Zuwen­dung für das Fami­li­en­heim

Im Zusam­men­hang mit Familienwohnheimen/​Familienheimen ste­hen­de Zuwen­dun­gen unter Leben­den sind auch dann nach Maß­ga­be des § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG steu­er­frei, wenn die Ehe bei der Anschaf­fung oder Her­stel­lung des Objekts noch nicht bestan­den hat­te. Zu den Zuwen­dun­gen unter Leben­den im Sin­ne des § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG gehö­ren auch Abfin­dun­gen für einen Erb­ver­zicht.

Zuwen­dung für das Fami­li­en­heim

Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG; vgl. auch § 516 Abs. 1 BGB). Die­ser Schen­kungsteu­er­tat­be­stand setzt objek­tiv eine Ver­mö­gens­ver­schie­bung vor­aus, d.h. eine Ver­mö­gens­min­de­rung auf der Sei­te des Zuwen­den­den und eine Ver­mö­gens­meh­rung auf der Sei­te des Bedach­ten, sub­jek­tiv den Wil­len des Zuwen­den­den zur Frei­ge­big­keit [1]. Der Gegen­stand der Schen­kung rich­tet sich nach bür­ger­li­chem Recht [2].

In der zins­lo­sen Gewäh­rung eines Dar­le­hens liegt eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG, wie der Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­schie­den hat [3]. Der Emp­fän­ger eines zins­lo­sen Dar­le­hens erfährt durch die Gewäh­rung des Rechts, das als Dar­le­hen über­las­se­ne Kapi­tal unent­gelt­lich zu nut­zen, eine Ver­mö­gens­meh­rung, die der Schen­kungsteu­er unter­liegt. Der Jah­res­wert des Nut­zungs­vor­teils beträgt nach § 15 Abs. 1 BewG 5,5 %, wenn kein ande­rer Wert fest­steht.

Wird das Dar­le­hen nicht zins­los, son­dern mit einem nied­ri­gen Zins­satz gewährt, liegt eben­falls eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung vor. In die­sem Fall ist der Jah­res­wert des Nut­zungs­vor­teils mit 5,5 % abzüg­lich des ver­ein­bar­ten Zins­sat­zes zu berech­nen, wenn kein ande­rer Wert fest­steht [4].

Da die unent­gelt­li­che Gewäh­rung eines zins­lo­sen oder zins­güns­ti­gen Dar­le­hens eine (sons­ti­ge) frei­ge­bi­ge Zuwen­dung im Sin­ne von § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG dar­stellt [5], ist es uner­heb­lich, dass zivil­recht­lich in der blo­ßen vor­über­ge­hen­den Gebrauchs­über­las­sung einer Sache in der Regel kei­ne das Ver­mö­gen min­dern­de Zuwen­dung liegt, wie sie für eine Schen­kung gemäß § 516 Abs. 1 BGB erfor­der­lich ist; eine Schen­kung gemäß §§ 516 ff. BGB setzt näm­lich eine Zuwen­dung vor­aus, durch die der Schen­ker die Sub­stanz sei­nes Ver­mö­gens ver­min­dert und das Ver­mö­gen des Beschenk­ten ent­spre­chend ver­mehrt [6]. Der Begriff der frei­ge­bi­gen Zuwen­dung ist wei­ter als der­je­ni­ge einer Schen­kung im zivil­recht­li­chen Sinn.

Die Steu­er­be­frei­ung nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG kann in dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall für die Zuwen­dung vom 31. März 1996 nicht berück­sich­tigt wer­den, weil die Vor­schrift ledig­lich Zuwen­dun­gen unter Ehe­gat­ten betrifft und die Klä­ge­rin und E sei­ner­zeit noch nicht ver­hei­ra­tet waren. Die spä­te­re Ehe­schlie­ßung spielt kei­ne Rol­le; denn für die Besteue­rung kommt es auf die Ver­hält­nis­se zum Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er mit Aus­füh­rung der frei­ge­bi­gen Zuwen­dung an (§ 11 i.V.m. § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG). Ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO stellt die Ehe­schlie­ßung nicht dar.

Zuwen­dun­gen unter Leben­den, mit denen ein Ehe­gat­te dem ande­ren Ehe­gat­ten Eigen­tum oder Mit­ei­gen­tum an einem im Inland bele­ge­nen, zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Haus oder einer im Inland bele­ge­nen, zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Eigen­tums­woh­nung (Fami­li­en­wohn­heim) ver­schafft oder den ande­ren Ehe­gat­ten von ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung oder der Her­stel­lung des Fami­li­en­wohn­heims frei­stellt, blei­ben nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a Satz 1 ErbStG steu­er­frei. Es muss sich dabei nicht um eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG han­deln. Die Vor­schrift gilt viel­mehr auch für Abfin­dungs­leis­tun­gen für einen Erb- oder Pflicht­teils­ver­zicht, die nach § 7 Abs. 1 Nr. 5 ErbStG als Schen­kun­gen unter Leben­den gel­ten [7]. Die Steu­er­be­frei­ung bezieht sich nach ihrem Sinn und Zweck nicht nur auf das Haus ver­stan­den als Gebäu­de, son­dern auch auf das Grund­stück, des­sen wesent­li­cher Bestand­teil es nach § 94 Abs. 1 Satz 1 BGB ist [8].

