Kei­ne Aus­kunft aus „steu­er­frei­er“ Erbschaftsteuerakte

Ein Erbe hat kei­nen Anspruch gegen das Finanz­amt auf Aus­kunft aus der Erb­schaft­steu­er­ak­te, wenn die Akte nach amts­in­ter­ner Prü­fung mit dem Ver­merk „steu­er­frei“ abge­schlos­sen wor­den ist. Mit die­sem Urteil gab der Bun­des­fi­nanz­hof einem Finanz­amt Recht, das sich gewei­gert hat­te, einer Mit­er­bin Kopien der von Kre­dit­in­sti­tu­ten ein­ge­reich­ten Anzei­gen über die dort geführ­ten Kon­ten und Depots des ver­stor­be­nen Erb­las­sers zu überlassen.

Kei­ne Aus­kunft aus „steu­er­frei­er“ Erbschaftsteuerakte

Einen Anspruch auf Über­las­sung von Kopien der von Kre­dit­in­sti­tu­ten gemäß § 33 ErbStG ein­ge­reich­ten Anzei­gen haben Erben nicht, wenn das Finanz­amt die Akte mit dem Ver­merk „steu­er­frei“ geschlos­sen hat, ohne die Erben an dem Ver­fah­ren zu beteiligen.

Auch aus Treu und Glau­ben ergibt sich kein Infor­ma­ti­ons­an­spruch gegen das Finanz­amt, wenn die Aus­kunft nicht der Wahr­neh­mung von Rech­ten im Besteue­rungs­ver­fah­ren die­nen kann.

Das Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz ver­pflich­tet unter ande­rem Ban­ken, dem Finanz­amt das von ihnen ver­wal­te­te oder ver­wahr­te Ver­mö­gen eines Kun­den nach des­sen Tod unver­züg­lich anzu­zei­gen. Dem­entspre­chend waren im Streit­fall nach dem Tod des Vaters der Klä­ge­rin beim Finanz­amt Anzei­gen von Ban­ken ein­ge­gan­gen. Zur Ein­lei­tung eines Erb­schaft­steu­er­fest­set­zungs­ver­fah­rens kam es nicht, da die amts­in­ter­ne Prü­fung erge­ben hat­te, dass der Wert der Erb­tei­le der Mit­er­ben den jewei­li­gen erb­schaft­steu­er­li­chen Frei­be­trag nicht über­schritt. Das Finanz­amt leg­te die Akte mit dem Ver­merk „steu­er­frei“ ab.

Jah­re spä­ter erbat die Klä­ge­rin vom Finanz­amt Kopien die­ser Anzei­gen der Ban­ken, um damit in einem Erb­streit mit ihren Geschwis­tern ihre ver­meint­li­chen Ansprü­che durch­set­zen zu kön­nen. Das Finanz­amt berief sich dem­ge­gen­über auf das Steuergeheimnis. 

Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te nun das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil des Hes­si­schen Finanz­ge­richts [1].

Ein Erbe habe, so der Bun­des­fi­nanz­hof, habe kei­nen Aus­kunfts­an­spruch gegen das Finanz­amt, wenn gar kein Besteue­rungs­ver­fah­ren unter sei­ner Betei­li­gung durch­ge­führt wor­den sei. Eine Aus­kunfts­pflicht, wie sie die Abga­ben­ord­nung vor­se­he, set­ze ein abga­ben­recht­li­ches Rechts­ver­hält­nis zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Finanz­amt voraus. 

Einen dar­über hin­aus­ge­hen­den Anspruch aus Treu und Glau­ben, wie ihn die Klä­ge­rin unter Beru­fung auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gel­tend gemacht hat­te, lehn­te der Bun­des­fi­nanz­hof dage­gen ab. Auch der Bun­des­ge­richts­hof hat­te, wie der Bun­des­fi­nanz­hof betont, eine Treue­pflicht zur Aus­kunfts­er­tei­lung nur aner­kannt, wenn die Aus­kunft zur Wah­rung von Rech­ten im Rah­men einer bestehen­den Son­der­ver­bin­dung unab­ding­bar ist. Im Übri­gen lie­ge auf der Hand, dass das Finanz­amt kei­ne Treue­pflicht zur Unter­stüt­zung ver­fah­rens­frem­der Zwe­cke tref­fen könne. 

Ange­sichts die­ses Befunds brauch­te der Bun­des­fi­nanz­hof die wei­te­re Fra­ge, ob einem mög­li­chen Aus­kunfts­an­spruch das (post­mor­ta­le) Steu­er­ge­heim­nis des Erb­las­sers oder das­je­ni­ge der Mit­er­ben ent­ge­gen­ste­he, gar nicht erst zu beantworten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Febru­ar 2010 – VII R 19/​09

  1. Hess. FG, Urteil vom 15.01.2008 – 1 K 1448/​07[]