Finanz­ge­richt­li­che Will­kür­ent­schei­dun­gen in Schät­zungs­fäl­len

Die Revi­si­on ist gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO auch dann zuzu­las­sen, wenn die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts in einem sol­chen Maße feh­ler­haft ist, dass das Ver­trau­en in die Recht­spre­chung nur durch eine höchst­rich­ter­li­che Kor­rek­tur der finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung wie­der­her­ge­stellt wer­den kann [1]; die Ent­schei­dung muss objek­tiv will­kür­lich erschei­nen oder greif­bar gesetz­wid­rig sein.

Finanz­ge­richt­li­che Will­kür­ent­schei­dun­gen in Schät­zungs­fäl­len

Bei einer Schät­zung bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof eine „objek­ti­ve Will­kür“ im vor­ge­nann­ten Sinn nur dann, wenn das vom Finanz­ge­richt gefun­de­ne Schät­zungs­er­geb­nis schlecht­hin unver­tret­bar (wirt­schaft­lich unmög­lich) ist oder krass von den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten abweicht und in kei­ner Wei­se erkenn­bar ist, dass über­haupt Schät­zungs­er­wä­gun­gen ange­stellt wor­den sind [2].

Im Übri­gen wür­de ein bei der Schät­zung erfolg­ter Ver­stoß des Finanz­ge­richts gegen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze regel­mä­ßig „nur“ einen (ein­fa­chen) mate­ri­ell-recht­li­chen Feh­ler begrün­den [3], der nicht die Schwel­le zur objek­ti­ven Will­kür erreicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Juli 2013 – III B 25/​12

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 05.09.2011 – X B 144/​10, BFH/​NV 2012, 3, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 04.08.2010 – X B 198/​09, BFH/​NV 2010, 2102, m.w.N.[]
  3. s. dazu Lan­ge in HHSp, § 96 FGO Rz 146[]