Feh­ler­haf­te Urteils­grün­de – aber das rich­ti­ge Ergebnis

Nach § 126 Abs. 4 FGO ist eine Revi­si­on zurück­zu­wei­sen, wenn die Ent­schei­dungs­grün­de zwar eine Ver­let­zung des bestehen­den Rechts erge­ben, sich die Ent­schei­dung selbst aber aus ande­ren Grün­den als rich­tig darstellt.

Feh­ler­haf­te Urteils­grün­de – aber das rich­ti­ge Ergebnis

Die Vor­schrift fin­det im Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren ent­spre­chen­de Anwen­dung1.

So auch bei der hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Nichtzulassungsbeschwerde:

Das Bele­gen­heits­fi­nanz­amt hat mit Bescheid vom 24.08.2012 den Bedarfs­wert des Grund­stücks für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er der Erben (und damit der Bei­ge­la­de­nen) nach § 10 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 12 Abs. 3 ErbStG auf den Tag des Todes fest­ge­stellt und dabei zutref­fend den auf die Erben über­tra­ge­nen Anteil auf 3/​4 ange­setzt, denn hin­sicht­lich der rest­li­chen 1/​4 war die Klä­ge­rin Eigen­tü­me­rin. Inso­weit ist der Bescheid der Klä­ge­rin fol­ge­rich­tig auch nicht bekannt gege­ben wor­den, denn sie ist nicht Erbin. Damit konn­te er aller­dings auch nicht bei der Besteue­rung der Klä­ge­rin im Rah­men des § 16 BewG als Grund­la­gen­be­scheid berück­sich­tigt werden.

Die Klä­ge­rin hat damit grund­sätz­lich zu Recht bean­stan­det, dass das Finanz­ge­richt den Bescheid vom 24.08.2012 ihrer Besteue­rung zugrun­de gelegt hat, obwohl sie weder Bekannt­ga­be- noch Inhalts­adres­sa­tin war. Das Finanz­ge­richt hat dies nicht pro­ble­ma­ti­siert, so dass nicht fest­stell­bar ist, auf wel­cher Vor­stel­lung dies beruh­te. Falls aus Sicht des Finanz­ge­richt der Bescheid unge­ach­tet der Bekannt­ga­be­fra­ge ver­wer­tet wer­den durf­te, läge, wovon auch das Finanz­amt aus­geht, ein mate­ri­ell-recht­li­cher Feh­ler vor. Falls das Finanz­ge­richt hin­ge­gen die feh­len­de Bekannt­ga­be nicht gese­hen und des­halb nicht beach­tet hat, käme ‑wie die Klä­ge­rin es rügt- eine Ver­let­zung der Pflicht aus § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO, die Über­zeu­gung aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zu schöp­fen, in Gestalt eines Ver­sto­ßes gegen den kla­ren Inhalt der Akten in Betracht.

Im Ergeb­nis ist die Revi­si­on den­noch nicht zuzu­las­sen, denn das Urteil ist gleich­wohl rich­tig, da der Grund­stücks­wert dem (frü­he­ren) Bescheid vom 08.04.2014 zu ent­neh­men war. Die­ser Bescheid wur­de zutref­fend der Klä­ge­rin bekannt gegeben. 

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2020 – II B 38/​20

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BFH, Beschlüs­se vom 25.06.2014 – VII B 210/​13, BFH/​NV 2014, 1714, Rz 13; vom 13.02.2017 – X B 72/​16, BFH/​NV 2017, 765, Rz 10; vom 30.08.2017 – II B 16/​17, BFH/​NV 2017, 1611, Rz 3; und vom 11.02.2020 – XI B 69/​19, – XI B 70/​19, BFH/​NV 2020, 891, Rz 23, jeweils m.w.N.[]

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