Fest­stel­lung des Grund­stücks­werts im Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren

Die gericht­li­che Über­prü­fung vom Mit­tei­lun­gen der Gut­ach­ter­aus­schüs­se für Grund­stücks­wer­te ist auf offen­sicht­li­che Unrich­tig­kei­ten beschränkt.

Fest­stel­lung des Grund­stücks­werts im Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren

Nach § 182 Abs. 2 Nr. 3 BewG sind Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser für Zwe­cke der Erb­schafts­steu­er grund­sätz­lich im Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren zu bewer­ten.

§ 183 Abs. 1 BewG gibt inso­weit vor: "Bei Anwen­dung des Ver­gleichs­wert­ver­fah­rens sind Kauf­prei­se von Grund­stü­cken her­an­zu­zie­hen, die hin­sicht­lich der ihren Wert beein­flus­sen­den Merk­ma­le mit dem zu bewer­ten­den Grund­stück hin­rei­chend über­ein­stim­men (Ver­gleichs­grund­stü­cke). Grund­la­ge sind vor­ran­gig die von den Gut­ach­ter­aus­schüs­sen im Sin­ne der §§ 192 ff. des Bau­ge­setz­buchs mit­ge­teil­ten Ver­gleichs­prei­se."

ür Zwe­cke der Erb­schafts­steu­er grund­sätz­lich im Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren zu bewer­ten.

§ 183 Abs. 1 BewG gibt inso­weit vor: "Bei Anwen­dung des Ver­gleichs­wert­ver­fah­rens sind Kauf­prei­se von Grund­stü­cken her­an­zu­zie­hen, die hin­sicht­lich der ihren Wert beein­flus­sen­den Merk­ma­le mit dem zu bewer­ten­den Grund­stück hin­rei­chend über­ein­stim­men (Ver­gleichs­grund­stü­cke). Grund­la­ge sind vor­ran­gig die von den Gut­ach­ter­aus­schüs­sen im Sin­ne der §§ 192 ff. des Bau­ge­setz­buchs mit­ge­teil­ten Ver­gleichs­prei­se."

Der Gesetz­ge­ber hat die Ermitt­lung von Ver­gleichs­prei­sen und ‑fak­to­ren expli­zit den Gut­ach­ter­aus­schüs­sen auf­ge­ge­ben, da die­sen auf Grund ihrer beson­de­ren Sach- und Fach­kennt­nis und ihrer grö­ße­ren Orts­nä­he sowie der in hohem Maße von Beur­tei­lungs- und Ermes­sens­er­wä­gun­gen abhän­gi­gen Wert­fin­dung eine vor­greif­li­che Kom­pe­tenz bei der Fest­stel­lung zukommt. Eine fach­li­che Über­prü­fung durch – mit gerin­ge­rer Sach­kun­de aus­ge­stat­te­te – Gerich­te wür­de dem wider­spre­chen. Mit die­sem Rechts­ge­dan­ken hat der Bun­des­fi­nanz­hof auch ent­schie­den, dass die von den Gut­ach­ter­aus­schüs­sen nach § 145 Abs. 3 Satz 2 BewG ermit­tel­ten und den Finanz­äm­tern mit­ge­teil­ten Boden­richt­wer­te für die Betei­lig­ten im Steu­er­rechts­ver­hält­nis ver­bind­lich und einer gericht­li­chen Über­prü­fung regel­mä­ßig nicht zugäng­lich sind1.

Einer sol­chen "Offen­sicht­lich­keits­kon­trol­le" ste­hen in die­sem Fall auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken ent­ge­gen. Aus der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes folgt zwar grund­sätz­lich die Pflicht der Gerich­te, die ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ak­te in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht voll­stän­dig nach­zu­prü­fen. Das schließt eine Bin­dung der recht­spre­chen­den Gewalt an tat­säch­li­che oder recht­li­che Fest­stel­lun­gen und Wer­tun­gen sei­tens ande­rer Gewal­ten hin­sicht­lich des­sen, was im Ein­zel­fall rech­tens ist, im Grund­satz aus2. Das Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes lässt es aber zu, dass durch den Gesetz­ge­ber eröff­ne­te Gestal­tungs, Ermes­sens- und Beur­tei­lungs­spiel­räu­me sowie die Tat­be­stands­wir­kung von Exe­ku­tiv­ak­ten die Durch­füh­rung der Rechts­kon­trol­le durch die Gerich­te ein­schrän­ken3. Ob dies der Fall ist, muss sich aus­drück­lich aus dem Gesetz erge­ben oder durch Aus­le­gung hin­rei­chend deut­lich zu ermit­teln sein4. § 183 Abs. 1 BewG gibt aus­drück­lich vor: "Grund­la­ge sind vor­ran­gig die von den GAG im Sin­ne der §§ 192 ff des Bau­ge­setz­buchs mit­ge­teil­ten Ver­gleichs­prei­se". Damit ergibt sich die Bin­dung an eine vor­an­ge­hen­de Ent­schei­dung einer ande­ren Behör­de hin­rei­chend klar aus dem Gesetz.

Die Rechts­schutz­mög­lich­keit des Bür­gers wird so auch nicht über Gebühr ein­ge­schränkt. Zwar hat der Steu­er­pflich­ti­ge nicht die Mög­lich­keit, (iso­liert) gegen eine Mit­tei­lung des GAG vor­zu­ge­hen, die­se Mit­tei­lung ist kein selbst­stän­dig angreif­ba­rer Grund­la­gen­be­scheid. Die Betei­lig­ten kön­nen aber, falls der GAG – wie vor­lie­gend – kei­nen Ver­gleichs­preis mit­teilt, ihrer­seits Ver­gleichs­grund­stü­cke benen­nen. Für den Fall, dass der GAG einen kon­kre­ten Ver­gleichs­preis mit­teilt, hat der Gesetz­ge­ber in § 198 BewG vor­ge­se­hen, dass ein gerin­ge­rer Wert anzu­set­zen ist, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge einen sol­chen nach­weist. Damit hat er in aus­rei­chen­dem Umfang die Mög­lich­keit eröff­net, (spä­tes­tens) im gericht­li­chen Ver­fah­ren einen vom Gut­ach­ter­aus­schuss gefun­de­nen Wert zu prü­fen und ggf. zu kor­ri­gie­ren.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2015 – 1 K 147/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 11.05.2005 – II R 21/​02, BFHE 210, 48, BSt­Bl II 2005, 686; vom 26.04.2006 – II R 58/​04, BFHE 213, 207, BSt­Bl II 2006, 793; und vom 16.12 2009 – II R 15/​09, BFH/​NV 2010, 1085 []
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 31.05.2011 1 BvR 857/​07, BVerfGE 129, 1 []
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 31.05.2011 1 BvR 857/​07, BVerfGE 129, 1 []
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 31.05.2011 1 BvR 857/​07, BVerfGE 129, 1 []