Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten zur Ermitt­lung des Grund­stücks­werts als Nach­lass­ver­bind­lich­keit

Die Auf­wen­dun­gen für die Erstel­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Nach­weis des nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts eines zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­stücks sind als Nach­lass­ver­bind­lich­keit abzugs­fä­hig, wenn sie in engem zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Todes wegen anfal­len.

Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten zur Ermitt­lung des Grund­stücks­werts als Nach­lass­ver­bind­lich­keit

Gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG sind, soweit sich nicht aus den Absät­zen 6 bis 9 etwas ande­res ergibt, als Nach­lass­ver­bind­lich­keit u.a. die Kos­ten abzugs­fä­hig, die dem Erwer­ber unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses oder mit der Erlan­gung des Erwerbs ent­ste­hen.

Der Begriff der Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten ist grund­sätz­lich weit aus­zu­le­gen 1. Zu den Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten gehö­ren auch die Kos­ten für die Bewer­tung von Nach­lass­ge­gen­stän­den, wenn sie in engem zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Todes wegen und nicht erst durch die spä­te­re Ver­wal­tung des Nach­las­ses (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG) anfal­len. Nach­lass­re­ge­lungs­kos­ten sind ins­be­son­de­re Auf­wen­dun­gen für die Erstel­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nach § 198 des Bewer­tungs­ge­set­zes in der für 2009 gel­ten­den Fas­sung zum Nach­weis eines nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts eines zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­stücks 2. Der­ar­ti­ge Auf­wen­dun­gen sind durch den Erb­fall ver­an­lasst und ste­hen unmit­tel­bar mit der Rege­lung und Abwick­lung des Nach­las­ses im Zusam­men­hang.

§ 10 Abs. 8 ErbStG steht einem Abzug der Kos­ten für ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zum Nach­weis eines nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts des Nach­lass­grund­stücks nicht ent­ge­gen.

Nach die­ser Vor­schrift ist die von dem Erwer­ber zu ent­rich­ten­de eige­ne Erb­schaft­steu­er nicht abzugs­fä­hig. Das Abzugs­ver­bot erstreckt sich zwar nach der dem § 10 Abs. 8 ErbStG zugrun­de lie­gen­den Wer­tung auch auf die einem Erwer­ber ent­ste­hen­den Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten, die er zur Abwehr der von ihm zu ent­rich­ten­den eige­nen Erb­schaft­steu­er auf­wen­det 3. Außer­dem unter­lie­gen dem Abzugs­ver­bot die Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten, die mit den geson­der­ten Fest­stel­lun­gen der Grund­be­sitz­wer­te des zum Nach­lass gehö­ren­den Grund­ver­mö­gens zusam­men­hän­gen 4. Bei den Kos­ten für die Bewer­tung von Nach­lass­ge­gen­stän­den han­delt es sich jedoch nicht um Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten in die­sem Sin­ne. Der Begriff der dem Abzugs­ver­bot unter­lie­gen­den Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten ist eng zu ver­ste­hen und umfasst die vom Erben auf­ge­wen­de­ten Ver­fah­rens- und Pro­zess­kos­ten eines Rechts­be­helfs- oder finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens gegen die Erb­schaft­steu­er­fest­set­zung, nicht aber Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten für die Erstel­lung eines Gut­ach­tens zum Nach­weis eines nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts eines Nach­lass­grund­stücks. Für eine wei­ter gehen­de Erstre­ckung des Abzugs­ver­bots auch auf die Kos­ten der Bewer­tung eines zum Nach­lass gehö­ren­den Gegen­stands bie­tet § 10 Abs. 8 ErbStG kei­ne Grund­la­ge, selbst wenn die Bewer­tung des Nach­lass­ge­gen­stands Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der Erb­schaft­steu­er hat. Soweit die Finanz­ver­wal­tung für ihre gegen­tei­li­ge Ansicht 5 eben­falls auf das Urteil des BFH in BFHE 217, 187, BSt­Bl II 2007, 722 ver­weist, wird klar­ge­stellt, dass die­ses Urteil nicht zu Gut­ach­ter­kos­ten ergan­gen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Juni 2013 – II R 20/​12

  1. vgl. BFH, Urteil vom 11.01.1961 – II 155/​59 U, BFHE 72, 273, BSt­Bl III 1961, 102[]
  2. Schuck in Viskorf/​Knobel/​Schuck/​Wälzholz, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 4. Aufl., § 10 ErbStG Rz 97; Geck in Kapp/​Ebeling, ErbStG, Kom­men­tar, § 10 ErbStG Rz 150.2; Stei­ner, Der Erb­schaft-Steu­er-Bera­ter –ErbStB– 2010, 104; Halac­zin­sky, ErbStB 2012, 238; auch von der Finanz­ver­wal­tung aner­kannt, sofern die Kos­ten im Rah­men der Ver­pflich­tung zur Abga­be einer Fest­stel­lungs­er­klä­rung anfal­len und vom Erwer­ber getra­gen wer­den, vgl. H E 10.7 Satz 2, "Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten und Rechts­be­ra­tungs­kos­ten im Rah­men des Besteue­rungs- und Wert­fest­stel­lungs­ver­fah­rens", ErbStH 2011; a.A. FG Nürn­berg, Urteil vom 21.11.2002 – IV 350/​2001, EFG 2003, 633; Wein­mann in Moench/​Weinmann, Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, § 10 Rz 82; Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 10 Rz 220[]
  3. BFH, Urteil vom 20.06.2007 – II R 29/​06, BFHE 217, 187, BSt­Bl II 2007, 722[]
  4. BFH, Urteil vom 01.07.2008 – II R 71/​06, BFHE 222, 63, BSt­Bl II 2008, 874[]
  5. vgl. H E 10.7 ErbStH[]