1. Dies fol­ge aus der Rege­lung in § 718 BGB, wonach das Gesell­schafts­ver­mö­gen gemein­schaft­li­ches Ver­mö­gen der Gesell­schaf­ter, und nicht etwa Ver­mö­gen der Gesell­schaft ist. Die Per­so­nen­ge­sell­schaft sei von der Per­sön­lich­keit der Gesell­schaf­ter nicht zu tren­nen; die Gesell­schaf­ter selbst sei­en Trä­ger der gesamt­hän­de­ri­schen Rech­te und Pflich­ten. Dies gel­te ent­spre­chend auch für die OHG bzw. KG (vgl. § 105 Abs.2, § 161 Abs. 2 HGB). Gehe des­halb durch Erb­an­fall oder Schen­kung Ver­mö­gen auf eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft über, wer­de die­ses stets gesamt­hän­de­ri­sches Ver­mö­gen der Gesamt­hän­der, die allein durch den Ver­mö­gens­über­gang berei­chert wür­den. Dass die ein­zel­nen Gesamt­hän­der der gesamt­hän­de­ri­schen Bin­dung nach § 719 BGB unter­lie­gen, ins­be­son­de­re über ein­zel­ne zum Gesell­schafts­ver­mö­gen gehö­ren­de Gegen­stän­de nicht ver­fü­gen könn­ten, ände­re hier­an nichts. Auch aus der der Gesamt­hands­ge­mein­schaft all­ge­mein zuer­kann­ten Teil­rechts­fä­hig­keit erge­be sich für die ver­mö­gens­mä­ßi­ge Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter am Gesamt­hands­ver­mö­gen nichts ande­res. Denn bei der Zuer­ken­nung der Teil-rechts­fä­hig­keit der Gesamt­hand gehe es nicht dar­um, der Gesamt­hand als sol­cher eine den juris­ti­schen Per­so­nen ver­gleich­ba­re, wenn auch rela­ti­ve, von den Gesamt­hän­dern los­ge­lös­te Rechts­fä­hig­keit zuzu­er­ken­nen. Viel­mehr betref­fe die Teil­rechts­fä­hig­keit ledig­lich die Aner­ken­nung der Gesamt­hand im Rechts­ver­kehr, d.h. die Bestim­mung der Rechts­po­si­ti­on, die eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft als Teil­neh­mer am Rechts­ver­kehr Drit­ten gegen­über ein­neh­men kön­ne 1. Nach­fol­gend hat der BFH klar­ge­stellt, dass nichts ande­res gilt, wenn die Per­so­nen­ge­sell­schaft an dem Schen­kungs­vor­gang nicht als Beschenk­ter, son­dern als Schen­ker betei­ligt ist; auch hier bewirkt die Trans­pa­renz der Per­so­nen­ge­sell­schaft die Zurech­nung der Schen­kung auf die hin­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft ste­hen­den Gesell­schaf­ter 2.

Dar­an hat sich zur Über­zeu­gung des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts auch nichts durch die Ent­schei­dung des BGH vom 29.01.2001 3 geän­dert. Auch wenn der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts damit Rechts­fä­hig­keit zuer­kannt wird, soweit sie durch Teil­nah­me am Rechts­ver­kehr eige­ne Rech­te und Pflich­ten begrün­det, ändert dies nichts dar­an, dass Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten ertrag­steu­er­lich wei­ter­hin kein Steu­er­sub­jekt sind. Es gilt das Trans­pa­renz­prin­zip; die Gewinn­an­tei­le der Mit­un­ter­neh­mer wer­den die­sen steu­er­lich zuge­rech­net (§ 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Ist wie hier eine Zah­lung (kon­kret: Gehalts­zah­lun­gen an Spie­ler und Trai­ner) von betrieb­li­chen Kon­ten der Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht durch die betrieb­li­chen Belan­ge der Gesell­schaft, son­dern durch die per­sön­li­chen Inter­es­sen der Gesell­schaf­ter ver­an­lasst, so stel­len die Zah­lun­gen Ent­nah­men der Gesell­schaf­ter dar, die auf deren Kapi­tal­kon­to ver­rech­net wer­den. Der Vor­gang wird inso­fern von den betrieb­li­chen Geschäfts­vor­fäl­len sepa­riert. Dies spricht dafür, auch wei­ter­hin den Gesell­schaf­ter als den Schen­ker anzu­se­hen und gege­be­nen­falls die­sen als Schen­ker für die Schen­kungsteu­er in Anspruch zu neh­men.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 18. März 2015 – 3 K 174/​14 4

  1. BFH Urteil vom 14.09.1994 – II R 95/​92, BSt­Bl II 1995, 81[][]
  2. BFH Urteil vom 15.07.1998 – II R 82/​96, BSt­Bl II 1998, 630[]
  3. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341[]
  4. nicht rechts­kräf­tig: Revi­si­on beim BFH – II R 46/​15[]