Die Wert­pa­pie­re im Nach­lass

Bör­sen­gän­gi­ge Wert­pa­pie­re sind mit ihrem Kurs­wert am Todes­tag des Erb­las­sers zu erfas­sen.

Die Wert­pa­pie­re im Nach­lass

Gegen­stand der Bewer­tung sind die Wert­pa­pie­re und nicht ein Anspruch gegen die Bank auf Her­aus­ga­be der Wert­pa­pie­re. Der erb­schaft­steu­er­recht­li­chen Bewer­tung nach § 12 ErbStG unter­liegt der Ver­mö­gens­an­fall des Erwer­bers i.S. des § 10 Abs. 1 Satz 2 ErbStG. Der Erb­las­ser war Eigen­tü­mer von Wert­pa­pie­ren. Mit sei­nem Tode ist das Eigen­tum im Wege der Gesamt­rechts­nach­fol­ge gemäß § 1922 Abs. 1 BGB auf die Erben über­ge­gan­gen. Jene erwar­ben Eigen­tum an Wert­pa­pie­ren; die Ansprü­che gegen die Bank aus dem Depot­ver­trag sind ledig­lich Aus­fluss die­ses Eigen­tums.

Das Wert­pa­pier­de­pot ist nach den Ver­hält­nis­sen am Todes­tag des Erb­las­sers zu bewer­ten. Das ErbStG ist inso­weit ein­deu­tig. Gemäß § 11 ErbStG ist für die nach § 12 ErbStG vor­zu­neh­men­de Wert­ermitt­lung der Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er maß­ge­bend. Bei Erwer­ben von Todes wegen, zu denen gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG der Erwerb durch Erb­an­fall (§ 1922 BGB) zählt, ent­steht die Steu­er mit dem Tode des Erb­las­sers (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 Halb­satz 1 ErbStG). Wert­min­de­run­gen oder Wert­stei­ge­run­gen nach die­sem Stich­tag sind nicht zu berück­sich­ti­gen. Das gilt zum Nach­teil wie zum Vor­teil des Erwer­bers. Muss die­ser einer­seits nach dem Erb­fall ein­tre­ten­de Kurs­ver­lus­te geerb­ter Wert­pa­pie­re ohne Aus­sicht auf Min­de­rung der Erb­schaft­steu­er tra­gen, so kom­men ihm ande­rer­seits Kurs­ge­win­ne ohne erb­schaft­steu­er­recht­li­che Fol­gen zugu­te [1].

Das Stich­tags­prin­zip fin­det auch dann Anwen­dung, wenn das Ver­fü­gungs­recht des Erben ‑z.B. infol­ge Anord­nung der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung- beschränkt ist [2]. Es gilt eben­so in Fäl­len, in denen die Zuge­hö­rig­keit des Bewer­tungs­ge­gen­stan­des zum Nach­lass zunächst unsi­cher und des­halb gericht­lich zu klä­ren ist. Erlei­det der Erbe bis zur Titu­lie­rung sei­nes Rechts Ver­mö­gens­min­de­run­gen, die er nicht ver­hin­dern kann, führt dies nicht zu einer Ver­rin­ge­rung der Erb­schaft­steu­er [3].

Nach die­sen Maß­stä­ben sind die Wert­pa­pie­re mit dem nied­rigs­ten für sie am Todes­tag des Erb­las­sers im regu­lier­ten Markt notier­ten Kurs anzu­set­zen (vgl. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Novem­ber 2019 – II R 29/​16

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 22.09.1999 – II B 130/​97, BFH/​NV 2000, 320; und vom 18.02.2008 – II B 109/​06, BFH/​NV 2008, 1163, unter B.01.b[]
  2. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2000, 320[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 02.02.1977 – II R 150/​71, BFHE 121, 500, BStBl II 1977, 425, am Ende, für den Fall von Beschrän­kun­gen der Ver­fü­gungs­be­fug­nis[]