Ersatz­zu­stel­lung bei vor­han­de­nem Brief­kas­ten

Gemäß § 53 Abs. 1 und Abs. 2 FGO i.V.m. § 176 ZPO kann die Ladung zur münd­li­chen Ver­hand­lung durch die Post mit Zustel­lungs­ur­kun­de bewirkt wer­den.

Ersatz­zu­stel­lung bei vor­han­de­nem Brief­kas­ten

Ist die Über­ga­be der Ladung nach § 177 oder § 178 Abs. 1 Nrn. 1 oder 2 ZPO nicht mög­lich, kann sie in einen Brief­kas­ten oder eine ähn­li­che Vor­rich­tung, die der Adres­sat für den Post­emp­fang ein­ge­rich­tet hat und die in der all­ge­mein übli­chen Art für eine siche­re Auf­be­wah­rung geeig­net ist, ein­ge­legt wer­den (§ 180 Satz 1 ZPO). Ist auch das nicht aus­führ­bar, hat der Zustel­ler die Ladung bei einer von der Post bestimm­ten Stel­le nie­der­zu­le­gen (§ 181 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 ZPO). Über die Nie­der­le­gung ist eine schrift­li­che Mit­tei­lung in der bei gewöhn­li­chen Brie­fen übli­chen Wei­se abzu­ge­ben oder, wenn das nicht mög­lich ist, an der Tür anzu­hef­ten (§ 181 Abs. 1 Satz 3 ZPO).

Eine feh­ler­haf­te Annah­me der Zustel­lungs­vor­aus­set­zun­gen führt zur Unwirk­sam­keit der Zustel­lung 1.

Eine Ersatz­zu­stel­lung durch Nie­der­le­gung bei der Post setzt vor­aus, dass die Zustel­lung nicht nach § 180 ZPO durch Ein­le­gen der Ladung in einen Brief­kas­ten oder eine ähn­li­che Vor­rich­tung aus­führ­bar ist (§ 181 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Unmög­lich­keit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten o.Ä. ist Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung der Ersatz­zu­stel­lung durch Nie­der­le­gung 2. Das ergibt sich nicht nur aus dem Wort­laut des § 181 Abs. 1 Satz 1 ZPO, son­dern auch aus dem mit der Rege­lung ver­folg­ten Zweck, die für den Adres­sa­ten oft umständ­li­che Zustel­lung durch Nie­der­le­gung soweit wie ver­tret­bar zu ver­mei­den 3. Vor die­sem Hin­ter­grund darf die Benach­rich­ti­gung über eine Nie­der­le­gung nicht in den Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen wer­den. Denn wenn der Adres­sat über einen sol­chen ver­fügt, schei­det die Ersatz­zu­stel­lung nach § 181 ZPO von vorn­her­ein aus 4.

Das hat die Zustel­le­rin im hier ent­schie­de­nen Streit­fall ver­kannt. Aus­weis­lich der Zustel­lungs­ur­kun­de hat sie die Mit­tei­lung über die Nie­der­le­gung in den Geschäfts­brief­kas­ten der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin ein­ge­wor­fen. Es ist nichts dafür ersicht­lich, dass in die­sen nicht die Ladung selbst hät­te ein­ge­legt wer­den kön­nen. Zwar mag es Aus­nah­me­fäl­le geben, in denen ein Brief­kas­ten nicht den Anfor­de­run­gen des § 180 ZPO genügt, aber ‑wie von § 181 Abs. 1 Satz 3 ZPO ver­langt- zur Ent­ge­gen­nah­me von gewöhn­li­chen Brie­fen regel­mä­ßig ver­wen­det wird 5. Dafür, dass es sich bei dem Geschäfts­brief­kas­ten der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin ‑einer Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft- um einen sol­chen Fall han­delt, bestehen jedoch kei­ne Anhalts­punk­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Novem­ber 2016 – IV B 39/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.03.1968 – X ZB 12/​67; BFH, Urteil vom 11.04.1986 – VI R 22/​85, BFH/​NV 1986, 545[]
  2. OLG Ham­burg, Beschluss vom 21.10.2002 – II-66/02, 1 Ss 131/​02[]
  3. Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs des Zustel­lungs­re­form­ge­set­zes in BT-Drs. 14/​4554, S. 13[]
  4. Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 53 Rz 102; Neu­mann in Beermann/​Gosch, FGO § 53 Rz 39; Zöller/​Stöber, a.a.O., § 181 Rz 4; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 23. Aufl., § 181 Rz 7[]
  5. MünchKommZPO/​Häublein, 5. Aufl., § 181 Rz 7, nennt den unver­schlos­se­nen Brief­kas­ten[]