Finanz­amt und Staats­an­walt­schaft

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat den Anwen­dungs­er­lass zur Abga­ben­ord­nung geän­dert und neue Rege­lun­gen zu der Fra­ge ein­ge­führt, wann Finanz­äm­ter steu­er­li­che Sach­ver­hal­te trotz des gesetz­li­chen Steu­er­ge­heim­nis­ses etwa an die Staats­an­walt­schaft wei­ter­ge­ben dür­fen.

Finanz­amt und Staats­an­walt­schaft

So wird zunächst fest­ge­stellt, dass nach § 30 Abs. 4 Nr. 5 AO die Offen­ba­rung der steu­er­li­chen Ver­hält­nis­se eines ande­ren zur Ver­fol­gung von

  • Wider­stand gegen Voll­stre­ckungs­be­am­te (§ 113 Abs. 1 StGB),
  • Ver­stri­ckungs­brü­chen (§ 136 Abs. 1 StGB),
  • Sie­gel­brü­chen (§ 136 Abs. 2 StGB) oder
  • Ver­ei­te­lung der Voll­stre­ckung288 StGB)

im Besteue­rungs­ver­fah­ren durch die Finanz­be­hör­den gegen­über Gerich­ten oder Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den erlaubt sei. Eine sol­che Mel­dung sei auch gebo­ten, das zwin­gen­de öffent­li­che Inter­es­se an der Offen­ba­rung folgt dar­aus, dass sich die straf­recht­lich rele­van­ten Hand­lun­gen gegen die Gesetz­mä­ßig­keit des Steu­er­ver­fah­rens als Gan­zes – Steu­er­erhe­bung und Steu­er­ver­stri­ckung – rich­ten.

Aber auch bei Insol­ven­zen wird die Gang­art här­ter: Lie­gen den Finanz­be­hör­den Erkennt­nis­se zu Insol­venz­straf­ta­ten (§§ 283 bis 283c StGB) oder zu Insol­venz­ver­schlep­pungs­straf­ta­ten (§ 84 Abs. 1 Nr. 2 GmbHG, § 401 Abs. 1 Nr. 2 AktG, §§ 130b, 177a HGB) vor, die sie im Besteue­rungs­ver­fah­ren erlangt haben, so ist eine Offen­ba­rung die­ser Erkennt­nis­se an die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums eben­falls nach § 30 Abs. 4 Nr. 5 AO zuläs­sig.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Ände­rungs­er­laß vom 11. Dezem­ber 2007 – IV A 4 – S 0062/​07/​0003 DOK 2007/​0535798