Fest­stel­lungs- und Mess­be­schei­de – und der Min­dest­streit­wert

Nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 GKG wird in Pro­zess­ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit die Ver­fah­rens­ge­bühr mit Ein­rei­chung der Kla­ge, Antrags- oder Rechts­mit­tel­schrift fäl­lig. Der maß­ge­ben­de Wert für die Ermitt­lung der Gebühr ergibt sich im Finanz­pro­zess nach Auf­he­bung des frü­he­ren § 63 Abs. 1 Satz 4 GKG a.F. 1 nicht mehr ein­heit­lich aus dem Min­dest­streit­wert nach § 52 Abs. 4 Nr. 1 GKG und im Hin­blick auf § 63 Abs. 1 Satz 3 GKG auch nicht aus einem vor­läu­fig fest­ge­setz­ten Wert gemäß § 63 Abs. 1 GKG, son­dern aus dem von § 52 Abs. 5 GKG bestimm­ten Wert.

Fest­stel­lungs- und Mess­be­schei­de – und der Min­dest­streit­wert

Nach die­ser Vor­schrift ist, da im Zeit­punkt der Erhe­bung der Gebühr nach § 6 GKG kei­ne Wert­fest­set­zung vor­liegt, ent­we­der bei Streit­fäl­len über bestimm­te Geld­leis­tun­gen oder auf bestimm­te Geld­leis­tun­gen bezo­ge­ne Ver­wal­tungs­ak­te der nach § 52 Abs. 3 und Abs. 4 Nr. 1 GKG maß­ge­ben­de Wert, soweit er sich unmit­tel­bar aus den gericht­li­chen Ver­fah­rens­ak­ten ergibt, oder in allen ande­ren Fäl­len der Min­dest­wert nach § 52 Abs. 4 Nr. 1 GKG anzu­set­zen. Damit ver­bleibt es im Ergeb­nis für Streit­fäl­le, die nicht unter § 52 Abs. 3 GKG zu sub­su­mie­ren sind, bei der schon vor Auf­he­bung des § 63 Abs. 1 Satz 4 GKG a.F. gel­ten­den Rechts­la­ge, wonach sich die Gebühr aus dem Min­dest­streit­wert ergibt. Eine Bin­dung an den vom Finanz­ge­richt zugrun­de geleg­ten Streit­wert besteht nicht.

Bei Anfech­tungs­kla­gen wegen einer geson­der­ten und ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung bemisst der Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung den Streit­wert des Ver­fah­rens nach § 52 Abs. 1 GKG und nicht nach § 52 Abs. 3 GKG 2. Denn der Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid bezieht sich nicht unmit­tel­bar auf eine bezif­fer­te Geld­leis­tung, son­dern ist nur Grund­la­ge für sol­che Beschei­de 3. Glei­ches gilt für einen Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid. Ist der nach § 52 Abs. 1 GKG zu bestim­men­de Streit­wert noch nicht fest­ge­setzt, kommt als Wert für die vor­läu­fi­ge Ver­fah­rens­ge­bühr nach § 52 Abs. 5 GKG nur der Min­dest­wert von 1.500 EUR gemäß § 52 Abs. 4 Nr. 1 GKG in Betracht 4.

In einem Streit­fall, in dem nur über Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de und Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de gestrit­ten wird, ist danach für jeden selb­stän­di­gen Streit­ge­gen­stand der Min­dest­wert anzu­set­zen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Juli 2016 – IV E 2/​16

  1. durch Art. 7 Nr. 8 des Geset­zes zur Durch­füh­rung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1215/​2012 sowie zur Ände­rung sons­ti­ger Vor­schrif­ten vom 08.07.2014, BGBl I 2014, 890[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 22.04.2015 – IV R 13/​12, BFHE 250, 295, BSt­Bl II 2015, 989; BFH, Beschlüs­se vom 29.11.2012 – IV E 7/​12; und vom 29.02.2012 – IV E 1/​12[]
  3. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, Vor­be­mer­kun­gen zu §§ 135 bis 149 FGO Rz 118; Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., vor § 135 Rz 135; ande­rer Ansicht Finanz­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 15.09.2015 3 KO 962/​15[]
  4. glei­cher Ansicht wohl Just, DStR 2014, 2481, 2482[]