Auch steht der Anwend­bar­keit des § 13 Abs. 1 Nr. 4a Satz 1 ErbStG kein Vor­rang der Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen nach § 13a ErbStG ent­ge­gen. Viel­mehr ist für jeden der Schen­kungsteu­er unter­lie­gen­den Vor­gang geson­dert zu prü­fen, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­be­frei­ung oder Steu­er­ver­güns­ti­gung erfüllt sind. Sind die Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­be­frei­ung gege­ben, kann die­se nicht mit der Begrün­dung ver­sagt wer­den, bei Ver­wirk­li­chung eines ande­ren steu­er­ba­ren Tat­be­stands kön­ne eine Steu­er­ver­güns­ti­gung bean­sprucht wer­den. Der­ar­ti­ge hypo­the­ti­sche Betrach­tun­gen schei­den aus, weil es für die Besteue­rung nur auf den tat­säch­lich ver­wirk­lich­ten Tat­be­stand ankommt (§ 38 AO). Es ist zudem nicht erkenn­bar, war­um eine blo­ße Steu­er­ver­güns­ti­gung einer Steu­er­be­frei­ung vor­ge­hen soll.

Der Anwend­bar­keit des § 13 Abs. 1 Nr. 4a Satz 1 ErbStG steht auch nicht ent­ge­gen, dass das betrof­fe­ne Haus bei der Anschaf­fung durch die Klä­ge­rin noch kein Fami­li­en­wohn­heim war, weil die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann sei­ner­zeit noch nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet waren. Bei der Prü­fung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Anwend­bar­keit die­ser Vor­schrift gege­ben sind, kommt es gemäß § 11 i.V.m. § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG auf die Ver­hält­nis­se zum Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Zuwen­dung an [9]. Liegt zu die­sem Zeit­punkt ein Fami­li­en­wohn­heim vor, so genügt dies [10]. Es ist nicht zusätz­lich erfor­der­lich, dass es sich bereits bei der Anschaf­fung oder Her­stel­lung um ein Fami­li­en­wohn­heim gehan­delt hat. Dies gilt sowohl für die Über­tra­gung des Eigen­tums oder Mit­ei­gen­tums­an­teils an dem Fami­li­en­wohn­heim als auch bei der Frei­stel­lung von ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung oder Her­stel­lung des Fami­li­en­wohn­heims [11]. Für eine unter­schied­li­che Behand­lung die­ser Fall­grup­pen gibt es kei­ne Grund­la­ge.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Novem­ber 2010 – II R 37/​09

  1. BFh, Urteil vom 09.12.2009 – II R 22/​08, BFHE 228, 165, BStBl II 2010, 363[]
  2. BFH, Urtei­le vom 25.11.2008 – II R 38/​06, BFH/​NV 2009, 772; und vom 09.12.2009 – II R 28/​08, BFHE 228, 169, BStBl II 2010, 566[]
  3. grund­le­gend BFH, Urteil vom 12.07.1979 – II R 26/​78, BFHE 128, 266, BStBl II 1979, 631; fer­ner BFH, Urtei­le vom 04.12.2002 – II R 75/​00, BFHE 200, 406, BStBl II 2003, 273; vom 29.06.2005 – II R 52/​03, BFHE 210, 459, BStBl II 2005, 800; vom 21.02.2006 – II R 70/​04, BFH/​NV 2006, 1300; und vom 11.04.2006 – II R 13/​04, BFH/​NV 2006, 1665; BFH, Beschluss vom 14.01.2010 – II B 112/​09, BFH/​NV 2010, 901[]
  4. BFH, Beschluss vom 15.03.2001 – II B 171/​99, BFH/​NV 2001, 1122, unter Hin­weis auf das in einer Grund­er­werb­steu­er­sa­che ergan­ge­ne BFH-Urteil vom 17.04.1991 – II R 119/​88, BFHE 164, 130, BStBl II 1991, 586[]
  5. BFH, Urteil vom 30.03.1994 – II R 105/​93, BFH/​NV 1995, 70; Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 15. Aufl., § 7 Rz 9[]
  6. BGH, Urtei­le vom 11.12.1981 – V ZR 247/​80, BGHZ 82, 354; und vom 01.07.1987 – IVb ZR 70/​86, BGHZ 101, 229; BGH, Beschluss vom 11.07.2007 – IV ZR 218/​06, ZErb 2008, 192; OLG Hamm, Urteil vom 05.02.1996 – 2 U 139/​95, NJW-RR 1996, 717[]
  7. Meincke, a.a.O., § 13 Rz 19[]
  8. BFH, Urteil vom 26.02.2009 – II R 69/​06, BFHE 224, 151, BStBl II 2009, 480[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 224, 151, BStBl II 2009, 480, unter II.2.a[]
  10. H.-U. Vis­korf in Viskorf/​Knobel/​Schuck, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 3. Aufl., § 13 ErbStG Rz 35[]
  11. eben­so FG Mün­chen, Beschluss vom 03.02.2006 – 4 V 2881/​05, EFG 2006, 686; Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 13 Rz 66[]