Ersatz­zu­stel­lung durch Ein­le­gen in den Brief­kas­ten – und das nicht ver­merk­te Zustelldatum

Nach § 120 Abs. 1 Satz 1 FGO ist die Revi­si­on inner­halb eines Monats nach Zustel­lung des voll­stän­di­gen Urteils schrift­lich beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­zu­le­gen. Die Revi­si­ons­frist beginnt nach § 54 Abs. 2 FGO i.V.m. § 222 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 187 Abs. 1 BGB mit Ablauf des Tages, an dem die Zustel­lung erfolgt ist.

Ersatz­zu­stel­lung durch Ein­le­gen in den Brief­kas­ten – und das nicht ver­merk­te Zustelldatum

Wählt das Gericht den Weg der Zustel­lung durch Zustel­lungs­auf­trag i.S. des § 53 Abs. 2 FGO i.V.m. § 176 ZPO, ist bei einer dann nach § 176 Abs. 2, § 180 ZPO zuläs­si­gen Ersatz­zu­stel­lung die Zustel­lung grund­sätz­lich mit der Ein­le­gung des Schrift­stücks in den Brief­kas­ten bewirkt (§ 180 Satz 2 ZPO). Vor­aus­set­zung hier­für ist jedoch, dass u.a. der Zustel­ler auf dem Umschlag des zuzu­stel­len­den Schrift­stücks das Datum der Zustel­lung ver­merkt (§ 180 Satz 3 ZPO).

Die­ser Ver­merk gehört zu den zwin­gen­den Zustel­lungs­vor­schrif­ten i.S. des § 189 ZPO. Fehlt die­ser Ver­merk, liegt ein Zustel­lungs­man­gel vor, der zur Unwirk­sam­keit der Zustel­lung führt1.

Ver­stößt eine Ersatz­zu­stel­lung durch Ein­le­gen in den Brief­kas­ten gegen zwin­gen­de Zustel­lungs­vor­schrif­ten, weil der Zustel­ler ent­ge­gen § 180 Satz 3 ZPO auf dem Umschlag des zuzu­stel­len­den Schrift­stücks das Datum der Zustel­lung nicht ver­merkt hat, ist das zuzu­stel­len­de Doku­ment i.S. des § 189 ZPO in dem Zeit­punkt dem Emp­fän­ger tat­säch­lich zuge­gan­gen, in dem er das Schrift­stück in die Hand bekommt2.

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Öffentliche Zustellungen im Zivilprozess

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2020 – XI R 41/​18

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 19.01.2005 – II B 38/​04, BFH/​NV 2005, 900, unter II. 1.; vom 19.09.2007 – VI B 151/​06, BFH/​NV 2007, 2332, unter 1.; BFH, Urtei­le vom 21.09.2011 – I R 50/​10, BFHE 235, 255, BStBl II 2012, 197, Rz 9; vom 28.07.2015 – VIII R 2/​09, BFHE 251, 162, BStBl II 2016, 447, Rz 18[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 06.05.2014 – GrS 2/​13, BFHE 244, 536, BStBl II 2014, 645, Rz 78; so auch BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2005, 900, unter II. 1.; in BFH/​NV 2007, 2332, unter 1.; BFH, Urtei­le in BFHE 235, 255, BStBl II 2012, 197, Rz 9; in BFHE 251, 162, BStBl II 2016, 447, Rz 20; BGH, Urteil vom 12.09.2019 – IX ZR 262/​18, NJW/​RR 2019, 1465, Rz 31[]

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