Zins­lo­se Stun­dung eines Pflicht­teils­an­spruchs

Die zins­lo­se Stun­dung eines nicht gel­tend gemach­ten Pflicht­teils­an­spruchs stellt, wie der Bun­des­fi­nanz­hof in einem aktu­el­len Urteil ent­schie­den hat, kei­ne der Schen­kungsteu­er unter­lie­gen­de frei­ge­bi­ge Zuwen­dung dar.

Zins­lo­se Stun­dung eines Pflicht­teils­an­spruchs

Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG; vgl. auch § 516 Abs. 1 BGB). Erfor­der­lich hier­für ist eine Ver­mö­gens­ver­schie­bung, d.h. eine Ver­mö­gens­min­de­rung auf der Sei­te des Schen­kers und eine Ver­mö­gens­meh­rung auf der Sei­te des Beschenk­ten [1].

Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen kann, so der Bun­des­fi­nanz­hof, nicht damit begrün­det wer­den, dass der Pflicht­teils­be­rech­tig­te auf einen ihm kraft Geset­zes zuste­hen­den Zins­an­spruch ver­zich­tet habe. Ein gesetz­li­cher Anspruch auf Ver­zin­sung des Pflicht­teils­an­spruchs besteht näm­lich nur bei Ver­zug (§ 288 BGB) und Rechts­hän­gig­keit (§ 291 BGB) [2] sowie bei einer Stun­dung nach § 2331a BGB (§ 2331a Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 i.V.m. § 1382 Abs. 2 und 4 BGB).

Macht der Pflicht­teils­be­rech­tig­te das vor­über­ge­hen­de Nicht­gel­tend­ma­chen des Pflicht­teils­an­spruchs nicht von einer Ver­zin­sung abhän­gig, liegt kei­ne frei­ge­bi­ge Zuwen­dung vor. Dies ergibt sich aus der Behand­lung des nicht gel­tend gemach­ten Pflicht­teils­an­spruchs durch das ErbStG. Nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG gilt als Erwerb von Todes wegen u.a. der Erwerb auf­grund eines gel­tend gemach­ten Pflicht­teils­an­spruchs (§§ 2303 ff. BGB). Die Erb­schaft­steu­er dafür ent­steht nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b ErbStG mit dem Zeit­punkt der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs. Dem blo­ßen Ent­ste­hen des Anspruchs mit dem Erb­fall (§ 2317 Abs. 1 BGB) kommt erb­schaft­steu­er­recht­lich noch kei­ne Bedeu­tung zu. Die­ses zeit­li­che Hin­aus­schie­ben der erb­schaft­steu­er­recht­li­chen Fol­gen eines Pflicht­teils­an­spruchs ist im Inter­es­se des Berech­tig­ten gesche­hen und soll aus­schlie­ßen, dass bei ihm auch dann Erb­schaft­steu­er anfällt, wenn er sei­nen Anspruch zunächst oder dau­er­haft nicht erhebt [3]. Damit kor­re­spon­die­rend kann der Erbe gemäß § 10 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. Abs. 5 Nr. 2 ErbStG vom Wert des gesam­ten Ver­mö­gens­an­falls eben­falls nur die Ver­bind­lich­kei­ten aus gel­tend gemach­ten Pflicht­tei­len abzie­hen. Das blo­ße Bestehen von Pflicht­teils­ver­bind­lich­kei­ten ist auch inso­weit ohne steu­er­recht­li­che Bedeu­tung [4]. Der Ver­zicht auf die Gel­tend­ma­chung des Pflicht­teils­an­spruchs bleibt nach § 13 Abs. 1 Nr. 11 ErbStG steu­er­frei.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. März 2010 – II R 22/​09

  1. BFH, Urtei­le vom 06.03.1985 – II R 19/​84, BFHE 143, 291, BStBl II 1985, 382; vom 07.11.2007 – II R 28/​06, BFHE 218, 414, BStBl II 2008, 258; und vom 09.07.2009 – II R 47/​07, BFHE 226, 399, BStBl II 2010, 74[]
  2. vgl. Bay­O­bLG, Beschluss vom 22.12.1980 – BReg 1 Z 116/​80, MDR 1981, 404, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 07.10.1998 – II R 52/​96, BFHE 187, 50, BStBl II 1999, 23; und vom 19.07.2006 – II R 1/​05, BFHE 213, 122, BStBl II 2006, 718[]
  4. BFH, Urtei­le in BFHE 187, 50, BStBl II 1999, 23; und in BFHE 213, 122, BStBl II 2006, 718[]