Schen­kungsteu­er wegen Ver­zichts auf ein ding­li­ches Woh­nungs­recht

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs [1] ist bereits geklärt, dass der vor­zei­ti­ge unent­gelt­li­che Ver­zicht auf ein vor­be­hal­te­nes Nieß­brauchs­recht als Rechts­ver­zicht den Tat­be­stand des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG erfüllt.

Schen­kungsteu­er wegen Ver­zichts auf ein ding­li­ches Woh­nungs­recht

Für den unent­gelt­li­chen Ver­zicht auf ein ding­li­ches Woh­nungs­recht kann schon des­halb nichts ande­res gel­ten, weil das ding­li­che Woh­nungs­recht dem Nieß­brauch ähn­lich ist (vgl. § 1093 Abs. 1 Satz 2 BGB). Das ding­li­che Woh­nungs­recht ent­zieht dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer auf Dau­er das Nut­zungs­recht an einem Gebäu­de bzw. Gebäu­de­teil. Es ver­mit­telt dem Berech­tig­ten eine gesi­cher­te Rechts­po­si­ti­on, weil das Woh­nungs­recht auf­grund sei­ner ding­li­chen Wir­kung als beschränk­te per­sön­li­che Dienst­bar­keit (§ 1093 BGB) nicht nur den bewil­li­gen­den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, son­dern auch des­sen Rechts­nach­fol­ger bin­det [2]. Der unent­gelt­li­che Ver­zicht auf ein ding­li­ches Woh­nungs­recht bewirkt eine Berei­che­rung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers, weil die­ser auf­grund des Ver­zichts von einer Beschrän­kung sei­ner Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se befreit wird und sein Grund­stücks­ei­gen­tum inso­weit eine Wert­stei­ge­rung erfährt.

Aus­drück­lich offen lässt der Bun­des­fi­nanz­hof jedoch die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Ein­räu­mung bzw. der Ver­zicht auf ein schuld­recht­li­ches Woh­nungs­recht als schen­kungsteu­er­bar zu behan­deln ist [3], weil sich die­ses in grund­le­gen­der Wei­se von einem ding­li­chen Woh­nungs­recht unter­schei­det.

Für das schuld­recht­li­che Woh­nungs­recht hat die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [4] ange­nom­men, dass die Ver­pflich­tung zur unent­gelt­li­chen Gebrauchs­über­las­sung einer Woh­nung auf Lebens­zeit als Leih­ver­trag (§ 598 BGB) und nicht als Schen­kung (§ 516 BGB) zu beur­tei­len ist; nur inso­weit kommt auch § 517 BGB zum Tra­gen, wonach kei­ne Schen­kung vor­liegt, wenn jemand zum Vor­teil eines ande­ren einen Ver­mö­gens­er­werb unter­lässt.

Die vor­ste­hen­den Rechts­grund­sät­ze kön­nen auf das auf ande­ren Rechts­grund­la­gen beru­hen­de ding­li­che Woh­nungs­recht nicht ange­wen­det wer­den. Schen­kungsteu­er­recht­lich ist ent­schei­dend, dass das ledig­lich schuld­recht­li­che Woh­nungs­recht nicht die einem ding­li­chen Woh­nungs­recht eige­ne dau­er­haf­te Beschrän­kung der Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se bewirkt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Juni 2010 – II B 32/​10

  1. BFH, Urteil vom 17.03.2004 – II R 3/​01, BFHE 204, 311, BStBl II 2004, 429[]
  2. vgl. auch Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 7 Rz 28; Hof­stet­ter, ZErb 1996, 17[]
  3. dazu z.B. Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher, a.a.O., § 7 Rz 28[]
  4. BGH, Urteil vom 11.12.1981 – V ZR 247/​80, BGHZ 82, 354; vgl. auch BFH, Urteil vom 29.11.1983 – VIII R 184/​83, BFHE 140, 203, BStBl II 1984, 371[]