Schen­kungsteu­er­pflicht bei Zustif­tung an eine Fami­li­en­stif­tung

Die Zustif­tung an eine (Fami­li­en-)Stif­tung ist auch dann gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG nach der Steu­er­klas­se III steu­er­pflich­tig, wenn der Zuwen­den­de zugleich der ein­zi­ge Begüns­tig­te der Stif­tung ist.

Schen­kungsteu­er­pflicht bei Zustif­tung an eine Fami­li­en­stif­tung

Die Zuwen­dung an eine Stif­tung ist auch dann schen­kungsteu­er­pflich­tig, wenn –wie in dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall– der Zuwen­den­de ihr ein­zi­ger Begüns­tig­ter ist. Auch dies führt nicht dazu, dass sein Ver­mö­gen mit dem Ver­mö­gen der Stif­tung ver­schmilzt, so dass sei­ne Zuwen­dung an die Stif­tung als Zuwen­dung an sich selbst erschie­ne. Bei einer nach § 80 BGB rechts­fä­hi­gen Stif­tung ist das Ver­mö­gen kraft ihrer recht­li­chen Selb­stän­dig­keit vom Ver­mö­gen der Begüns­tig­ten getrennt. Dies unter­schei­det die deut­sche auch von der nach liech­ten­stei­ni­schem Recht errich­te­ten Stif­tung, wie sie etwa der BFH-Ent­schei­dung vom 28. Juni 20071 zugrun­de lag, bei der dem Zuwen­den­den auf­grund von Treu­hand­ab­re­den umfas­sen­de Herr­schafts­be­fug­nis­se über das Stif­tungs­ver­mö­gen zustan­den, so dass letzt­lich er allein recht­lich und tat­säch­lich frei dar­über ver­fü­gen konn­te.

Bei der Zuwen­dung an eine Stif­tung kann es sich um eine unter § 7 Abs. 1 Nr. 8 ErbStG fal­len­de –bei einer Fami­li­en­stif­tung steu­er­satz­pri­vi­le­gier­te (vgl. § 15 Abs. 2 Satz 1 ErbStG)– Erst­aus­stat­tung der Stif­tung oder –wie im Streit­fall– um eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung unter Leben­den an die bereits bestehen­de Stif­tung gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG ("Zustif­tung") han­deln. Die Auf­fas­sung, die Zustif­tung sei im Gegen­satz zur Erst­aus­stat­tung nicht steu­er­bar, wenn der Zuwen­den­de zugleich allei­ni­ger Begüns­tig­ter der Stif­tung ist, ist mit der recht­li­chen Selb­stän­dig­keit der Stif­tung nicht ver­ein­bar. Die­se wirt­schaft­li­che Sicht­wei­se hät­te auch zur Kon­se­quenz, dass unter Miss­ach­tung des Zuwach­ses zum Stif­tungs­ver­mö­gen stets eine Zuwen­dung des Stif­ters direkt an die Desti­na­tä­re anzu­neh­men wäre2. Der Gesetz­ge­ber hat zudem § 7 Abs. 1 Nr. 8 ErbStG nur des­halb als eigen­stän­di­gen Schen­kungsteu­er­tat­be­stand geschaf­fen, weil damals nicht geklärt schien, ob die Zuwen­dung an eine erst noch zu errich­ten­de Stif­tung begriff­lich eine Schen­kung sein kön­ne3. Die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­bar­keit sind bei bei­den Vor­schrif­ten die­sel­ben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2009 II R 22/​08

  1. BFH, Urteil vom 28.06.2007 – II R 21/​05, BFHE 217, 254, BSt­Bl II 2007, 669 []
  2. dage­gen schon RFH, Urteil vom 28.07.1920 – II A 132/​20, RFHE 3, 221 []
  3. vgl. Kipp, Kom­men­tar zum Erb­schaft­steu­er­ge­setz, 1927, § 3 Rz 185 []