Rück­for­de­rung einer Schen­kung – und die Schen­kungsteu­er

Bei Her­aus­ga­be einer Schen­kung auf­grund eines Rück­for­de­rungs­rechts als rück­wir­ken­des Ereig­nis erlischt die Schen­kungsteu­er auch nach Fest­set­zungs­ver­jäh­rung.

Rück­for­de­rung einer Schen­kung – und die Schen­kungsteu­er

Die Ver­ur­tei­lung zur Rück­ga­be eines geschenk­ten Grund­stücks oder des aus des­sen Ver­kauf erziel­ten Erlö­ses stellt noch kei­ne Her­aus­ga­be dar, eben­so wenig des­sen Ver­brauch durch auf­ge­wand­te Kos­ten.

Außer den in § 29 ErbStG gere­gel­ten Aus­nah­me­fäl­len wird die Schen­kungsteu­er grund­sätz­lich nicht durch Umstän­de berührt, die nach dem Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Zuwen­dung eine Min­de­rung oder gar einen Weg­fall der Berei­che­rung zur Fol­ge haben.

Gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG erlischt die Steu­er mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit, soweit ein Geschenk wegen eines Rück­for­de­rungs­rechts her­aus­ge­ge­ben wer­den muss­te. Zu den gesetz­li­chen Rück­for­de­rungs­rech­ten gehö­ren auch gesetz­li­che Rück­erstat­tungs­an­sprü­che bei unwirk­sa­mer Schen­kung, wie bei Geschäfts­un­fä­hig­keit der Schen­ke­rin nach §§ 104 ff., §§ 812 ff. BGB. Das Erlö­schen der Steu­er mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit stellt ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i. S. v. § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO dar1.

Dem­entspre­chend schei­tert die Kla­ge nicht schon am Ein­tritt der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung (§§ 169 ff. AO). Viel­mehr wür­de die Fest­set­zungs­frist für das rück­wir­ken­de Erlö­schen gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG i. V. m. § 175 Abs. 1 Nr. 2 AO gemäß § 175 Abs. 1 Satz 2 AO erst mit Ablauf des Kalen­der­jah­res begin­nen, in dem das Ereig­nis ein­tritt, das heißt das rück­wir­ken­de Erlö­schen durch Geschen­krück­ga­be auf­grund eines Rück­for­de­rungs­rechts.

Die Rück­ga­be könn­te auch an Rechts­nach­fol­ger der ver­stor­be­nen Schen­ke­rin – hier an die Nach­lass­pfle­ge­rin – ohne Ver­bleib bei dem Beschenk­ten bewirkt wer­den2.

Ent­schei­dend ist erst die tat­säch­li­che Her­aus­ga­be oder Erstat­tung3, aber ent­spre­chend § 41 AO nicht bereits die Unwirk­sam­keit der Schen­kung4.

Als Rück­ga­be wäre etwa im Fall einer Kon­to­pfän­dung auch eine Aus­keh­rung von Gut­ha­ben in ent­spre­chen­der Höhe zu berück­sich­ti­gen; dage­gen reicht nicht schon eine Ver­ur­tei­lung5.

Eben­so ist auch ein behaup­te­ter Ver­brauch der Schen­kung durch nach­fol­gen­de Bau­pla­nungs, Finan­zie­rungs- und Rechts­kos­ten nicht einer Rück­ga­be der Schen­kung gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG gleich­zu­stel­len. Viel­mehr wird außer in den in § 29 ErbStG gere­gel­ten Aus­nah­me­fäl­len die für eine Zuwen­dung ent­stan­de­ne Schen­kungsteu­er grund­sätz­lich nicht durch Umstän­de berührt, die nach dem Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Zuwen­dung eine Min­de­rung oder gar einen Weg­fall der Berei­che­rung zur Fol­ge haben6.

Inso­weit bleibt es bei dem Stich­tags­prin­zip, das heißt bei der Wert­ermitt­lung auf den Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er (§ 11 ErbStG) bei Aus­füh­rung der Schen­kung (§ 7 Abs. 1 Nr. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) ohne Berück­sich­ti­gung spä­te­rer Wert­än­de­run­gen7; selbst wenn der Erwer­ber den Wert­ver­fall nicht ver­mei­den konn­te8.

Außer­halb der Aus­nah­me­re­ge­lung von § 29 ErbStG i. V. m. § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Satz 2 AO kann der Beschenk­te nach zwi­schen­zeit­li­cher Fest­set­zungs­ver­jäh­rung nicht mehr ver­lan­gen, das Finanz­amt zu einer Ände­rung der bestands­kräf­ti­gen Steu­er­fest­set­zung zu ver­pflich­ten, auch nicht wegen nach­träg­lich bekannt­ge­wor­de­ner Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel gemäß § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO.

Finanz­ge­richt Ham­burg 3. Senat, Urteil vom 9. Febru­ar 2012 – 3 K 232/​11

  1. BFH vom 11.11.2009 – II R 54/​08, BFH/​NV 2010, 896; FG Ham­burg vom 07.04.2009 – 3 K 218/​07, EFG 2010, 341; DSt­RE 2010, 418 zu II 2 c, m. w. N.; Meincke, ErbStG, 15. A., § 29 Rd. 2, 6
  2. vgl. BFH vom 24.05.2000 – II R 62/​97, BFH/​NV 2001, 39; Meincke, ErbStG, 15. A., § 29 Rd. 6
  3. BFH vom 08.10.2003 – II R 46/​01, BFHE 204, 299, BSt­Bl II 2004, 234 zu II 1 c; vom 23.10.1985 – S 1/​85, BFH/​NV 1986, 768
  4. Meincke, ErbStG, 15. A., § 29 Rd. 5 m. w. N.
  5. vgl. FG Düs­sel­dorf vom 07.01.2009 – 4 K 2103, EFG 2009, 501
  6. FG Nürn­berg vom 05.10.2000 – IV 47/​2000, EFG 2001, 149 m. w. N., bestä­tigt durch BFH vom 08.10.2003 II R 46/​01, BFHE 204, 299, BSt­Bl II 2004, 234
  7. vgl. Hes­si­sches FG vom 03.04.2007 – 1 K 1809/​04, EFG 2007, 1534; FG Mün­chen vom 24.07.2002 – 4 K 558/​02, EFG 2002, 1493; Meincke, ErbStG, 15. A., § 11 Rd. 6
  8. FG Ber­lin vom 17.10.1989 – V 37/​89, EFG 1990, 323