Jun­ges Ver­wal­tungs­ver­mö­gen in der Erb­schaft­steu­er

Hat ein Betrieb bin­nen zwei­er Jah­re vor einem Erb­fall oder einer Schen­kung Ver­wal­tungs­ver­mö­gen aus Eigen­mit­teln erwor­ben oder umge­schich­tet, fällt inso­weit die erb­schaft- und schen­kungsteu­er­recht­li­che Begüns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens fort. Betriebs­ver­mö­gen kann damit nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch ohne Miss­brauchs­ab­sicht begüns­ti­gungs­schäd­li­ches „jun­ges Ver­wal­tungs­ver­mö­gen“ sein.

Jun­ges Ver­wal­tungs­ver­mö­gen in der Erb­schaft­steu­er

Das hat der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt in fünf Ver­fah­ren ent­schie­de­ne, die Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen aus den Jah­ren 2007 und 2010 bis 2012 betra­fen. Die jewei­li­gen Klä­ger waren der Auf­fas­sung, dass der Begüns­ti­gungs­aus­schluss nicht für sol­che Wirt­schafts­gü­ter des Ver­wal­tungs­ver­mö­gens gilt, die ohne erkenn­ba­re Miss­brauchs­ab­sicht inner­halb der Zwei-Jah­res-Frist aus ander­weit liqui­den Mit­teln des Betriebs oder sogar im Rah­men einer rei­nen Umschich­tung gleich­ar­ti­ger Wirt­schafts­gü­ter ange­schafft wor­den waren. Die jeweils von den Klä­gern ange­ru­fe­nen Finanz­ge­rich­te teil­ten deren Auf­fas­sung nicht und wie­sen die Kla­gen ab. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te die Urtei­le der Finanz­ge­rich­te. Er hat eben­falls im Hin­blick auf die gesetz­li­che Typi­sie­rung eine Miss­brauchs­prü­fung im Ein­zel­fall nicht zuge­las­sen. Maß­ge­bend ist des­halb allein, ob das ein­zel­ne Wirt­schafts­gut des Ver­wal­tungs­ver­mö­gens, so auch das ein­zel­ne Wert­pa­pier, tat­säch­lich inner­halb der Frist dem Betriebs­ver­mö­gen zuge­führt wur­de. Es kommt nicht dar­auf an, ob dies ein Ein­la­ge- oder Anschaf­fungs­vor­gang war, wie die Anschaf­fung finan­ziert wur­de und wel­che Ziel­set­zung dem Vor­gang zugrun­de lag.

Die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er kennt Begüns­ti­gun­gen für den Erwerb von Betriebs­ver­mö­gen, die das Pro­duk­tiv­ver­mö­gen schüt­zen sol­len. Beson­de­ren Rege­lun­gen unter­liegt das sog. Ver­wal­tungs­ver­mö­gen, zu dem u.a. Wert­pa­pie­re gehö­ren. Ver­wal­tungs­ver­mö­gen, das dem Betrieb im Zeit­punkt von Erb­fall oder Schen­kung weni­ger als zwei Jah­re zuzu­rech­nen war (jun­ges Ver­wal­tungs­ver­mö­gen), ist von der Begüns­ti­gung aus­ge­nom­men. Das soll Miss­brauch ver­hin­dern. Andern­falls könn­te etwa Pri­vat­ver­mö­gen kurz­fris­tig in den Betrieb ein­ge­legt wer­den, um es an der Begüns­ti­gung für das Betriebs­ver­mö­gen teil­ha­ben zu las­sen.

Die Ent­schei­dun­gen sind zu Rechts­vor­schrif­ten ergan­gen, die nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 17.12.2014 [1] mit der Ver­fas­sung wegen Ver­sto­ßes gegen den Gleich­heits­satz unver­ein­bar, aber bis zum 30.06.2016 wei­ter anzu­wen­den waren. Das anschlie­ßend in Kraft getre­te­ne Recht ent­hält zum Ver­wal­tungs­ver­mö­gen eine Rei­he detail­lier­ter Neue­run­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 22. Janu­ar 2020 – II R 8/​18II R 13/​18II R 18/​18II R 21/​18 und II R 41/​18

  1. BVerfG, Urteil vom 17.12.2014 – 1 BvL 21/​12[]