Schen­kungsteu­er für das gelösch­te Wohn­recht

Die Ein­wil­li­gung in die Löschung eines ding­li­chen Wohn­rechts unter­liegt als frei­gie­bi­ge zuwen­dung zuguns­ten des mit dem Wohn­recht belas­te­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mers der Schen­kungsteu­er, ent­schied jetzt das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt.

Schen­kungsteu­er für das gelösch­te Wohn­recht

Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung unter Leben­den, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG; vgl. § 516 Abs. 1 BGB). In objek­ti­ver Hin­sicht ist hier­für eine Ver­mö­gens­ver­schie­bung erfor­der­lich, d. h. eine Ver­mö­gens­min­de­rung auf der Sei­te des Schen­kers und eine Ver­mö­gens­meh­rung auf der Sei­te des Beschenk­ten [1]. Der Gegen­stand, um den der Beschenk­te berei­chert wird, muss sich nicht vor­her in der­sel­ben Gestalt im Ver­mö­gen des Schen­kers befun­den haben und wesens­gleich über­ge­hen [2].

In sub­jek­ti­ver Hin­sicht ver­langt eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung, dass der Zuwen­den­de in dem Bewusst­sein han­delt, die Zuwen­dung unent­gelt­lich oder tei­lu­n­ent­gelt­lich vor­zu­neh­men. Dabei ist ein auf die Berei­che­rung des Emp­fän­gers gerich­te­ter Wil­le im Sin­ne einer Berei­che­rungs­ab­sicht („ani­mus don­an­di“) nicht erfor­der­lich. Der Wil­le zur Enent­gelt­lich­keit liegt viel­mehr vor, wenn der Zuwen­den­de in dem Bewusst­sein han­delt, zu der Ver­mö­gens­hin­ga­be weder recht­lich ver­pflich­tet zu sein, noch dafür eine mit sei­ner Leis­tung in einem syn­al­lag­ma­ti­schen, kon­di­tio­na­len oder kau­sa­len Zusam­men­hang ste­hen­de (gleich­wer­ti­ge) Gegen­leis­tung zu erhal­ten [3].

Der Erwerb eines zuge­wen­de­ten Gegen­stan­des ist unent­gelt­lich, wenn er nicht recht­lich abhän­gig ist von einer den Erwerb aus­glei­chen­den Gegen­leis­tung des Erwer­bers oder in recht­li­chem Zusam­men­hang mit einem Gemein­schafts­zweck steht [4]. Dabei kom­men als die Unent­gelt­lich­keit aus­schlie­ßen­de und die Ent­gelt­lich­keit begrün­den­de recht­li­che Abhän­gig­keit Ver­knüp­fun­gen sowohl nach Art eines gegen­sei­ti­gen Ver­trags als auch durch Set­zung einer Bedin­gung oder eines ent­spre­chen­den Rechts­zwecks in Betracht. Frei­wil­lig ein­ge­gan­ge­ne Leis­tungs­pflich­ten schlie­ßen die Unent­gelt­lich­keit nicht aus [5].

Nach die­sen Grund­sät­zen, so das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt, han­delt es sich bei der Auf­ga­be des Woh­nungs­rechts durch die Ver­mächt­nis­neh­me­rin um eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung zu Guns­ten des Klä­gers. Auf der Sei­te der Zuwen­den­den ist eine Ver­mö­gens­min­de­rung ein­ge­tre­ten, weil die Lebens­ge­fähr­tin des Erb­las­sers durch die Auf­ga­be­er­klä­rung und die Löschung im Grund­buch ihres ding­li­chen Woh­nungs­rechts ver­lus­tig gegan­gen ist (§ 875 BGB). Ihr Ver­mö­gen ist durch Auf­ga­be die­ses Rechts gemin­dert wor­den. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Ver­mächt­nis­neh­me­rin als Berech­tig­te (§ 1093 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB) ver­pflich­tet war, für die Erhal­tung der Woh­nung in ihrem wirt­schaft­li­chen Bestan­de zu sor­gen (§ 1093 Abs. 1 Satz 2, § 1041 BGB). Das Ver­mö­gen des Klä­gers ist dage­gen durch die Auf­ga­be des Woh­nungs­rechts gemehrt wor­den. Der Klä­ger ist nun­mehr berech­tigt, die Lebens­ge­fähr­tin sei­nes ver­stor­be­nen Vaters von der Nut­zung der Woh­nung aus­zu­schlie­ßen (vgl. § 903 BGB), die Woh­nung selbst zu nut­zen oder zu ver­mie­ten. Über­dies hat das Grund­stück für den Klä­ger inso­weit eine Wert­stei­ge­rung erfah­ren, als er es ohne die in Abtei­lung II des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­ne beschränkt per­sön­li­che Dienst­bar­keit [6] ver­äu­ßern kann.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt Urteil vom 19. Febru­ar 2010 – 3 K 293/​09

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 06.03.1985 – II R 19/​84, BFHE 143, 291, BStBl II 1985, 382; vom 07.11.2007 – II R 28/​06, BFHE 218, 414, BStBl II 2008, 258[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 10.11.2004 – II R 44/​02, BFHE 207, 260, BStBl II 2005, 188; und in BFHE 218, 414, BStBl II 2008, 258[]
  3. vgl. Nds. FG, Urteil vom 14.04.2004 – 3 K 198/​02, EFG 2005, 289; Meincke, ErbStG, 15. Aufl., § 7, Rz. 9 ff.[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 15.03.2007 – II R 5/​04, BFHE 215, 540, BStBl II 2007, 472; vom 17.10.2007 – II R 53/​07, BFHE 218, 409, BStBl II 2008, 256[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 218, 409, BStBl II 2008, 256, m. w. N.[]
  6. vgl. Palandt /​Bas­sen­ge, BGB, 67. Aufl., § 1093, Rz. 1[]