Erle­di­gungs­er­klä­rung – und der Streit um ihre Wirk­sam­keit

Macht der Betei­lig­te eines finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens nach Erge­hen eines Haupt­sa­chen­er­le­di­gungs­be­schlus­ses nach Maß­ga­be des § 138 Abs. 1 FGO gel­tend, er habe die für einen sol­chen Beschluss erfor­der­li­che Erle­di­gungs­er­klä­rung nicht abge­ge­ben, so ist dies als Begeh­ren auf Fort­set­zung des Ver­fah­rens aus­zu­le­gen.

Erle­di­gungs­er­klä­rung – und der Streit um ihre Wirk­sam­keit

Die­ses Begeh­ren hat zum Ziel, dass das Feh­len über­ein­stim­men­der Erle­di­gungs­er­klä­run­gen fest­ge­stellt und über das Kla­ge­be­geh­ren in der Sache durch Urteil beschie­den wer­de [1].

Das bedeu­tet aber, dass der betref­fen­de Betei­lig­te zunächst die Ver­fah­rens­fort­set­zung beim Finanz­ge­richt bean­tra­gen muss. Die Beschwer­de steht erst zur Ver­fü­gung, wenn das Finanz­ge­richt über die­sen Antrag abschlie­ßend ent­schie­den hat.

Etwas ande­res folgt auch nicht aus dem soge­nann­ten Grund­satz der Meist­be­güns­ti­gung. Danach kön­nen ihrer Art nach inkor­rek­te Ent­schei­dun­gen, mit denen das Finanz­ge­richt fälsch­lich durch Beschluss statt durch Urteil oder umge­kehrt ent­schei­det, sowohl mit dem Rechts­mit­tel ange­foch­ten wer­den, das für die tat­säch­lich gewähl­te Ent­schei­dungs­form vor­ge­se­hen ist, als auch mit dem­je­ni­gen Rechts­mit­tel, das bei der kor­rek­ten Ent­schei­dungs­form zuläs­sig gewe­sen wäre [2].

Die­ser Grund­satz greift aber erst dann ein, wenn das Finanz­ge­richt über das Begeh­ren tat­säch­lich ent­schie­den hat, bei einem Streit über die Wirk­sam­keit der Erle­di­gungs­er­klä­run­gen also ent­we­der nach Maß­ga­be des Beschlus­ses in BFH/​NV 2008, 815 ‑kor­rekt- durch Urteil oder ‑inkor­rekt- durch Beschluss.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Klä­ge­rin die Fra­ge der Unwirk­sam­keit ihrer Erle­di­gungs­er­klä­rung erst­mals im Rah­men des Beschwer­de­ver­fah­rens an den BFH her­an­ge­tra­gen. Das Finanz­ge­richt hat dar­über noch nicht befun­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 24. März 2017 – X B 26/​17

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 13.02.2008 – VIII B 215/​07, BFH/​NV 2008, 815, unter II. 1.a, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 24.01.2008 – XI R 63/​06, BFH/​NV 2008, 606, unter II. 3.; in BFH/​NV 2008, 815, unter II. 1.a; bei­de m.w.N.[]