Dis­quo­ta­le Ein­la­ge von Ver­mö­gen in eine GmbH

Erhöht sich der Wert der GmbH-Betei­li­gung eines Gesell­schaf­ters dadurch, dass ein ande­rer Gesell­schaf­ter Ver­mö­gen in die GmbH ein­bringt, ohne eine des­sen Wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zu erhal­ten, liegt kei­ne frei­ge­bi­ge Zuwen­dung des ein­brin­gen­den Gesell­schaf­ters an den ande­ren Gesell­schaf­ter vor 1. Dies gilt auch, wenn bei der Kapi­tal­erhö­hung einer GmbH die neu ent­ste­hen­de Stamm­ein­la­ge durch eine Sach­ein­la­ge erbracht wird und die­se Ein­la­ge mehr wert ist als die über­nom­me­ne neue Stamm­ein­la­ge.

Dis­quo­ta­le Ein­la­ge von Ver­mö­gen in eine GmbH

Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG) 2. Erfor­der­lich hier­für ist eine Ver­mö­gens­ver­schie­bung, d.h. eine Ver­mö­gens­min­de­rung auf der Sei­te des Schen­kers und eine Ver­mö­gens­meh­rung auf der Sei­te des Beschenk­ten 3. Der Gegen­stand der Schen­kung rich­tet sich nach bür­ger­li­chem Recht 4. Für die Fra­ge, wer an einer frei­ge­bi­gen Zuwen­dung im Sin­ne des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG betei­ligt ist, kommt es aus­schließ­lich auf die Zivil­rechts­la­ge und nicht dar­auf an, wem nach wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se Ver­mö­gen oder Ein­kom­men zuzu­rech­nen ist 5.

Erhöht sich der Wert der GmbH-Betei­li­gung eines Gesell­schaf­ters dadurch, dass ein ande­rer Gesell­schaf­ter Ver­mö­gen in die GmbH ein­bringt, ohne eine des­sen Wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zu erhal­ten, liegt danach kei­ne frei­ge­bi­ge Zuwen­dung des ein­brin­gen­den Gesell­schaf­ters an den ande­ren Gesell­schaf­ter vor 6. Wegen der recht­li­chen Eigen­stän­dig­keit des Gesell­schafts­ver­mö­gens der GmbH fehlt es in einem sol­chen Fall an einer zivil­recht­li­chen Ver­mö­gens­ver­schie­bung zwi­schen die­sen Gesell­schaf­tern 7. Dies gilt auch, wenn bei der Kapi­tal­erhö­hung einer GmbH die neu ent­ste­hen­de Stamm­ein­la­ge durch eine Sach­ein­la­ge erbracht wird und die­se Ein­la­ge mehr wert ist als die über­nom­me­ne neue Stamm­ein­la­ge.

Die ertrag­steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung der Kapi­tal­erhö­hung und Sach­ein­la­ge spielt für die Schen­kungsteu­er, die Ver­kehr­steu­er ist, kei­ne Rol­le.

Soweit sich aus R 18 Abs. 3 der Erb­schaft­steu­er-Richt­li­ni­en eine ande­re Beur­tei­lung ergibt, kann dem nicht gefolgt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2009 – II R 28/​08

  1. Abwei­chung von R 18 Abs. 3 Erb­StR[]
  2. vgl. auch § 516 Abs. 1 BGB[]
  3. BFH, Urtei­le vom 06.03.1985 – II R 19/​84, BFHE 143, 291, BSt­Bl II 1985, 382; und vom 07.11.2007 – II R 28/​06, BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258[]
  4. BFH, Urteil vom 25.11.2008 – II R 38/​06, BFH/​NV 2009, 772[]
  5. BFH, Urtei­le vom 29.11.2006 – II R 42/​05, BFHE 215, 529, BSt­Bl II 2007, 319; und in BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258[]
  6. BFH, Urtei­le vom 25.10.1995 – II R 67/​93, BFHE 179, 157, BSt­Bl II 1996, 160; und vom 19.06.1996 – II R 83/​92, BFHE 181, 88, BSt­Bl II 1996, 616[]
  7. BFH, Urteil in BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258[]