Fest­set­zungs­ver­jäh­rung – und die Ablauf­hem­mung einer Steu­er­fahn­dungs­prü­fung

Vor­aus­set­zung für die ver­jäh­rungs­hem­men­de Wir­kung der Ermitt­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen durch die Steu­er­fahn­dung nach § 171 Abs. 5 Satz 1 AO ist, dass für den Steu­er­pflich­ti­gen klar und ein­deu­tig erkenn­bar ist, in wel­chen kon­kre­ten Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten ermit­telt wird.

Fest­set­zungs­ver­jäh­rung – und die Ablauf­hem­mung einer Steu­er­fahn­dungs­prü­fung

Begin­nen die mit der Steu­er­fahn­dung betrau­ten Dienst­stel­len einer Lan­des­fi­nanz­be­hör­de vor Ablauf der Fest­set­zungs­frist beim Steu­er­pflich­ti­gen mit Ermitt­lun­gen der Besteue­rungs­grund­la­gen, läuft die Fest­set­zungs­frist gemäß § 171 Abs. 5 Satz 1 AO inso­weit nicht ab, bevor die auf­grund der Ermitt­lun­gen zu erlas­sen­den Steu­er­be­schei­de unan­fecht­bar gewor­den sind.

Vor­aus­set­zung für die ver­jäh­rungs­hem­men­de Wir­kung der Ermitt­lun­gen der Besteue­rungs­grund­la­gen ist, dass für den Steu­er­pflich­ti­gen erkenn­bar ist, dass in sei­nen Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten ermit­telt wird 1.

Nach den Vor­ga­ben des § 171 Abs. 5 Satz 1 AO tritt die Hem­mung des Ablaufs der Fest­set­zungs­frist nur dann ein, wenn für den Steu­er­pflich­ti­gen klar und ein­deu­tig erkenn­bar ist, in wel­chem kon­kre­ten Besteue­rungs- bzw. Straf­ver­fah­ren die Steu­er­fahn­dung ermit­telt. Dies geht im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall aus dem Schrei­ben der Steu­er­fahn­dungs­stel­le aber nicht klar her­vor, da die­ses Schrei­ben im Betreff ledig­lich das steu­er­straf­recht­li­che Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den Steu­er­pflich­ti­gen und des­sen eige­ne Selbst­an­zei­ge nennt, obgleich von der Steu­er­fahn­dung auch die von dem Klä­ger als Gesamt­rechts­nach­fol­ger der ver­stor­be­nen Mut­ter abge­ge­be­ne Nach­erklä­rung über­prüft wer­den soll­te. Auch nach dem Ein­lei­tungs­satz beschränk­ten sich die Ermitt­lun­gen der Steu­er­fahn­dung auf die Über­prü­fung der Selbst­an­zei­ge des Klä­gers für die Jah­re 1999 bis 2008. Zwar wur­de der Klä­ger in dem Schrei­ben auch auf­ge­for­dert, über­prüf­ba­re Unter­la­gen über die nach­erklär­ten Ein­künf­te der Mut­ter vor­zu­le­gen. Da dies­be­züg­lich jedoch weder auf die Nach­erklä­rung die­ser Ein­künf­te der ver­stor­be­nen Mut­ter Bezug genom­men wur­de, noch die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ange­ge­ben wur­den, auf die sich die Ermitt­lun­gen erstre­cken soll­ten, war es für den Steu­er­pflich­ti­gen auf­grund der wider­sprüch­li­chen Anga­ben im Betreff und Ein­lei­tungs­satz nicht ein­deu­tig erkenn­bar, dass Gegen­stand der Ermitt­lun­gen der Steu­er­fahn­dung auch die Kapi­tal­ein­künf­te der Mut­ter für die Jah­re 1998 und 1999 sein soll­ten. Der Ablauf der Fest­set­zungs­frist war danach nicht nach § 171 Abs. 5 Satz 1 AO gehemmt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2015 – VIII R 67/​13

  1. BFH, Urteil vom 08.07.2009 – VIII R 5/​07, BFHE 226, 198, BSt­Bl II 2010, 583, m.w.N.[]