Finanz­ge­richt­li­che Über­ra­schungs­ent­schei­dung?

Eine Über­ra­schungs­ent­schei­dung kann zwar vor­lie­gen, wenn das Finanz­ge­richt sein Urteil auf einen bis dahin nicht erör­ter­ten recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt stützt und damit dem Rechts­streit eine Wen­dung gibt, mit der auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter selbst unter Berück­sich­ti­gung der Viel­zahl ver­tret­ba­rer Rechts­auf­fas­sun­gen nach dem bis­he­ri­gen Ver­lauf der Ver­hand­lung nicht rech­nen muss­te 1.

Finanz­ge­richt­li­che Über­ra­schungs­ent­schei­dung?

Einer umfas­sen­den Erör­te­rung der für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te bedarf es dabei aber nicht 2.

Eine sol­che Über­ra­schungs­ent­schei­dung schei­det zudem aus, wenn der frag­li­che Gesichts­punkt das zen­tra­le The­ma des Ver­fah­rens war und die Klä­ger daher mit einer ihn belas­ten­den Ein­schät­zung des Finanz­ge­richt rech­nen muss­ten.

Der Grund­satz des recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet das Finanz­ge­richt auch nicht, den Betei­lig­ten die für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te anzu­deu­ten und die­se mit den Betei­lig­ten umfas­send zu erör­tern 3. Das Gesag­te gilt erst Recht im Ver­hält­nis zu einem Betei­lig­ten, der ‑wie im hier ent­schie­de­nen Streit­fall die Klä­ger- rechts­kun­dig bera­ten ist 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2016 – X B 146/​15

  1. BFH, Beschluss vom 13.07.2012 – IX B 3/​12, BFH/​NV 2012, 1635[]
  2. so schon BFH, Beschluss vom 25.05.2000 – VI B 100/​00, BFH/​NV 2000, 1235[]
  3. BFH, Beschluss vom 12.07.2012 – I B 131/​11, BFH/​NV 2012, 1815[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 06.03.2013 – X B 139/​12, BFH/​NV 2013, 978, m.w.N.[]